Bereits am dritten Spieltag setzte es für den BVB einen herben Dämpfer. ​Mit 1:3 ging man verdient bei Union Berlin baden. Während die Heimmannschaft emotional, überzeugend und engagiert bei der Sache war, wirkte die Borussia eher träge, emotionslos und ​uninspiriert. Schnell wurden erste Erinnerungsrufe an die vergangene Saison wach, als der BVB mit solch einer Spielart noch die Meisterschaft verpasste.


Das Topspiel am Samstagabend war wohl die erste Sensation der noch jungen Bundesligasaison. ​Union Berlin machte deutlich, dass man sie nicht voreilig abschreiben sollte. Der ​BVB wiederum zeigte, dass man allein durch große Namen keine Spiele gewinnt. Im Ergebnis lernen wir also wieder einmal, was für große Auswirkungen Wille und Mentalität haben. Gerade Dortmund sollte sich dies merken.


"Berlin hatte den größeren Willen"


Denn die Namen in der Aufstellung können noch so groß sein, die Qualität noch so hoch, wenn die Einstellung im Team nicht stimmt. Dies merkte man beim BVB direkt im Anschluss an das Spiel. Startelfdebütant Julian Brandt bilanzierte im kicker die Partie so: "Berlin hatte den größeren Willen. Sie haben alles reingehauen." Sportchef Michael Zorc schoss scharf gegen die Einstellung seiner Mannschaft. "Insbesondere die zweite Hälfte war schwach. Und wenn dann unsere Spieler feststellen, dass die anderen den Sieg mehr wollten, dann ist das äußerst bedenklich", wird Zorc im kicker zitiert.


Am zweiten Spieltag noch lobten wir die ​"Stehaufmännc​hen"-Mentalität des BVB. Wie gegen Union lag die Borussia gegen Aufsteiger Köln zunächst hinten, konnte sich jedoch noch zu einem 3:1-Sieg aufraffen. Insbesondere durch schlaue Einwechslungen konnte der Schalter bei den Westfalen umgelegt werden. Am Ende sorgte vor allem die individuelle Klasse von Offensivspieler Brandt für die Wende. Zuerst hinten liegen und dann gewinnen? Für den BVB anscheinend machbar.


Erinnerungen an letzte Saison kommen hoch


Gegen Union wirkte es nun aber so, als ob man sich genau auf diese Mentalität verlassen würde. Zwar liegt man zurück, aber irgendeiner der Teamkollegen wird schon 'ne Idee haben. Es gab aber keine Ideen mehr - und Dortmund ging unter. Und schon folgt das Deja-vu aus der vergangenen Saison, als man genau dasselbe Muster an den Tag legte und dadurch schließlich die Meisterschaft verspielte. Und nun sind wir gerade einmal beim dritten Spieltag, etwas früh also, um sich einen Durchhänger zu erlauben.


Die Mannschaft auf dem Platz wirkt wieder einmal träge, der Trainer auf der Bank ebenso. Lucien Favre wird wohl gemerkt haben, dass sein Team auf dem Platz ordentlich am Straucheln ist. Der Schweizer ließ jedoch von großen Ansagen ab und konzentrierte sich auf sein System. Doch auch die mal wieder späten Einwechslungen zeigten nicht die erhoffte Wirkung und ließen Favre zum Mitglied des schläfrigen BVB werden.


Ohne Mentalität keine Punkte


Es ist ein schmaler Grad, auf dem Dortmund momentan balanciert. Gewinnen sie wie vergangene Woche trotz über weite Teil mäßiger Leistung, muss man sie für ihren Siegeswillen loben - und festhalten, dass sie ihre Qualität im entscheidenden Moment doch auf den Platz bringen. Zeigen sie jedoch nicht diesen Willen und verlieren am Ende die Partie, muss man sie für die fehlende Einstellung kritisieren, denn so wird man ganz sicher nicht mehr Meister.


Wenn der BVB also nicht dringend an der eigenen Einstellung arbeitet - und an der Anfälligkeit durch Standards - wird in Dortmund schnell wieder täglich das Murmeltier grüßen. Und das verwundert im Endeffekt doch stark, denn man erinnert sich an die nach außen hin hoch gesteckten Ziele, mit denen der BVB in die neue Saison ging. Vom Ehrgeiz jedoch, die Meisterschaft zu gewinnen, sah man am Samstagabend (zu) wenig.


Nach der Länderspielpause muss der BVB zuhause gegen Bayer 04 Leverkusen ran. Diese brannten trotz des unglücklichen 0:0 gegen TSG Hoffenheim ein Offensivfeuerwerk ab und gehen mit viel Rückenwind in die kommenden Spiele. Der BVB sollte also gewarnt sein, das Spiel gegen Union nicht einfach abzutun, denn zieht sich diese Einstellung in der Mannschaft weiter, wird man nicht nur gegen Bayer 04 keine Punkte mehr sammeln können. So, lieber BVB, werdet ihr ganz bestimmt nicht Meister.