Schon vor der letzten Saisonvorbereitung schien eine Vertragsverlängerung mit Daniel Caligiuri nur noch Formsache zu sein. Doch seitdem ist nichts passiert, ​Schalke soll sich der Sache nicht mehr ganz sicher sein - es ist eine sehr komplizierte Angelegenheit, die der Verein lösen muss. Einordnung und Kommentar.


In den letzten zwei Jahren war Daniel Caligiuri immer ein Spieler, auf den man sich noch verlassen konnte. Sowohl in der starken Vizemeister-Saison, als auch in der letzten, grausigen Spielzeit ging er noch immer voraus. Sein Vertrag läuft im kommenden Sommer aus und die einst sicher geglaubte Vertragsverlängerung (viele rechneten zur Mitgliederversammlung im Juni mit der Bekanntgabe) scheint nun zunächst auf Eis zu liegen. 


Gespräche zwischen Caligiuri und S04 stocken


Wie die Bild berichtet, habe der Verein Caligiuri über den Sommer hinhalten müssen. Zu wichtig waren der Fokus auf den Transfermarkt und die wichtige Umstrukturierung im Kader, als dass man erst einmal weiter in die Verhandlungen und Gespräche springt. Zudem soll er zurzeit etwas gekränkt sein, da er weder den Posten des Kapitäns, noch den des Stellvertreters bekommen hat - er sitzt zwar, durch die Spieler gewählt, im Mannschaftsrat, doch diese Entscheidung habe er nicht erwartet. 


Sein aktueller Vertrag läuft 2020 aus, zu dem Zeitpunkt ist er dann 32 Jahre alt. Dort könnte sich die Härte des Fußball-Geschäfts erneut zeigen: Denkt Schalke nun um und plant anderweitig, also ohne Caligiuri? Oder gibt man ihm weitere ein bis zwei Jahre und riskiert damit den schlichtweg altersbedingten Leistungsabfall? 


Es ist bekannt, dass er auch ​die Möglichkeit haben soll, zum AC Mailand zu wechseln. Das sei sein Herzensklub, auch weil seine italienische Familienseite stark mit dem Verein verbunden ist - erster Ansprechpartner sei jedoch S04, dort fühle er sich sehr wohl, wie er vor der Saison in einem Interview mit Schalke TV sagte. Nun scheint sich plötzlich die Frage zu stellen, ob Schalke überhaupt mit ihm verlängern sollte? Es könnte ein Risiko sein.


Wagners System-Umstellungen könnten ein Problem werden


Caligiuri ist einer der ganz wenigen Verlierer der System-Umstellung von David Wagner. Während die Position des rechten Außenverteidigers im 3-5-2 bzw. 5-3-2 sowohl unter Domenico Tedesco, als auch unter Huub Stevens sehr gut zu ihm passte, könnte er im neuen 4-2-3-1 etwas verloren gehen. ​Caligiuri ist weder ein klassischer Flügelspieler, noch der klassische Rechtsverteidiger in einer Viererkette. 


Man muss sich also die Frage stellen, ob er in Zukunft noch so wichtig sein kann, wie er es zuletzt war, auch wenn es sich sehr hart anhört. Es ist eine enorm schwierige Entscheidung, die der Verein treffen muss. Es gibt gute Argumente für beide Seiten, es gleicht einer zwiegespaltenen Situation, die man - wäre man selbst in der Verantwortung - an andere abgeben wollen würde. 


Daniel Caligiuri - Leistungsdaten bei S04 (Pflichtspiele)

SpieleToreAssists
​104​18​21

Wenn es die Möglichkeit gibt, zunächst um ein oder zwei Jahre zu verlängern, und die Forderungen nicht ins Unermessliche gehen (was ich mir bei ihm nicht vorstellen kann), sollte man das meiner Meinung nach auch tun. Trotz des mittlerweile - bei allem Respekt - etwas höheren Alters war und ist er immer noch ein sehr solider Bundesligaspieler, der Schalke helfen kann, auch wenn es die auf ihn zugeschnittene Position auf dem Spielbogen vielleicht nicht geben mag. Im Notfall funktioniert er auch als Rechtsverteidiger, oder wie zuletzt, auf dem offensiven Flügel. Dazu ist er bei den Fans und im Team beliebt. Ein Verlust wäre demnach schmerzhaft.


Verlängerung oder der Traum von Italien?


Nun hängt jedoch viel von Caligiuri selbst ab. Möchte er das Angebot seitens Mailand gerne wahrnehmen? Ist er durch die Entscheidung Wagners, ihn nicht zum Kapitän zu machen, wirklich derart gekränkt? Kurzer Einwurf: Natürlich ist es verständlich, wenn man aufgrund dessen enttäuscht ist. Ein gestandener Profi wie er sollte jedoch mit einer solchen Entscheidung und Situation problemlos umgehen können und es im Bezug auf eine etwaige Verlängerung nicht zu hoch hängen. 


Eine offene Situation mit vernünftigen Fragen und Bedenken auf beiden Seiten. Eine schnelle Einigung mit feierlicher Mitteilung wird es nicht mehr, doch nun, da das Transferfenster geschlossen ist, bleibt auch wieder mehr Zeit für Vertragsgespräche. Nun heißt es abwarten, wie sich beide Seiten entscheiden und ob man zusammenfinden kann.