Der ​BVB spielte eine eigentlich bärenstarke englische Woche, versalzte sich die Suppe mit dem ​Last-Minute-Unentschieden gegen Frankfurt dann aber doch irgendwie selbst. Zu allem Überfluss droht nun auch noch der Ausfall von Mats Hummels. Lucien Favre könnte in dem Fall auf einige Alternativen zurückgreifen.


Die Überschrift alleine zeigt, welchen Stellenwert Mats Hummels nach nur wenigen Monaten zurück beim BVB einnimmt. Der 30-Jährige ist jetzt schon Abwehrchef und ein Stück weit auch ergänzender Leitwolf der Mannschaft und bringt den BVB mit seiner Qualität auf ein neues Level. Gegen die SGE war nach einer Stunde Schluss, Hummels musste mit Rückenbeschwerden ausgewechselt werden - und der BVB ließ sich von Frankfurt hinten reindrängen und kassierte noch den Ausgleich.

"Ich versuche es bis Samstag wieder zu schaffen, ob es klappt wird sich aber erst in ein paar Tagen zeigen", schrieb der Weltmeister von 2014 am Montag auf Twitter. Hinter seinem Einsatz gegen Werder Bremen am kommenden Wochenende steht damit ein dickes Fragezeichen. "Er konnte sich nicht drehen und nicht mehr sprinten", fasste Favre den Verletzungsumstand von Hummels zusammen. Sollten diese Beschwerden bis Samstag nicht restlos verschwunden sein, wird Hummels nicht spielen.


Hummels-Ausfall? Viel Tüftelarbeit für Favre


Und was macht Favre dann? Zwar ist Werder Bremen arg verletzungsgebeutelt, bewahrt sich aber trotzdem den Status als Europa-Anwärter. Ein Spaziergang wird das für den BVB am kommenden Samstagabend sicher nicht. Umso wichtiger ist es, dass die zuletzt anfällige schwarz-gelbe Abwehr Sicherheit ausstrahlt und umsetzen kann. Ohne Mats Hummels würde unter der Prämisse viel Tüftelarbeit auf Favre warten; nicht nur in der Innenverteidigung, sondern auch auf anderen Positionen.


Namentlich die Außenverteidiger- und die defensiven Mittelfeldpositionen. Hinten links und hinten rechts verteidigten mit Raphael Guerreiro und Achraf Hakimi zuletzt zwei sehr offensiv denkende Flügelverteidiger. Eine Rückkehr von Lukasz Piszczek in die Mannschaft wäre bei einem Ausfall von Hummels denkbar; der Pole absolvierte am Montag wieder vollständig das Mannschaftstraining. Piszczek könnte sowohl auf rechts rücken und Achraf Hakimi ersetzen oder sogar in der Innenverteidigung aushelfen.


Quo Vadis, Lukasz Piszczek?


Denn da hat Favre mit Leonardo Balerdi und Dan-Axel Zagadou auf dem Papier zwei junge Spieler in der Hinterhand, die in dieser Saison wenig (Zagadou) bis keine (Balerdi) Spielzeit erhielten und eher als potenzielle Unsicherheitsfaktoren auftreten könnten. Mit Piszczek als Rechtsverteidiger und Nationalspieler Nico Schulz (absolvierte am Montag Lauftraining) als Linksverteidiger könnte Favre das Wagnis mit Zagadou neben Manuel Akanji eingehen. Piszczeck hat seine Qualitäten ohnehin auf der rechten Abwehrseite und die werden gegen Bremens Flügelspieler gefragt sein.


Eine weitere Option wäre Julian Weigl. Der 24-Jährige etablierte sich in der Rückrunde der abgelaufenen Saison als Aushilfsinnenverteidiger und bewies, dass er die Position durchaus zu spielen weiß. Mit seinen Qualitäten am Ball würde er zudem das durch den Ausfall von Hummels limitierte Aufbauspiel kompensieren können. Weigl wäre auf dem Papier sogar die erste Alternative - sofern er nicht im defensiven Mittelfeld gefordert ist.


Delaney und Witsel im roten Bereich


Da spielen mit Axel Witsel und Thomas Delaney nämlich zwei Spieler, die sich in drei intensiven Spielen gegen Leverkusen, Barcelona und Frankfurt die Hacken wund liefen. Denkbar, dass zumindest einer der beiden (Delaney?) gegen Bremen eine Verschnaufpause braucht. In dem Fall führt bei einem Hummels-Ausfall kein Weg an Julian Weigl auf der Sechs vorbei. Mit Mahmoud Dahoud oder Mario Götze hätte Favre lediglich offensiv orientierte Mittelfeldspieler in der Hinterhand, die ohne Hummels' Stabilität ein zu großes Sicherheitsrisiko wären. 


Mit Weigl auf der Sechs müsste Favre daher aller Wahrscheinlichkeit nach auf Dan-Axel Zagadou bauen. Der junge Franzose wurde gegen Frankfurt bereits ins kalte Wasser geworfen und konzentrierte sich vorrangig darauf, nichts anbrennen zu lassen. Ein ums andere Mal drosch er den Ball lieber auf die Tribüne, als die spielerische Lösung zu suchen. Das würde dem BVB-Spiel gegen Bremen nicht gut tun. Zwar stellte Zagadou seine Qualitäten in Schwarz-Gelb bereits unter Beweis, er ist aber nun einmal noch jung - und aktuell dürften ihm Spielpraxis und Selbstvertrauen fehlen. 


Ob es Hummels bis Samstag schafft, ist also eine entscheidende Frage beim BVB. Ohne den 30-Jährigen wartet auf Lucien Favre viel Tüftelarbeit. Und ein gewisses Sicherheitsrisiko müsste der Schweizer in jedem Fall eingehen.