Die abgelaufene Transferperiode bereitete den Fans des FC Bayern München eher Kopfschmerzen statt Freude. Nach früh eingetüteten Transfers befand sich der Rekordmeister lange Zeit im Leerlauf, erst kurz vor Schluss konnten die benötigten Verstärkungen unter Dach und Fach gebracht werden. Ungeachtet der teils missglückten Kommunikation der Verantwortlichen nimmt 90min die Arbeit der Vereinsbosse unter die Lupe.


Die Abwehr


Die Transfers von Benjamin Pavard und Lucas Hernández wurden bereits im Frühjahr bekanntgegeben. Bei beiden Akteuren machten die Bayern von einer Ausstiegsklausel Gebrauch, investierten 35 Millionen Euro für Pavard und gar 80 Millionen Euro für Hernández. 

​Das 115-Millionen-Duo steht zu Saisonbeginn in der Startelf. Pavard verpasste noch keine Bundesligaminute, Hernández debütierte dagegen erst am zweiten Spieltag beim FC Schalke 04. Gemeinsam mit Niklas Süle bildet der neue Rekordtransfer der Bayern ein starkes Innenverteidiger-Duo mit großer physischer Präsenz, in der Spieleröffnung stockt es aber nach dem überraschenden Verkauf von Mats Hummels.


Dass dieser zu Borussia Dortmund zurückkehrte und Jerome Boateng dagegen bleibt, war nicht zu erwarten. Viel mehr war mit einem Abgang von Boateng zu rechnen, der sich nun gegen Pavard, Süle und Hernández durchsetzen muss. 

Jerome Boateng

    Ein Transfer zu Juventus Turin platzte in letztem Moment: Jerome Boateng bleibt beim FC Bayern



Mit den beiden Neuzugängen besitzen die Bayern zugleich zwei Backups für David Alaba und Joshua Kimmich. Letzterer agierte gegen Schalke 04 und Mainz 05 im defensiven Mittelfeld, weshalb Pavard auf der rechten Abwehrseite begann. Dadurch setzt Niko Kovac im Aufbau auf eine Dreierkette um Pavard, Süle und Hernández, erweitert somit ein wenig das taktische Portfolio. 


Spannend wird zu beobachten sein, wie sich Boateng verhalten wird. Sollte er erneut viel Zeit auf der Bank verbringen, dürfte der Frust noch größer werden. Aber: die Saison ist noch lang, Verletzungen können immer wieder auftreten. 


Alles in allem besitzen die Bayern eine variable Defensive mit guter Breite im Zentrum. Pavard ist noch nicht ganz in München angekommen, aber Hernández machte in seinen ersten Spielen einen guten Eindruck. 


Note: 2.


Das Mittelfeld


Intern forderte Niko Kovac Medienberichten zufolge einen spielstarken Sechser. Dieser Wunsch blieb ihm allerdings verwehrt. Rodri entschied sich für einen Wechsel von Atlético Madrid zu Manchester City, für U21-Europameister Marc Roca (Espanyol Barcelona) gaben die Verantwortlichen kein Angebot ab. 


Die Variante mit Thiago auf der Sechs ist gegen vermeintlich kleinere Gegner effektiv, in den großen Spielen bröckelt das Mittelfeld jedoch, wie bereits im Supercup gegen Borussia Dortmund zu sehen war. Javi Martinez mangelt es an Qualitäten im Spielaufbau, ist daher nur auf der Bank eingeplant.


Renato Sanches durfte nach seiner Frust-Attacke am ersten Spieltag gehen, wechselte zum französischen Erstligisten OSC Lille. Gleichzeitig verpflichteten die Bayern mit Mickael Cuisance einen hochtalentierten Mittelfeldspieler, der ein schwieriges Jahr bei Borussia Mönchengladbach hinter sich hat. Perspektivisch betrachtet ist Cuisance kein schlechter Transfer, die sofort benötigte Verstärkung stellt er aber keineswegs dar. 


Nominell haben die Bayern keine Verluste gemacht, aber wieder einmal wurde Kovac ein Wunsch verwehrt. Ob die Zentrale in der Champions League standhält, ist fraglich. 


Note: 3.


Der Angriff


​Die Offensive war der Kernpunkt in der groß angekündigten Transferoffensive. Oberste Priorität genoss eine Verpflichtung von Leroy Sané, die nach dem Kreuzbandanrisses des Nationalspielers im ersten Pflichtspiel der neuen Saison aber ins Wasser fiel. 


Daraufhin reagierte der Klub doppelt: Einerseits wurde Flügelspieler Ivan Perisic für ein Jahr von Inter Mailand ausgeliehen, andererseits kommt Philippe Coutinho für ein Jahr vom FC Barcelona. Beide Spieler können im kommenden Sommer für 20 Millionen Euro (Perisic) beziehungsweise 120 Millionen Euro (Coutinho) fest verpflichtet werden, wahrscheinlich ist dies aber lediglich bei Coutinho.

Philippe Coutinho

   Der neue Star - zumindest für diese Saison: Philippe Coutinho



​Bei Sané wird ein erneuter Angriff im Januar erwartet, zudem werden sich die Bayern darum bemühen, Kai Havertz im kommenden Jahr von Bayer Leverkusen zu verpflichten. Was diesen Sommer betrifft, sind die Bosse aber ein ums andere Mal ins Fettnäpfchen getreten. Seien es die öffentlichen Interessensbekundungen an Callum Hudson-Odoi vom FC Chelsea, der öffentliche Rüffel für Niko Kovac nach dessen Aussage, er sei bei einem Transfer von Leroy Sané zuversichtlich oder dem Zögern bei Hakim Ziyech, der schlussendlich bei Ajax Amsterdam verlängerte.


Auch, dass mit Jann-Fiete Arp kein wirklicher Konkurrent für Robert Lewandowski, sondern eher ein Perspektivspieler mit hohem Potenzial verpflichtet wurde, sorgte bei den Fans für Ärger.  


Note: 2-


Das Fazit


Auf die großen Ankündigungen folgte lange Zeit herzlich wenig. Nach den früh eingefädelten Transfers war Funkstille an der Tagesordnung, ob des schwierigen Transfermarkts war Geduld gefragt. Die Bayern, die laut Uli Hoeneß ein Budget von 200 Millionen Euro zur Verfügung hatten, haben sich mit den Leihgeschäften kostengünstig und clever verstärkt. Der Kader kann sich in Anbetracht der Breite kaum Verletzungen erlauben, doch wenn alle fit sind, besitzt Niko Kovac genügend Optionen, um eine schlagkräftige Elf auf den Platz zu stellen. Der erste Schritt ist getan, der nächste folgt im Winter, der dritte Schritt im Sommer 2020. 


Die schwache Außendarstellung sorgt aber für Abzüge. In den vergangenen Wochen und Monaten gab es so viel heiße Luft wie schon lange nicht mehr. Insgesamt sind die Wunschtransfers geplatzt, aber die Transfers sind noch immer ordentlich. 


Note: 2-.