Der Berg kreißte - und gebar eine Maus. Nach den skandalösen Äußerungen von Clemens Tönnies, in denen er sich in rassistisch-diskriminierender Weise über Afrikaner ausgelassen hatte, ging ein Aufschrei der Empörung durchs Land. Bis zur Ethik-Kommission des DFB wogten die Wellen. Doch am Ende bleibt nur viel Lärm um - nichts.


Und dies sei nicht falsch verstanden: eine Nichtigkeit war es nicht, die Herr Tönnies da anlässlich des Tags des Handwerks vor verlesenem Publikum vom Stapel gelassen hatte. Ob rassistisch, chauvinistisch oder diskriminierend: Aussagen, die eine ganze Bevölkerungsgruppe auf derartige Weise pauschal und undifferenziert verunglimpfen und beleidigen, haben in einer toleranten Gesellschaft nichts zu suchen. 


Ethik-Kommission verzichtet auf Verfahren gegen Tönnies


Und der Fußball gibt sich ja immer sehr gerne als tolerant und weltoffen. Zumindest in den hochglänzenden Werbespots, die alljährlich vom ​DFB in Auftrag gegeben werden. 

Die Ethik-Kommission des DFB hielt ihren Beschluss extrem knapp. Nur zwei Punkte: "1. Die Ethik-Kommission missbilligt den Satz: 'Dann würden die (in Afrika) aufhören, Bäume zu fällen, und sie hören auf, wenn's dunkel ist, Kinder zu produzieren'". ​2. Die Ethik-Kommission schließt ihre Vorermittlungen ab und verzichtet darauf, ein Verfahren vor der Ethik-Kammer des Sportgerichts des DFB einzuleiten." 


Jetzt könnte man fragen, wie schwer denn eine Verfehlung denn sein muss, damit sie vor der Ethik-Kammer des Sportgerichtes des DFB verhandelt wird. Die Worte von Tönnies reichen offenbar nicht aus. Dies ist bedauerlich, denn viel diskriminierender gegenüber anderen Ethnien kann man sich eigentlich nicht ausdrücken, als es Herr Tönnies getan hat. 


Der DFB kriegt auf Dauer ein Glaubwürdigkeitsproblem


Als Begründung für dieses Urteil wurde angegeben, dass "Herr Tönnies bei der eingehenden Anhörung und Befragung überzeugend übermitteln konnte, dass er kein Rassist ist. Seine Distanzierung von seiner Äußerung und sein Erschrecken darüber sind der Kommission glaubhaft. Darüber hinaus sind der Kommission auch nach einer Befragung aus seinem sportlichen Umfeld weder vorherige rassistische Äußerungen von Herrn Tönnies bekannt geworden, noch, dass er durch derartiges Handeln bisher in Erscheinung getreten ist oder auch nur den Anschein erweckt hätte." 


Nochmal: natürlich hat ein jeder Mensch das Recht auf Wiedergutmachung seines begangenen Fehlers. Ein Recht auf eine zweite Chance. Und natürlich ist es auch korrekt, dass Herr Tönnies bislang nicht als Rassist in Erscheinung getreten ist. Bis eben zu seiner Rede beim Tag des Handwerks. Doch wenn wir dieses Thema derart lasch angehen, und jede nachträglich eingereichte Entschuldigung für einen vorherigen Verbalaussetzer reicht, um ihn vergessen zu machen, dann hat der DFB auf Dauer ein Glaubwürdigkeitsproblem. Das Zeichen, das von diesem Urteil ausgeht ist folgendes: Rassismus ist eigentlich verboten. Aber wenn du es einmal machst, bekommst du noch eine zweite Chance. Und wenn du vorher immer anständig warst, hast du eine Bonus-Beleidigung offen. Wo ist der R E S P E C T , DFB?