Seitdem RB Leipzig in die Bundesliga aufgestiegen ist, kam es stets spät in der Saison zu einem Kräftemessen mit dem FC Bayern München. In dieser Saison treffen beide Mannschaften schon am vierten Spieltag aufeinander, was in Anbetracht der aktuellen Form der Leipziger die Brisanz erhöht. Für Bayern geht es umso mehr darum, ein erstes Ausrufezeichen zu setzen.


Die Medienlandschaft in Deutschland konzentriert sich überwiegend auf den Zweikampf zwischen Bayern München und Borussia Dortmund. Dieser war in der Saison 2018/19 so heiß wie lange nicht mehr, für die kommenden Monate rechnen Journalisten und Experten daher mit einem noch engeren Bild an der Tabellenspitze.


Dahinter mausert sich RB Leipzig langsam aber sicher zum dritten Anwärter auf die Meisterschaft. Schon im vergangenen Jahr bestach der Klub in den Händen von Ralf Rangnick, der nach dem Rücktritt von Ralph Hasenhüttl erneut den Lückenfüller auf dem Trainerposten gab. Mit nur 29 Gegentoren stellte RB die beste Defensive der Bundesliga, feierte Platz drei und zog erstmals in der noch jungen Vereinsgeschichte ins DFB-Pokalfinale ein.


Dort war allerdings - mal wieder - gegen den FC Bayern Schluss. Im Oktober 2017 trafen beide Mannschaften in der RedBullArena erstmals im Pokal aufeinander, nach einer ereignisreichen Begegnung setzte sich der Rekordmeister und ​-pokalsieger im Elfmeterschießen durch. Im Endspiel von Berlin kam RB gut in die Partie und erspielte sich gefährliche Chancen, ging aufgrund des zu voreiligen taktischen Risikos von Rangnick jedoch mit 0:3 als Verlierer vom Platz.


Schonfrist für Kovac vorbei


Für Niko Kovac wird das bevorstehende Duell in Leipzig wichtig. Der Kroate steht seit der Herbstkrise vergangenen Jahres in der Kritik, in den sozialen Medien sprechen sich Teile der Fans vehement gegen einen Fortbestand des 'Kovac-Balls', wie sie die vergleichsweise unästhetische und zeitweise konzeptlos wirkende Spielweise unter seiner Leitung nennen, aus. Noch verspricht sich die Führungsetage spielerische Fortschritte, auch dank der Verpflichtung von Hansi Flick als Co-Trainer, zuletzt aber wurde besonders die schwache Abstimmung im Mittelfeld deutlich. Das Flankengewitter der Vorsaison wurde zwar in Teilen eingestellt, noch aber ist keine wirkliche Handschrift in der Offensive zu erkennen


Eine Schonfrist gibt es für Kovac nicht mehr, er muss liefern. Eigentlich kommt ihm RB Leipzig dabei gelegen. In seinen bisherigen drei Duellen als Bayern-Trainer ging er zwei Mal als Sieger hervor, viel wichtiger: in allen Duellen kassierten die Münchner nicht ein einziges Gegentor (1:0, 0:0, 3:0).


Gelingt die Fusion zwischen Nagelsmann und Leipzig?


Von acht direkten Duellen gewann Leipzig nur eines, setzte sich am 18. März 2018 im eigenen Stadion mit 2:1 durch. Mit Julian Nagelsmann haben sie nun einen Trainer an der Seitenlinie, der weiß, wie man die großen Bayern ärgert. Bei 1899 Hoffenheim blieb er in den ersten drei Begegnungen unbesiegt (2 Siege, 1 Remis), ehe er im Anschluss drei Niederlagen kassierte (2:5, 1:3, 1:3). 


RB Leipzig: Die Bilanz gegen Bayern München im Überblick

​BegegnungErgebnis
2016/17: 16. Spieltag, Bundesliga0:3​
​2016/17: 33. Spieltag, Bundesliga4:5​
​2017/18: DFB-Pokal, 2. Runde5:6 n.E.​
​2017/18: 10. Spieltag, Bundesliga0:2​
​2017/18: 27. Spieltag, Bundesliga2:1​
​2018/19: 16. Spieltag, Bundesliga0:1​
​2018/19: 33. Spieltag, Bundesliga0:0​
​2018/19: DFB-Pokal, Finale0:3​

In Leipzig, wie Taktik-Experte Tobias Escher bei Spiegel Online erklärte, steht er vor der Aufgabe, "seinen ballorientierten Stil mit der Vereinsphilosophie des radikalen Umschaltspiels zu verschmelzen" - und könnte dem FC Bayern nicht nur im direkten Duell, sondern auch über die Saison hinaus damit gefährlich werden.


Der Start ist jedenfalls gelungen. Mit drei Siegen aus den ersten drei Spielen thront RB an der Tabellenspitze, weist dabei eine Torbilanz von 9:2 Toren auf. Neben Timo Werner, der bereits fünf Treffer erzielte, sticht auch Marcel Sabitzer im Nagelsmann'schen Fußball hervor. Das kollektive Pressing, gepaart mit dem typischen Steil-Klatsch-Spiel scheint der Mannschaft zu liegen und könnte den Münchnern arge Probleme bereiten.


Bayern muss ein Ausrufezeichen setzen


Umso wichtiger ist es für Kovac & Co., ein Ausrufezeichen zu setzen. Aufgrund der Versetzung von Joshua Kimmich in das zentrale Mittelfeld muss sich Benjamin Pavard auf der rechten Abwehrseite noch zurechtfinden, sein Auftritt gegen Mainz 05 hinterließ jedoch einen mäßigen Eindruck. Da Leon Goretzka ausfällt und Corentin Tolisso kaum überzeugen konnte, wird der Franzose wohl erneut in der Viererkette spielen - ​und wurde von Nagelsmann angeblich schon als Schwachpunkt ausgemacht.


Ein Sieg gegen Leipzig wäre ein erstes Ausrufezeichen. Die Roten Bullen sind einer der wenigen wirklichen Konkurrenten der Bayern, die bei einer Niederlage bis auf fünf Punkte enteilen würden. Mit einem Sieg würde man jedoch an die Tabellenspitze springen und wieder einmal zeigen: Wenn es darauf ankommt, ist die Mannschaft da; und am Ende des Tages sind die Bayern wieder nicht von der Spitze zu verdrängen.