Beim FC Bayern München lebt Alphonso Davies seinen Traum. Der 18-Jährige wechselte zu Jahresbeginn von den Vancouver Whitecaps an die Isar und kam unter Niko Kovac bislang elf Mal zum Zug. In den Monaten zwischen der Verkündung des Transfers und seiner tatsächlichen Ankunft in München war er fast ein wenig fassungslos, wie er gegenüber BBC verriet. 


Beim engen 3:2-Sieg über den SC Paderborn durfte Alphonso Davies in dieser Saison bereits zum vierten Mal in der Bundesliga aufs Feld. Der Flügelspieler wird aufgrund seines enormen Tempos von Kovac als Backup auf dem Linksverteidiger-Posten eingesetzt und vertrat in der zweiten Halbzeit Lucas Hernandez, ​der aufgrund von Schmerzen am Knie ausgewechselt werden musste.


"Er hat alles, was es braucht, um ein Topspieler zu werden", wird Journalist Raphael Honigstein zitiert. "Davies ist ein aufregender Spieler, [...] er wird davon profitieren, Spielzeit zu bekommen. Das Problem ist, dass Niko Kovac instinktiv auf erfahrene Spieler vertraut. Er schafft es häufig in den Spieltagskader, aber bei wichtigen Spielen ist es schwierig für ihn."

Alphonso Davies

  Häufig Bankdrücker: Alphonso Davies ist in seinem ersten Jahr noch längst nicht so weit, um für einen Stammplatz in Frage zu kommen. 


Tatsächlich braucht Davies noch Zeit um sich zu entwickeln, das Niveau von Serge Gnabry, Kingsley Coman oder Ivan Perisic ist noch ein gutes Stück entfernt. Immer wieder kommt er bei der zweiten Mannschaft zum Zug, beim knappen 2:1-Sieg über den FC Ingolstadt vor einer Woche bereitete er das Siegtor von Michael Cuisance vor.


Trotz seiner eher untergeordneten Rolle lebt Davies in München seinen Traum. "Als ich zu Bayern gekommen bin, konnte ich es nicht glauben", erzählt er im Gespräch mit BBC, in dem er sich an seine erste Begegnung mit Arjen Robben erinnerte. "Als ich in die Umkleidekabine gegangen bin, war Arjen Robben die erste Person, die ich gesehen habe. Ich konnte meinen Augen nicht trauen. Er kam zu mir, hat mir die Hand geschüttelt und gesagt 'Hi, ich bin Arjen.' Ich dachte mir nur: 'Du musst dich nicht vorstellen.'"


Unglaube über Willkommensnachrichten


Schon kurz nach der Verkündung des Transfers seien viele Spieler auf ihn zugekommen, so recht glauben wollte er das zunächst aber nicht. Erst der Verifizierungshaken auf den jeweiligen Social Media Plattformen habe Davies die Gewissheit gegeben, dass ihn seine zukünftigen Mannschaftskollegen vorab willkommen hießen - so beispielsweise Mats Hummels: "Als ich unterschrieben habe, habe ich auf Instagram ein Bild gepostet, auf dem ich das Trikot trage. Dort war ein Kommentar, da stand: 'Mats Hummels folgt dir, du folgst ihm nicht zurück.' Ich habe seinen Namen gesucht, bin ihm zurückgefolgt und er schickte mir eine Nachricht: 'Willkommen im Team, ich freue mich darauf, dich bald zu sehen.' Ich antwortete mit: 'Danke, ich kann es gar nicht erwarten.'"


Mittlerweile lebt Davies seit fast zehn Monaten in München, an die Mannschaft und das Umfeld hat er sich längst gewöhnt. Bis er eine wichtige Rolle einnehmen wird, dürfte aber noch einige Zeit vergehen. Honigstein glaubt daher, dass ein Leihgeschäft hilfreich wäre: "Ich glaube, es gibt die Gelegenheit, dass Bayern das mit ihm macht, was sie auch mit Markus Babbel, Philipp Lahm und David Alaba gemacht haben: Ihn zu einem Klub in der Nähe ausleihen und sicherzustellen, dass er die Spielzeit bekommt, die er braucht, um das nächste Level zu erreichen." Dann könnte er gestärkt zurückkehren und den Konkurrenzkampf möglicherweise aufnehmen.