Die Entscheidungen von Marco Fritz und seinem restlichen Schiedsrichtergespann beim gestrigen Topspiel zwischen ​Schalke 04 und dem ​FC Bayern sorgten für viel Ärger. Auch heute dominieren die Diskussionen und Gespräche darüber das Bundesliga-Geschehen - doch nicht nur die Elfer-Szenen waren schlecht gelöst.


Ein Spiel besteht immer und grundsätzlich aus mehr, als strittigen Schiedsrichter-Entscheidungen. Eine Mannschaft macht mehr Fehler als die andere, es gibt Fehler und starke Aktionen, an denen der Schiedsrichter keinen Einfluss hat. Trotzdem muss man dringend die gestrige Leistung der Unparteiischen bedenken und thematisieren, denn es war nicht das erste Mal.


Entscheidungen überschatten den Spieltag


Auch am Sonntag, einige Stunden nach dem Spiel, wo sich inzwischen die Gemüter halbwegs wieder beruhigt haben dürften, ist Marco Fritz, der dazugehörige Videoschiedsrichter und deren Entscheidungen das Thema. Dabei werden die Handszenen diskutiert, die für S04 zwei Elfer hätten bedeuten sollen oder auch müssen. Doch es gab noch mehr Aspekte, die eine tatsächlich schlechte Leistung attestierten. 


Bereits zu Beginn war Fritz teilweise im Spielgeschehen selber beteiligt. Sein Stellungsspiel ließ des Öfteren Fragen offen, so beispielsweise, als Amine Harit einige Meter in die gleiche Richtung dribbelt und sich - für alle erkennbar - ein Zweikampf anbahnt. Fritz bewegt sich kaum, steht schließlich voll im Weg und inmitten von drei Spielern. Als wäre das nicht schon unglücklich genug, weil es auch nicht das einzige Mal war, wird nach der Berührung des Balls von ihm nicht die mittlerweile notwendige kurze Unterbrechung gegeben. 


Bisher galt: Schiri ist Luft. Seit dieser Saison ist das anders. Wird der Schiedsrichter angeschossen oder ist er Teil einer Situation mit Ball, wo ein Tor erzielt wird, ein Angriff unter-/abgebrochen, usw., wird das Spiel kurz unterbrochen. Doch das tat er nicht - Bayern geriet kurz darauf in Ballbesitz.

Marco Fritz

Marco Fritz ist seit 2006 DFB-Schiedsrichter


Auch ein paar Freistöße waren zumindest fragwürdig, so etwa das Foul von Weston McKennie, das zum 0:2 führte. Da dies aber immer und grundsätzlich subjektiv ist, ist das schwer zu kritisieren. Dennoch sieht man, auch wenn McKennies Hand auf der Schulter von Corentin Tolisso nichts zu suchen hat, dass es nur eine sehr leichte Berührung gibt, die den Bayern-Spieler zu Fall bringt. Ein Pfiff nicht allzu schlimm, doch sicherlich kein klares Foul - ärgerlich, aber zugegebenermaßen schwer zu kritisieren. Der Elfer für die Bayern zum 0:1 war hingegen völlig berechtigt und richtig entschieden. 


Was man allerdings ganz scharf kritisieren muss, sind die Entscheidungen bei den Handspielen im Bayern-Sechzehner und auch der Umgang in den Situationen - vor allem aber auf den VAR bezogen. Der Kopfball von Matija Nastasic wird mit dem komplett ausgestreckten Arm von Benjamin Pavard abgeblockt, und dadurch eine mögliche Torchance verwehrt. Beim späteren Freistoß geht der komplette Arm von Ivan Perisic zum Ball, dabei vom Körper weg - auch hier wird der Schuss auf das Tor von Manuel Neuer geblockt. Das Problem dabei ist nicht nur, dass zwei klare Torchancen mit eindeutigen Bewegungen geblockt wurden, sondern auch, dass Schiedsrichter Fritz beim Freistoß eine ganz klare Sicht hatte. Laut Bastian Oczipka habe er bei Perisic die Hüfte gesehen, und das ist nicht nur falsch, sondern schon eklatant. 


Vor allem der VAR gab eine schlechte Figur ab


Das noch größere Problem ist der VAR: Laut Fritz gab es in allen drei Situationen (zwischendurch wurde Perisic noch angeschossen) die Kommunikation zwischen ihm und den Assistenten in Köln. Doch bei keiner einzigen entschloss man sich dazu, sich die Szene erneut anzugucken. Das ist nicht nur auf die Entscheidung gesehen eine schlicht falsche Maßnahme, sondern auch von der Feinfühligkeit äußerst unglücklich gelöst. 

Durch das erneute Ansehen der Szene an der Seitenlinie wäre etwas Ruhe ins Spiel und die Arena gekommen, man hätte sich fair behandelt gewusst, und es hätte die Möglichkeit auf Fehlerkorrektur gegeben. Aber nichts da: So wird ein Bild vermittelt, für die Spieler, die Fans und die Zuschauer, dass man den VAR erst gar nicht braucht - denn wenn er eingreifen muss, tut er es häufig nicht. Das kann niemand verstehen und ist nicht zu erklären. 


Fritz hat im Nachhinein zugegeben, dass er durch das Videomaterial anders entschieden hätte. Kaufen kann man sich davon nichts. Auch nicht davon, dass auch Schiedsrichter-Chef Fröhlich vom falschen Umgang spricht. 


Insgesamt war es dennoch keine rundum und ausschließlich schlechte Partie. Einige Szenen wurden richtig betrachtet und entschieden, es gab zudem wenig Karten während Fritz das Spiel im Bezug auf Fouls dennoch unter Kontrolle hatte. Dennoch überwiegt eindeutig die äußerst schlechte Figur, die er und seine Kollegen bei den möglichen Strafstößen abgegeben haben. Ein potenzielles 1:2 während S04 im Aufwind war, hätte die Partie eventuell drehen können. Eventuell, Konjunktiv. Fakt ist: Da ist dringende Aufarbeitung nötig!