​Zugegeben: in den letzten Jahren blieb uns ein Jahrhundert-Duell zwischen der ​Bundesliga und der ​Premier League verwehrt. Trotzdem trafen immer wieder deutsche und englische Mannschaften aufeinander, doch dabei wurde eines deutlich. Die Bundesliga hinkt dem dem Fußball von der Insel viel weiter hinterher, als angenommen.


Die Niederlage von ​Eintracht Frankfurt gegen den ​FC Arsenal steht exemplarisch für einige Trends der letzten Jahre. Am Ende lautete das ​Ergebnis relativ nüchtern 3:0, die Gäste von der Insel entführten mal wieder drei Punkte aus Deutschland. Dabei mangelte es den Adlern nicht an Qualität oder individueller Stärke. Für die letztendliche Niederlage sprechen andere Faktoren; Einflüsse, die eine große Diskrepanz zwischen den beiden Ligen aufzeigen. 


Fakten sprechen für England, das Selbstbewusstsein auch


Dabei traten die Gunners nicht etwa mit der absoluten Top-Elf an, die Europa League ist der Premier League nämlich klar untergeordnet. Trotzdem​ spielte der FC Arsenal mit großem Selbstverständnis und vertraute angeführt von Bukayo Saka auf die eigenen Stärken. Denn an einem mangelt es den englischen Teams oft nicht: nämlich dem Selbstvertrauen. 


Wenn sich deutsche Teams auf ein Duell mit einer englischen Mannschaft vorbereiten, ist die Vorfreude stets groß. Doch neben dem großen Respekt geht es immer wieder auch um Schadensbegrenzung, die bereits vor einer Partie insgeheim ein Thema ist. Deutlich wurde dies beispielsweise beim Champions-League-Achtelfinale, als der ​FC Bayern München in zwei Duellen gegen den ​FC Liverpool verlor.


Trotz des knappen Weiterkommens der Engländer mussten die Reds als Favorit angesehen werden, was sich im Bezug auf den späteren Erfolg bestätigte. Oft ist klar: sollte ein Top-Klub aus England richtig ernst machen, können sich die deutschen Teams nur wenige Chancen ausrechnen. ​Borussia Dortmund erging es im letzten Jahr gegen Tottenham Hotspur ähnlich.


Grenzen verschieben sich weiter


Dabei sind selbstverständlich​ nicht nur die Mannschaften und ihre durchaus begrenzten Möglichkeiten schuld, sondern vielmehr müssen die Umstände der Arbeit der Top-Klubs berücksichtigt werden. Dass in Deutschland monatelang über einen möglichen Wechsel von Leroy Sané berichtet wird, während ein Transfer der Größenordnung Harry Maguire in England fast schon an der Tagesordnung ist, zeigt die unterschiedlichen Verhältnisse.


Die Transferausgaben der englischen Klubs waren in diesem Sommer erneut mehr als doppelt so hoch - über 1,5 Milliarden Euro steckte die Premier League in neue Spieler. Dass diese Möglichkeiten genutzt werden, ist den Teams dabei nicht vorzuwerfen, doch dadurch entsteht ein neues Selbstverständnis. Nicht nur durch Erfolge und Leistungen hat sich England in den letzten Jahren also eine klare Übermacht erarbeitet.


Ebenso gibt es durchaus unterschiedliche Auffassungen darüber, ob die im modernen Fußball stattfindenden Prozesse für alle Vereine fair sind, vor allem die Chancengleichheit spielt wie überall eine Rolle. Die enorme Entwicklung, die in jeder einzelnen Liga voranschreiten, sahen dabei ganz unterschiedlich aus. Bei der Bundesliga ist zu konstatieren, dass ein ähnlicher Aufwind wie in England nicht bestätigt werden konnte.


Die Premier League steht für Glanz und Weltklasse


Seit Jahrzehnten steht der Fußball auf der Insel für Ruhm und Stolz. Der Glanz der Premier League ist von nur wenigen anderen Sport-Wettbewerben in Europa übertroffen. Um die Meisterschaft kämpfen dort Jahr für Jahr unterschiedlichste Teams, die Leistungsdichte ist von Jahr zu Jahr anders verteilt. In den letzten sieben Jahren gab es in England beispielsweise vier verschieden Erstplatzierte, in der Bundesliga wurde es mit dem Serienmeister aus ​München dagegen etwas eintönig. 


Zwar ist selbst das deutsche Oberhaus auf der ganzen Welt bekannt, doch weiterhin fehlt es deutlich an der Repräsentation im Ausland - im Vergleich zur Premier League. Über die Grenzen von Deutschland hinaus spielt die Bundesliga also nur eine untergeordnete Rolle und wird immer wieder falsch eingeschätzt. Dagegen dehnt sich die Reichweite der Premier League nur noch weiter aus.


In Deutschland können wir auf unsere Bundesliga also in jedem Fall stolz sein. Woche für Woche erleben wir tollen Fußball und viele verschiedene Teams bieten unterschiedlichste Charakteristika, die sie besonders machen. Doch einen Anspruch auf die Top-Liga in Europa dürfen wir nicht haben, dafür entwickelt sich vor allem die Premier League zu differenziert. Die nächsten Jahre werden zeigen, ob die Grenzen wieder verschwimmen können, oder Deutschland noch mehr den Anschluss verliert.