​Der ​​VfB Stuttgart belegt vor dem siebten Spieltag in der zweiten Bundesliga mit 14 von 18 möglichen Punkten den ersten Tabellenplatz. Dass die Schwaben bei der Mission sofortiger Wiederaufstieg auf einem guten Weg sind, ist nicht zuletzt auch ein Verdient des neuen ​Sportdirektors Sven Mislintat, der nicht nur auf dem Transfermarkt bislang eine gute Figur machte.


Als Mislintat im April diesen Jahres seine Arbeit im Ländle aufnahm, eilte dem 46-Jährigen ein verheißungsvoller Ruf voraus. Einst unter BVB-Legende Jürgen Klopp in seiner Funktion als Chefscout für zahlreiche spektakuläre Talentfunde bekannt, konnte er auch beim englischen Schwergewicht FC Arsenal weitere wichtige Erfahrungen sammeln und sein internationales Netz weiter ausbauen. 


Dass ein Mann mit diesem Background sich für das bereits im April andeutende Projekt zweite Liga begeistern ließ, war daher definitiv ein echter Coup von Sportvorstand Thomas Hitzlsperger.


Nun wäre Mislintat dennoch nicht der Erste, dem der Spagat von einem Europapokal-Teilnehmer hin zu einem Zweitligisten nicht gelingen würde. Schließlich können die Schwaben zwar für das deutsche Unterhaus mit ordentlichen Summen hantieren, Vereine wie die Gunners wildern aber dennoch in ganz anderen Regionen.


Mislintat verfolgt klare Strategie


Der Kaderplaner der Stuttgarter hatte aber wohl ohnehin überhaupt keine Zeit, sich auf solche Gedankenspiele einzulassen, galt es doch in diesem Sommer die Ärmel nach oben zu krempeln und aus einem verunsicherten Absteiger einen schlagkräftigen Auftiegsaspiranten zu formen.​ Dabei erkannte der Ex-Borusse sofort, dass dem VfB mit kleinen Anpassungen nicht geholfen ist und entschloss sich daher in Absprache mit Thomas Hitzlsperger für einen radikalen Kaderumbruch.


​Dabei schreckte das Duo nicht davor zurück, unbequeme Entscheidungen zu treffen und machte altgedienten Haudegen wie Andreas Beck und Kapitän Christian Gentner klar, dass man in Zukunft getrennte Wege gehen muss. Anstatt die prominente Abgänge durch vermeintlich klangvolle Namen zu ersetzen, konzentrierte sich Mislintat bei der Suche nach Verstärkungen auf junge Talente und Spieler, für die die zweite Liga kein Neuland darstellt.


Mislintat mit hoher Trefferquote


Nach lediglich sieben Pflichtspielen lässt sich noch nicht abschließend analysieren, inwiefern sich die Neuzugänge als echte Verstärkungen erweisen werden. Bei den meisten Spielern lässt sich aber bereits durchaus eine positive Tendenz erkennen. So macht etwa ​Mittelstürmer Silas Wamangituka eine Menge Freude und auch die Mittelfeldspieler Philipp Förster und Philipp Klement zeigten verheißungsvolle Ansätze.


Insgesamt können die Schwaben so auf einen der rein nominell wohl besten Zweitligakader der letzten Jahre zurückgreifen und stehen Trainer Tim Walter alle Werkzeuge zur Verfügung, um sein angedachtes Spielsystem erfolgsversprechend durchzusetzen. Dabei imponiert vor allem die Breite des Kaders, der eigentlich auf jeder Position doppelt besetzt ist und so selbst Ausfälle von Langzeitverletzten wie derzeit etwa Marcin Kaminski und Stürmer Sasa Kalajdzic kompensieren kann.


Mislintat ist ein echter Teamplayer


Doch nicht nur auf dem Transfermarkt bewies Mislintat bislang ein goldenes Händchen. Gemeinsam mit Thomas Hitzlsperger tritt das dynamische Duo als kompetentes Team auf. Beide melden sich dabei nur dann zu Wort, wenn dies auch angebracht ist und versuchen sich nicht wie manche ihrer Vorgänge immer wieder ins Lampenlicht zu drängeln. Selbst bei der nicht einfachen ​Causa Santiago Ascacibar strahlte Mislintat zuletzt eine Ruhe aus, die dazu beigetragen hat, dass das argentinische Pulverfass noch nicht komplett explodierte.


Die Karriere-Stationen von Mislintat:

Verein​​FunktionAmtszeit​
Borussia Dortmund​​Spielanalyst​01.07.98 - 30.06.06
​VfL Kamen​Co-Trainer​01.07.00 - 30.06.02
​Deutschland​Spielanalyst​31-05-02 - 30.06.02
​Westfalia Herne​Co-Trainer​01.07.02 - 17.10.02
​Borussia DortmundScout​01.07.06 - 30.06.09
​Borussia Dortmund​Chefscout​01.07.09 - 31.12.16
​Borussia Dortmund​Direktor Profifußball und Scout​01.01.17 - 30.11.17
​FC Arsenal​Leiter der Scoutingabteilung​01.12.17 - 08.02.19

Seinem Ruf ist Mislintat daher unterm Strich bislang absolut gerecht geworden und hat sich dabei wieder einmal als echter Teamplayer erwiesen. Dem VfB wäre daher nur zu wünschen, dass der ​noch zu wählende neue Präsident der Stuttgarter ​nicht in das eingespielte Duo eingreift und die Beiden vielmehr dabei unterstützt, den eingeschlagenen Weg fortzusetzen. Über einen guten Kompass scheint der Manager schließlich zu verfügen.