Der schwächste Saisonstart seit 25 Jahren ist perfekt. Der ​FC Barcelona belegt mit sieben Zählern nur Rang sieben in der Primera Division, der Rückstand auf die Tabellenspitze kann am Abend auf bis zu sechs Punkte anwachsen. Laut einem Bericht von ESPN sollen einige Spieler nach der ​blamablen 0:2-Niederlage bei Aufsteiger Granada das Vertrauen in Trainer Ernesto Valverde verlieren, von einer Trennung sei aber noch längst keine Spur.


Die Parallelen zur Saison 1994/95 sind nicht zu übersehen. Unter der damaligen Leitung von Johan Cruijff, mit dem der FC Barcelona zuvor vier Meisterschaften in Serie feierte, startete die Mannschaft mit zwei Siegen, zwei Niederlagen und einem Unentschieden in die neue Saison. Während beide Heimspiele gegen Racing Santander (2:1) und SD Compostela (4:0) gewonnen wurden, fühlte sich der damalige Serienmeister auf fremdem Rasen überhaupt nicht gut: Zum Auftakt siegte Sporting Gijon vor heimischem Publikum mit 2:1, Espanyol Barcelona erarbeitete sich im Stadt-Derby ein 0:0 und auch bei Real Saragossa (1:2) konnte das Starensemble um Pep Guardiola, Ronald Koeman oder Hristo Stoichkov nicht gewinnen.


Gleiches Muster: Zuhause stark, auswärts schwach


25 Jahre später erleben die Beteiligten ein Déjà-vu. Zum Auftakt verlor Barça, das in den vergangenen fünf Jahren vier Mal den Titel gewann, mit 0:1 bei Ernesto Valverdes Ex-Klub Athletic Bilbao, nach einem 5:2 über Betis Sevilla kamen die Katalanen beim Aufsteiger CA Osasuna nicht über ein 2:2 hinaus. Im Camp Nou stand gegen den FC Valencia zwar wieder ein 5:2 auf der Anzeigetafel, beim FC Granada folgte allerdings die zweite Niederlage.


1995 beendete Barça die Saison auf dem vierten Tabellenplatz, es war die schlechteste Platzierung im gesamten Jahrzehnt. Cruijff blieb über den Sommer hinaus auf der Trainerbank, erst im Oktober 1996 wurde er entlassen. Aktuell rangiert der Titelverteidiger auf Platz sieben, Granada liegt überraschend mit Atlético Madrid und dem FC Sevilla an der Tabellenspitze. Die Andalusier empfangen am Sonntagabend Real Madrid, bei einem Sieg hätte Barcelona sechs Punkte Rückstand.


Valverde fest im Sattel - zumindest bei den Bossen


Ein Aus von Valverde sei aber längst nicht in Sicht. Unbeschadet ist sein Image nach den bitteren wie merkwürdigen Erfahrungen in der Champions League aber nicht: Das Rückspiel im Viertelfinale der Saison 2017/18 bei der AS Rom ging nach einem 4:1-Sieg im Hinspiel mit 0:3 verloren, noch bitterer schied Barça im Halbfinale der vergangenen Saison gegen den FC Liverpool aus. Im Camp Nou gewannen Messi & co. mit 3:0, an der Anfield Road folgte eine Woche später eine 0:4-Klatsche.


Bislang habe Valverde stets den Rückhalt der Spieler und der Bosse genossen, derzeit sollen sich aber einige Akteure von ihrem Trainer abwenden. Angeblich haben sie das Vertrauen in ihn verloren. "Irgendetwas Merkwürdiges geht vor sich. Die Mannschaft spielt ohne Intensität, sie kreieren gar nichts", wird eine nicht genannte Barca-Quelle von ESPN zitiert.

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  Soll das Vertrauen der Spieler verlieren, muss sich vor einer Entlassung aber offenbar nicht fürchten: Ernesto Valverde.


Um Valverde zu entlassen, brauche es jedoch eine länger andauernde Durststrecke. Klubpräsident Josep Maria Bartomeu gelte nicht als jemand, der impulsive Entscheidungen trifft. In der Führungsetage genieße er wegen seines guten Managements in der Kabine hohes Ansehen, zudem fehlten mit Lionel Messi und Luis Suarez zwei Schlüsselspieler zu Saisonbeginn. Beide Offensivspieler kamen in den vergangenen beiden Partien zum Einsatz, sind aber noch längst nicht bei 100 Prozent.


Da auch Ousmane Dembélé verletzungsbedingt fehlt, wurden die Eigengewächse Carles Perez und Ansu Fati ins kalte Wasser geworfen. Beide konnten in der Liga zahlreiche Akzente setzen und wussten zu überzeugen, für die Champions League benötigt es neben Antoine Griezmann aber Messi und Suarez in Topform. Letzterer konstatierte bereits: "Es wird ein langes, kompliziertes Jahr."


Valverde übernimmt Verantwortung


Nach dem Schlusspfiff in Granada suchte Valverde nicht nach Ausreden, nahm die komplette Schuld auf sich (via Mundo Deportivo): "Der Trainer ist immer dafür verantwortlich. Wenn du verlierst, musst du es dir verdienen zu gewinnen. Heute haben wir es nicht verdient", sagte er. 


"Besorgt" sei Valverde, seine Mannschaft zeige alles andere als gute Leistungen - besonders in der Fremde: "Wir müssen über unser Spiel nachdenken. Zuhause sind wir besonders gut, aber auswärts sind wir besonders schlecht. Wenn es in vier Spielen passiert, ist es ein Symptom. Unabhängig davon, ob einige Spieler später zur Mannschaft gestoßen sind, sind wir auswärts nicht gut."


Barça braucht Messi mehr denn je


Die dominante Ballkontrolle habe man nicht "in Tore übersetzt", weder in Dortmund, noch in Osasuna oder Granada. "Wir konnten uns nicht im Spiel festbeißen", sagte er nach dem gestrigen Auftritt seiner Mannschaft, der er "einen Mangel an Durchschlagskraft im letzten Drittel" attestierte. 

Lionel Messi

   Nach dem schwachen Auftakt liegen die Hoffnungen auf den genesenen Lionel Messi.


Valverde muss darauf hoffen, dass Messi bald wieder in Fahrt kommt. Der Argentinier ist unverzichtbar für das Angriffsspiel der Katalanen, ohne ihn wirkt der Titelsammler phasenweise gelähmt. Ein düsterer Blick in die Zukunft, denn bis zum Karriereende des mittlerweile 32 Jahre alten 'La Pulga' ist die Fußballwelt nicht mehr allzu lange entfernt.