Vier Pflichtspiele liegen bereits hinter David Wagner als neuer Trainer von ​Schalke 04. Unabhängig von Ergebnissen sind erste, wichtige Schritte gemacht worden, findet auch er. Des Weiteren spricht er über den Saisonstart, die Entscheidung, Alex Nübel zum Kapitän zu machen, und darüber, dass Guido Burgstaller das größte Mentalitätsmonster auf dem Planeten ist.


Vier Pflichtspiele, zwei Siege, ein Remis, eine Niederlage. Rein an diesen Resultaten gemessen, geht es für Schalke - vor allem im Vergleich zu letzter Saison - langsam nach vorne, findet auch David Wagner im Interview mit der Sportbild: "Die ersten Schritte, die wir gemeinsam seit dem 1. Juli gehen, sind gut."


David Wagner möchte Stabilität auf Schalke - "Gefühl von Gemeinsamkeit"


In dem Interview sprach Wagner auch über seine ersten Ziele mit S04 und wie der Fußball unter ihm aussehen soll. Weiterhin betonte er dabei, dass "die Kurve", also die emotionalen Anhänger, vorgeben, wie gespielt werden soll: "Von Emotionalität, Zusammenhalt, positiver Aggressivität und Leidensfähigkeit geprägt", nannte er es. Dass man endlich wieder auf schnellen, torgefährlichen Fußball setzen möchte, gefällt vielen Anhängern - zu lange hat man eher auf Sicherheit gesetzt und ein vernünftiges Offensiv-Konzept vermissen lassen. 


Der Hintergrund für diese (erfolgreiche) Arbeit muss jedoch die nötige Stabilität sein. "Ich glaube, es ist extrem wichtig, dass alle das Gefühl von Gemeinsamkeit spüren", so Wagner, der damit nicht nur die Mannschaft und den Trainerstab meint, sondern auch die zahlreichen Menschen, die im und rund um den Verein arbeiten. "Wir müssen alle in die gleiche Richtung ziehen." 


Die "Gemeinsamkeit" der letzten Jahre ging zu häufig nur von den konstant starken S04-Fans aus. Das weiß auch Wagner, der als Spieler selbst zwei Jahre lang das königsblaue Trikot trug, und viel Lob für die Fans übrig hat. Der Support sei "eminent wichtig", urteilte er. "Du kannst die entscheidenden Meter nur dann gehen, wenn wir als Spieler diese Power von der Tribüne gegeben wird. Du brauchst diesen Push von den Fans." Da kann er sich drauf verlassen, auch nach der deftigen 0:3-Niederlage gegen Bayern München bauten die Fans die Spieler vor der Kurve auf, sangen und sprangen noch weiter. Ein gutes Zeichen. 


S04 ohne neuen Stürmer - Wagner ist dennoch "absolut zufrieden"


Das große Ziel, Schalke wieder in den internationalen Fußball zurückzuführen, benötige jedoch viel Zeit, mahnte Wagner. Dafür sind konstant gute Leistungen notwendig, an der er gerne mit einem weiteren Stürmer gearbeitet hätte, woraus allerdings nichts wurde: "Ich bin hier nicht bei 'Wünsch dir was'. Wir haben uns Gedanken gemacht, was sinnvoll ist und nicht. Am Ende haben wir uns entschieden, nichts mehr zu tun." Dazu verweist er auf die drei Stürmer im Kader: Guido Burgstaller, Ahmed Kutucu und Mark Uth. 


Burgstaller sei für Wagner "das größte Mentalitätsmonster auf diesem Planeten", was Wahnsinn sei und "riesig Freude" macht. Diese Aussage dürfte bei einigen S04-Fans jedoch sehr kritisch beleuchtet werden: Burgstaller ist bei vielen umstritten. Mentalität sei vorhanden, das spricht ihm auch kaum einer ab; aber ob er qualitativ so gut ist, dass er auf Schalke einen Stammplatz hat bzw. haben sollte, und durch die eher fehlenden Attribute wie Schnelligkeit und technischem Feingefühl zum geplanten, neuen Fußball passt, ist eine andere Frage. 

Guido Burgstaller,Daniel Caligiuri

Guido Burgstaller, das "Mentalitätsmonster" 



Fan-Liebling Kutucu bezeichnete er währenddessen als "eines der größten Talente im deutschen Fußball in seiner Altersklasse". Da dürften ihm widerum deutlich mehr Anhänger zustimmen. Häufig werden Einsätze für den 19-Jährigen gefordert, der in naher Zukunft eventuell mehr auf den Flügeln zum Einsatz kommen könnte. ​Eher ein Kandidat für einen Stammplatz im Sturm ist Uth, der "heiß wie Frittenfett" und "ein feiner Fußballer" sei. Mit der vorhandenen Auswahl sei Wagner dementsprechend "absolut einverstanden".


Bentaleb noch kein Thema - Nübel "sportlich unantastbar" und zurecht Kapitän


Während sich der 47-Jährige (noch) nicht mit ​​Nabil Bentaleb beschäftigen möchte, da er noch länger verletzt ist, verteidigt er die Entscheidung, ​den womöglich vor einem ablösefreien Abgang stehenden Alexander Nübel zum Kapitän ernannt zu haben: "Er ist sportlich unantastbar, ein cleverer Kerl, lang genug auf Schalke, um den Verein zu kennen und zu verstehen." Dazu attestiert er dem Torhüter eine "hohe Sozialkompetenz" und ein gutes Ansehen innerhalb des Teams. 


Auch diese Entscheidung sorgte unter den Fans für viele Diskussionen. Mit dem aktuellen Hinhalten seitens Nübel ziehen manche schon die ersten Parallelen zum Wechsel-Theater um Leon Goretzka. Auch dieser stand vor einer (fast sicheren) Vertragsverlängerung, wollte sich dann überraschenderweise noch Zeit nehmen, und verließ Schalke anschließend ablösefrei in Richtung München. Nübel wisse jedoch, was für einen Verbleib spricht, betonte Wagner. Für ihn als Trainer sei auch eine Verlängerung im Mai in Ordnung - wenn er denn verlängert. 


Man merkt schnell, dass es einige kontroverse Themen in der Welt der Knappen gibt, die noch lange nicht gelöst sind. Währenddessen wird Wagner weiterhin versuchen, Schalke voranzubringen. Bei der damaligen Entscheidung für den Klub haben vor allem "persönliche Emotionen" eine Rolle gespielt, sowie die "Besonderheit des Vereins" und auch das Ruhrgebiet und die Fans. Für sie alle ist er so etwas wie ein neuer Hoffnungsschimmer, der den Achterbahn-Verein endlich in konstante, stabile Gewässer führen soll.