Auf den Sieg des ​FC Bayern in der Champions League über Roter Stern Belgrad (3:0) folgte der große Knall. Karl-Heinz Rummenigge und Uli Hoeneß ​schossen gegen den Deutschen Fußball-Bund (DFB), zudem kritisierte Hoeneß die mangelnde Unterstützung in der süddeutschen Medienlandschaft für Manuel Neuer. Der emotionsgeladene Auftritt sorgt für Unverständnis - auch bei Oliver Bierhoff.


​Dabei geht es um die Art und Weise, wie Hoeneß seine Sicht der Dinge im Interview mit Sport1 kommunizierte. So sprach der Noch-Präsident des FC Bayern von "ständigem Theater" mit dem Verband. "Zuerst die unmögliche Ausbootung, wo die drei Spieler [Thomas Müller, Jerome Boateng, Mats Hummels, d. Red.] schlecht behandelt wurden. Jetzt dasselbe mit Manuel Neuer. Dass man das zulässt, dass ein Mitspieler in die Öffentlichkeit geht, für ein Thema, das er nur mit Joachim Löw zu besprechen hat, das ist nicht in Ordnung. Wir werden den Leuten in Zukunft etwas Feuer geben."


Manuel Neuer, so Hoeneß, werde "immer der Beste sein", sei "viel besser, viel erfahrener" als Konkurrent ter Stegen, der "überhaupt keinen Anspruch" auf einen Stammplatz im Tor der Nationalmannschaft besitze. "Wir lassen uns nicht gefallen, dass unsere Spieler geschädigt werden", fuhr Hoeneß fort - doch Bierhoff sieht die Dinge deutlich anders.


Bierhoff verteidigt Löw


"Die Vorwürfe überraschen mich, und ich habe dafür auch kein Verständnis. Man muss sich da schon die Fakten anschauen", erklärte der Direktor Nationalmannschaften und Akademie des DFB gegenüber dem Sport-Informations-Dienst (via Spox). Man dürfe nicht vergessen, dass Löw vor der Weltmeisterschaft im vergangenen Jahr "bis zur letzten Sekunde" auf Neuer gewartet habe, obwohl der 33-Jährige aufgrund mehrerer Mittelfußbrüche beinahe die komplette Saison 2017/18 verpasste.


Dass Neuer trotz seiner langen Verletzung auch über das Turnier hinaus seinen Status als Nummer eins und Mannschaftskapitän innehielt, seien "eindeutige und ganz entscheidende Statements der Trainer", so Bierhoff. Zudem erinnerte er daran, dass Löw - der vor einiger Zeit öffentlich den Konkurrenzkampf zwischen Neuer und ter Stegen ausrief - noch nach der WM betonte, dass Neuer im Normalfall bis zur Europameisterschaft im kommenden Jahr die Nummer eins bleiben werde. "Ich weiß nicht, ob man das ständig wiederholen muss, zumal Manus gerade zuletzt gezeigte Leistungen doch absolut für ihn sprechen", sagte Bierhoff deutlich.


Dankbarkeit "reicht nicht aus"


Auch das Argument von Karl-Heinz Rummenigge, man müsse einem Spieler mit 90 Länderspielen die nötige "Dankbarkeit" zeigen, wollte der 51-Jährige nicht gelten lassen. Auf dem Niveau der Nationalmannschaft gehe es immer um Leistung, "da reicht Dankbarkeit allein als ausschlaggebendes Kriterium für eine Berufung in die Nationalmannschaft sicher nicht aus. Aber gerade Jogi Löw", erinnert Bierhoff, "bringt den Spielern immer wieder höchste Wertschätzung entgegen, dafür wurde er ja auch schon kritisiert. Da hieß es dann, er halte zu lange an verdienten Spielern fest."