Der ​FC Barcelona ist für fast alle Fußballfans und -spieler der Inbegriff der Souveränität, der Sicherheit im eigenen Spiel, der Dominanz und der besonderen Klasse. So war es zumindest bis vor wenigen Jahren, seitdem baut der katalanische Verein stark ab. Vor allem Trainer Ernesto Valverde muss sich viel vorwerfen lassen.


Das dominante Auftreten und das ballbesitzorientierte Spiel des FC Barcelona war weltweit bekannt und gefürchtet. Viel Sicherheit, schnelle Kombinationen durch schnelles Kurzpassspiel und eine gefährliche Offensive. Das "Tiki-Taka-Konzept" war das Markenzeichen der Katalanen, zusammen mit einigen der besten Fußballer im Team war man ein ganz großer, wenn nicht der größte und stärkste Fußballverein. 


Xavi, Andres Iniesta, Lionel Messi, Gerard Piqué und viele andere Spieler waren die Stützen der Mannschaften. Messi und Piqué sind noch da, andere Spieler, die das Attribut "Weltklasse" verdienen, sind dazugekommen - und trotzdem wird Barca augenscheinlich immer weniger dominant, immer weniger bedrohlich. 


Valverde steht (zurecht) in der Kritik


Ernesto Valverde muss sich dabei viel Kritik annehmen, und das auch zurecht. Seit 2017 ist er der Trainer, und seitdem nehmen die Fehltritte an Häufigkeit zu, man ist ausrechenbar geworden, hat Flexibilität verloren - und das, obwohl er einen enorm starken Kader zur Verfügung hat. 


Häufig findet man Vergleiche zwischen Valverde und Bayern-Coach Niko Kovac. Beide müssen sich Kritik anhören, sie haben keine Bandbreite an Taktik und verschiedenen Ausrichtungen zur Verfügung, können dazu während eines Spiels kaum (taktischen) Einfluss nehmen. Durch die große Qualität der einzelnen Spieler, vor allem im Vergleich zur jeweils nationalen Liga, reicht es zwar noch regelmäßig für Titel, doch international fliegt man ohne Glanz früh aus der Champions League - so geschehen bei beiden Coaches. 


Und das ist bereits der größte Kritikpunkt. Valverde hat es bisher nicht geschafft, konstant über mehrere Wochen und Monate eine Mannschaft zu formen und ihr eine Taktik an die Hand zu geben, mit der man wieder Dominanz ausstrahlt. Zu häufig findet man sich in unnötigen Unentschieden gegen mittlere bis schwache Teams der spanischen Liga wieder, ​zuletzt verlor man 0:2 gegen einen Aufsteiger. Ausrutscher können passieren, doch Barca passiert es in den letzten beiden Jahren viel zu oft.

International schon fast aus dem Favoritenkreis geflogen


In den letzten beiden Jahren der Champions League hat man sich durch sehr schwache Rückspiel-Auftritte ins eigene Bein geschossen. Letzte Saison verlor man 0:4 in ​Liverpool, nachdem man das Hinspiel mit 3:0 gewinnen konnte. Davor das Jahr verlor man das Rückspiel im Viertelfinale gegen die AS Rom mit 0:3, nachdem man zuvor 4:1 gewonnen hat. In der letzten Woche hat man gegen ​Borussia Dortmund einen schwachen Auftritt gezeigt und wenig Torgefahr ausgestrahlt. 


Valverde scheint dabei zu ausrechenbar zu sein. Auch einige fragwürdige Entscheidungen in den Aufstellungen muss er sich ankreiden lassen. So ließ er beispielsweise gegen Granada den in der Woche zuvor starken Arthur draußen und vertraute auf Ivan Rakitic, der zurzeit eigentlich von Frenkie de Jong verdrängt wird - auch dieser Wechsel irritierte einige Fans (mit etwas unschönen Ausdrücken, siehe unten), und anscheinend auch Spieler. Intern soll das Vertrauen in den Trainer sinken.

Zuschauer und Anhänger des Vereins, die auf einen neuen Trainer hoffen, werden sich jedoch noch länger gedulden müssen. Es heißt, Valverde genieße im Vorstand - der ebenfalls durch seine Transferpolitik in der Kritik steht - großes Vertrauen. Barca-Präsident Josep Maria Bartomeu sei ohnehin keine Person, die etwaige Entscheidungen übereilt treffe.

Noch fehlt Messi - doch auch er ist nicht der springende Punkt


Natürlich fehlt aktuell noch ein gewisser Lionel Messi. Natürlich ist er ein Spieler, der viele Spiele alleine entscheiden kann. Natürlich bekommt das Team mit ihm nochmal einen deutlichen Qualitäts-Schub. Aber: Auch ein Messi kann nicht die Spielweise eines Teams völlig verändern. Auch mit ihm nahm die Dominanz in den letzten Jahren ab, ohne seine Leistungen dabei infrage stellen zu wollen. 


Der Verein muss diese Entwicklung dringend stoppen und eine Wende einleiten. Eine Entlassung Valverdes scheint dafür unumgänglich zu sein, für einen Verbleib hat er in den letzten zwei Jahren nicht genug Argumente sammeln können. Die Qualität der Spieler im Kader ist enorm hoch - es braucht einen Coach, der diese Spieler zusammenformen und taktisch so ausstatten kann, dass man in der heimischen Liga wieder unangefochten vorweg gehen und international zu den direkten Favoriten auf den Champions-League-Titel gehören kann.