​Aller Anfang ist schwer. Selbst für einen heutigen Spitzentrainer wie ​Jürgen Klopp. Der berichtet in seiner eigenen und im The Players Tribune (via marca.com) veröffentlichten Kolumne über eine Motivationsrede, die keine wurde und Vergleiche mit Rocky Balboa - den fast keiner in der Kabine kannte. 


Vergleich mit Rocky IV


Er war gerade ein paar Monate in ​Dortmund. Und das Duell gegen die Bayern stand an. Klopp wollte seine Mannen irgendwie davon überzeugen, dass sie auch gegen den nationalen Branchenprimus eine Chance hätten. Also bemühte er einen Vergleich mit dem Kampf zwischen Rocky Balboa und Ivan Drago, dem sowjetischen Bösewicht. 


"In der Nacht vor dem Spiel versammelte ich alle Spieler im Hotel. Alle saßen, die Lichter waren ausgeschaltet. Ich fing an, Szenen aus Rocky IV auf Video abzuspielen. Ich zeigte den Jungs die Szene, in der sich die Wissenschaftler um Ivan scharen, um ihn zu analysieren. Dann sagte ich: 'Seht ihr: Ivan ist wie Bayern. Sie haben das Beste vom Besten, die besten Maschinen, die beste Technologie! Sie sind unaufhaltsam!' 


Dann spielte ich ihnen die Szenen mit Rocky vor, wie er in Sibirien in seiner Blockhütte trainiert, Pinien fällt, mit den Gewichten durch den Schnee und bis zur Spitze des Berges läuft. 'Das sind wir', sagte ich ihnen. 'Wir sind hart. Ja, wir sind kleiner als die, aber wir haben die Leidenschaft, das Herz eines Champions. Wir können das Unmögliche schaffen!' 


Müde und leere Blicke


Als ich geendet hatte, schaute ich in die Gesichter der Spieler. Ich dachte, sie würden jetzt aufstehen, bereit sein, um in Sibirien auf einen Berg zu laufen. Doch sie sahen mich alle nur mit müdem, leerem Blick an. Als wollten sie fragen: 'Wovon zum Teufel redet der da?'


Und dann fiel mir ein: 'Von wann war der Film eigentlich? 1980? 1981? Und wann wurden diese Jungs geboren?' Ich bat alle die Hand zu heben, die den Film kannten. Es hoben nur zwei ihre Hand: Sebastian Kehl und Patrick Owomoyela. Sonst niemand. Mein ganzer Vortrag war Schwachsinn! 


Es war das wichtigste Spiel der Saison, für einige vielleicht sogar das wichtigste ihrer Karriere: Und ich erzähl denen über zehn Minuten hinweg was von Sibirien und Sowjet-Technologie. Kann man es denn glauben?! Ich musste wieder von vorne anfangen.


So läuft es manchmal im Leben. Wir sind alle nur Menschen. Und manchmal können wir uns selbst peinlich sein. Wir glauben, den besten Vortrag der Geschichte zu halten, und in Wirklichkeit reden wir totalen Unsinn. Aber am nächsten Tag stehen wir wieder auf, und gehen weiter."


Mittlerweile braucht Kloppo wohl keine Hollywood-Referenzen mehr, um seine Mannschaften zu motivieren. Er ist selbst zu einer Art Rocky geworden.