Die Verhandlungen zwischen dem FC Augsburg und ​Eintracht Frankfurt waren zäh, am Ende des Tages aber erfolgreich. Martin Hinteregger darf bei den Hessen sein persönliches Märchen, das im Januar mit der Kritik am ehemaligen FCA-Trainer Manuel Baum begann, fortsetzen. Wieso er sich mit der Eintracht so verbunden fühlt, sagt er im Interview mit Welt, könne er nicht erklären. Bezeichnend für diese besondere Bindung sei aber ein Foto, das nach einem der wohl bittersten Moment seiner bisherigen Karriere entstanden ist.


Die Eintracht, die auch dank Hinteregger bis ins Halbfinale der Europa League stürmte und trotz eines schwachen Schlussspurtes in der Bundesliga doch noch den Traum von einer weiteren internationalen Saison aufrecht erhalten konnte, bedeute ihm "sehr viel. Hier stimmte von Anfang an das Gefühl. Ich wusste, dass es hier nicht anders als gut laufen würde", sagt Hinteregger, der die Herzen der Fans im Sturm eroberte.


Die #HintiArmy ist längst Kult, beim 1:0 über 1899 Hoffenheim war der österreichische Innenverteidiger wieder einmal der gefeierte Mann. Nach 36 Sekunden erzielte er den Führungstreffer für die Eintracht, kurz vor Spielende biss er nach einem Krampf auf die Zähne und spielte bis zum Schluss weiter.

Martin Hinteregger

  Wieder war es Martin Hinteregger (Vordergrund), den die Fans am ersten Bundesligaspieltag feierten. 


Wieso er von jetzt auf gleich zum Publikumsliebling wurde, habe er sich oft gefragt. Einige Fans, berichtet er, erinnerten an ein Spiel, "in dem ich im Strafraum viele Grätschen gemacht habe, das hätte ihnen imponiert." Er selbst glaubt auch, dass seine "offene, zugängliche und bodenständige" Art zu diesem Status beitragen konnte.


Ein Bild, das "ganz viel" aussagt


Wie besonders die Beziehung zwischen Hinteregger und den Fans ist, beschreibt ein Bild nach dem bitteren Aus im Halbfinale der Europa League beim FC Chelsea. An der Stamford Bridge kämpfte sich die Eintracht bis ins Elfmeterschießen und lag nach dem Fehlschuss von Cesar Azpilicueta in Front, ehe Hinteregger als vorletzter Schütze verschoss und auch Goncalo Paciencia den Ball nicht im Tor unterkriegen sollte. Im Anschluss an das bittere Ausscheiden wurde Hinteregger von den mitgereisten Fans getröstet.

Martin Hinteregger

Bilder, so heißt es, sagen mehr als 1000 Worte. Martin Hinteregger bekommt beim Anblick dieses Fotos auch heute noch "Gänsehaut", wie er gegenüber Welt verrät.


"Dieses Bild sagt ganz viel aus. Über mich, über mein vergangenes halbes Jahr in Frankfurt und über die Fans. In diesem Bild ist einfach alles", sagt der 26-Jährige beim erneuten Blick auf das Foto. "Ich schaue es mir täglich an und bekomme auch jetzt wieder Gänsehaut. Diese Zuneigung habe ich so noch nie erlebt. Das ist unglaublich. Es gab für mich einfach keine andere Möglichkeit, als dass ich hier in Frankfurt weitermache. Ich möchte hier sein."


Hinteregger und "die schlimmste Sommerpause" seiner Karriere


Doch ehe er seinen bis 2024 gültigen Vertrag unterzeichnen durfte, dauerte es eine Weile. Die Verhandlungen stockten laut Medienberichten aufgrund der sturen Forderungen des FC Augsburg, der 15 Millionen Euro verlangt haben soll. Beide Klubs einigten sich jedoch auf eine Ablösesumme von zwölf Millionen, in der Zwischenzeit sorgte Hinteregger mit vermeintlichen Provokationen für Negativschlagzeilen.


Die Vorwürfe, mit einem Eintracht-Rucksack zum Trainingsauftakt erschienen zu sein, ​den Termin für das Mannschaftsfoto geschwänzt zu haben und Videoaufnahmen, die ihn während des Trainingslagers betrunken zeigen, bezeichnete er als "Halbwahrheiten", die "aufgebauscht" worden seien. Auch aufgrund dieser Nebenkriegsschauplätze sei der Sommer eine "extreme Zeit", wenn nicht sogar "die schlimmste, die ich bislang durchlebt habe", gewesen. 


Die gesamte Posse habe schlussendlich auch seine Leistungen in Trainingseinheiten und Testspielen beeinflusst, schließlich habe er keine Verletzung riskieren wollen, die einen Transfer erschwert hätte. Mittlerweile dürfte er froh darüber sein, endgültig ein Adler zu sein.