Neue Saison, alte Leier: Trotz einer ordentlichen Vorbereitung sind die Aussichten auf einen Stammplatz beim FC Bayern München für Jerome Boateng äußerst gering. Gegen Energie Cottbus und Hertha BSC erhielt Benjamin Pavard den Vorzug, Lucas Hernández dürfte sich bald neben Niklas Süle etablieren. ​Mit den jüngsten Aussagen von Karl-Heinz Rummenigge wendet sich das Blatt wieder einmal: Ein Verkauf des Weltmeisters von 2014 ist nicht ausgeschlossen, sofern Boateng selbst mit einem Wechselwunsch an die Vereinsführung herantreten sollte. Womöglich steckt hinter den vergangenen Wochen reines Kalkül.


Es ist die dritte Wendung im Fall Boateng. Erst legte Uli Hoeneß dem Innenverteidiger nahe, sich einen neuen Klub zu suchen, ehe er in der Vorbereitung einer der größten der Gewinner war. "Wie sich Jérôme innerhalb der Mannschaft und des Klubs bewegt hat, war sehr positiv. Er hat Pluspunkte gesammelt", wurde Rummenigge vor einem Monat bei Sportbuzzer zitiert. 


Und auch Trainer Niko Kovac ging plötzlich von einem Verbleib aus (via ​t-online): "Sollte er bleiben, wonach es aktuell aussieht, hat er dieselben Chancen wie jeder andere Spieler auch. Er macht seine Sache sehr gut und ich bin sehr zufrieden mit seiner Leistung bisher in der Vorbereitung."

Sebastian Rode

Hoch gelobt und doch nicht gut genug. Sebastian Rode weiß aus eigener Erfahrung, wie der FC Bayern mit einigen seiner Spieler umgeht.



Doch all die positiven Worte verlieren an Bedeutung, wenn der gelobte Spieler wieder nur auf der Ersatzbank landet. Einen ähnlichen Umgang wählten die Verantwortlichen mit Sebastian Rode, der nach 52 Einsätzen in zwei Jahren wieder das Weite suchte und sich Borussia Dortmund anschloss. "Mir wurde zwar immer vom Verein aus gesagt, wie toll man mich findet, dass man mich gerne behalten würde, aber die Wirklichkeit und die Taten sahen anders aus. Wenn man das ein ganzes Jahr hört und dann doch nie spielt, dann glaubt man das irgendwann nicht mehr", monierte der 28-Jährige, der mittlerweile wieder bei Eintracht Frankfurt spielt, vor drei Jahren gegenüber dem ​kicker


Kommt ein Transfer doch noch zustande?


Boateng ergeht es in diesen Tagen nicht anders. Neben Niklas Süle kämpft er mit den Neuzugängen Benjamin Pavard und Lucas Hernández um einen Stammplatz, gilt möglicherweise sogar nur als Innenverteidiger Nummer vier. Spätestens wenn Hernández endgültig auf den Platz zurückkehrt, herrscht Gewissheit. Womöglich wird Boateng bis dahin aber bei einem neuen neuen Verein untergekommen sein.

Lucas Hernandez

Rekordtransfer Lucas Hernández wird Boatengs Chancen auf Spielpraxis wohl endgültig zunichte machen.



Eigentlich hätte er schon vor einem Jahr gehen sollen, ehe Kovac sein Veto einlegte. Zum Ende der abgelaufenen Saison wirkte Boateng lustlos, nahm an den Feierlichkeiten des Doubles kaum teil. Dafür hat er sich mittlerweile entschuldigt, dennoch, so scheint es, ist das Tischtuch angeschnitten. Denn während offen über einen Abgang von Renato Sanches diskutiert wird, steht auch ein Transfer von Boateng plötzlich wieder im Raum.


Rummenigge: "...dann muss er uns das mitteilen"


So sagte Rummenigge bei Sky (via ​kicker): "Wenn er den Klub verlassen möchte, dann muss er uns das mitteilen, dann werden wir uns damit befassen. Aber die grundsätzliche Aussage muss von ihm kommen." 


Auch für ihn werde es "nicht einfach, in dieser Konstellation kontinuierliche Einsatzzeiten" zu erhalten. Laut Sport Bild darf er den Klub für 25 Millionen Euro verlassen, ein Angebot gibt es laut Rummenigge noch nicht.


Womöglich dienten die Lobeshymnen nur dazu, ihn ins Schaufenster zu stellen. Denn anders als vor einem Jahr, als es mit Paris St. Germain einen ernsthaften Interessenten gab, blieb es in diesem Sommer ungewohnt still. Vier Innenverteidiger sind Luxus, auf der anderen Seite wohl aber von Nöten, sollte einer der Außenverteidiger für längere Zeit ausfallen und somit entweder Pavard oder Hernandez aus dem Abwehrzentrum herausrücken.


Der Markt ist klein

 

Ein Transfer von Boateng dürfte sich jedoch als schwierig erweisen. Nach Sport1-Informationen wolle er nicht um jeden Preis wechseln, würde daher wohl nur zu einem Topklub gehen. Der Markt ist entsprechend gering, und somit ist davon auszugehen, dass er seine neunte Saison an der Säbener Straße erleben wird. Mit diesem Szenario werden sich die Münchner wohl zufriedenstellen, auf Dauer ist dies aber keine Lösung.