Am Ende feierte der ​FC Bayern einen auf dem Papier ungefährdeten 3:0-Auswärtssieg beim FC Schalke 04. Die zwischenzeitliche Drangphase der Knappen, die den Rekordmeister in Bedrängnis brachte, beendete Robert Lewandowski mit seinem fünften Saisontor - wie schon in der Vorwoche war der Pole der einzige Torschütze der Münchner. Seine starke Quote bereitet gleichzeitig jedoch Sorgen, die in Anbetracht des Mittelfeldes nicht die einzigen sind. Wie sich das Spiel mit Philippe Coutinho ändern wird, wird sich erst in einigen Wochen zeigen - bis dahin müssen Niko Kovac und sein Trainerteam aber hart arbeiten.


Wieder einmal heißt die Lebensversicherung des FC Bayern Robert Lewandowski. Der Pole steht nach den ersten beiden Ligaspielen bei fünf Toren, war zuvor bereits im DFB-Pokal bei Energie Cottbus ein Mal zur Stelle. Solange Coutinho nicht auf dem Platz ist, ist der Goalgetter der einzige Spieler auf Weltklasse-Niveau, den der Rekordmeister derzeit zu bieten hat.

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Ohne Robert Lewandowski wäre der FC Bayern nach dem zweiten Spieltag torlos.


Seit Kovac das Traineramt im Sommer 2018 übernommen hat, ist die individuelle Klasse jedoch ein Problem. Von dieser hängen die Münchner bedeutend mehr ab als unter den Vorgängern Jupp Heynckes, Pep Guardiola und Carlo Ancelotti. Einzelaktionen bestimmen immer wieder über Freud und Leid, ein mannschaftliches Kombinationsspiel wird unter dem Kroaten nur selten gesehen. Wenig verwunderlich ist daher folgende Bilanz aus dem Liga-Auftakt: Neben dem sehenswerten Freistoßtreffer in der 50. Minute erzielte Lewandowski zwei Tore per Elfmeter, nur zwei seiner fünf Tore fielen aus dem Spiel heraus - das 1:0 gegen Hertha BSC leitete er dabei selbst ein. In Anbetracht der sonst eher harmlosen Offensive wirkt er wie der einzige Hoffnungsschimmer, nicht umsonst lobte Kovac im Anschluss an die Partie die Effizienz des 31-Jährigen. 


Die Frage nach der Balance


Der größte Schwachpunkt war jedoch wieder einmal das Mittelfeld. Besonders im ersten Durchgang wurde Joshua Kimmich auf dem Sechser-Posten von seinen Vordermännern allein gelassen, konnte kaum etwas bewirken. Seine Aufgaben gegen den Ball erledigte der aggressive Zweikämpfer, der aufgrund des Ausfalls von Thiago seine Qualitäten als bester Rechtsverteidiger der Bundesliga nicht ausspielen konnte, gewohnt ordentlich, in der Spieleröffnung wirkte er aber hilflos. Statt Angriffe zu initiieren und den Ball voranzutreiben, musste er immer wieder den Rückpass auf einen der beiden Innenverteidiger wählen, die wiederum die Außenverteidiger Benjamin Pavard und David Alaba in der Hoffnung, von dort aus tiefer in die Schalker Hälfte eindringen zu können, anspielten.

Joshua Kimmich,Weston McKennie

  Joshua Kimmich (Vordergrund) tat sich auf der Sechs im Vorwärtsgang schwer, Grund dafür waren die zu großen Abstände der Vordermänner.


Denn das Zentrum gehörte größtenteils Schalke 04. Gegen den Ball formierte sich die Elf von David Wagner in einem klaren 4-4-2, Corentin Tolisso und Thomas Müller bemühten sich darum, gemeinsam mit Serge Gnabry und Kingsley Coman die Halbräume zu besetzen und von dort aus gefährlich zu werden. Aufgrund der zu großen Abstände war es Kimmich jedoch kaum möglich, die Mittelfeld-Reihe der Schalker zu überspielen. Demzufolge hätten Tolisso und Müller entweder einige Meter nach hinten rücken müssen, oder Kimmich gemeinsam mit der hintersten Linie um Lucas Hernández und Niklas Süle weiter nach vorne. Risiken wollte man, so scheint es, aber nicht eingehen, da Schalke wie schon vor einer Woche beim 0:0 gegen Borussia Mönchengladbach gutes Pressing darbot.

​Mit der Einwechslung von Philippe Coutinho, der in der 57. Minute für Thomas Müller in die Partie kam, wurde es etwas besser - auch, weil Kovac einige Umstellungen vorgenommen hat. David Alaba rückte ins Zentrum zu Kimmich, Hernández, Süle und Pavard bildeten eine Dreierkette. Coutinho und Tolisso ließen sich etwas tiefer fallen, boten sich immer wieder an und sorgten so für ein flüssigeres Kombinationsspiel. 


Mangelnde Unterstützung auf Außen


Was auch gegen Schalke wieder zum Problem wurde: Die Außenspieler erhielten zu wenig Unterstützung. Coman und Gnabry sahen sich mindestens zwei Gegenspielern ausgesetzt, Hilfe gab es jedoch nur geringfügig. Dies resultierte einerseits aus den zu tief stehenden Außenverteidigern, andererseits aus den meist zu zentralen Achtern. Somit war der Strafraum vollgepackt - Flanken waren allerdings kaum zu sehen. Coutinho war nach seiner Einwechslung anzumerken, dass er sich zwischen den Linien und Positionen bewegt, nicht stur auf einen Punkt konzentriert ist - damit war er aber neben Lewandowski gefühlt der einzige.


Der Kader ist noch immer zu dünn


Auch die Breite des Kaders bleibt ein Thema. Jerome Boateng, Leon Goretzka und Thiago fielen allesamt aus - prompt standen Kovac nur sechs von neun erlaubten Ersatzspielern zur Verfügung. Nach dem Abgang von Renato Sanches muss noch ein Mittelfeldspieler kommen, Hasan Salihamidzic hielt sich ob weiterer Verpflichtungen aber bedeckt. Verglichen mit Juventus Turin, wo unter anderem Matthijs de Ligt, Emre Can, Paulo Dybala, Adrien Rabiot und Federico Bernardeschi beim 1:0-Sieg über den FC Parma auf der Bank Platz nehmen mussten, haben die Münchner nur wenige Möglichkeiten, von Außen einzugreifen.

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  Muss sich bis zum Transferschluss weiter um den Kader kümmern: Sportdirektor Hasan Salihamidzic.


Spielerisch stockt es im Vergleich zu Borussia Dortmund, dem größten Konkurrenten auf nationaler Ebene, gewaltig. Flüssige Kombinationen sind nur selten zu sehen, die Einzelaktionen blieben in Durchgang eins überwiegend blass. Drei von fünf Tore fielen nach Standards, Robert Lewandowski ist bislang der einzige Torschütze. Es bleibt abzuwarten, wie sich das Spiel entwickeln wird, wenn Coutinho bereit für einen Platz in der Startformation ist - bis dahin ist aber nur wenig von den Münchnern zu erwarten, sollte sich nicht schlagkräftig etwas ändern.