Der Respekt vor Arjen Robben und seinen Leistungen war so groß, dass der FC Bayern zuerst seine Erlaubnis einholte, um die Rückennummer 10 neu zu vergeben. Franck Ribery wird ähnlich auf ewig mit dem Klub verbunden sein und steht mit Robben für eine extrem erfolgreiche Ära. Beide haben den Verein diesen Sommer verlassen und nun müssen neue Spieler ihren Stempel aufdrücken, um im besten Falle eine vergleichbare Epoche zu prägen – oder zumindest den Grundstein zu legen.


Kingsley Coman und Serge Gnabry waren bereits im Vorjahr als designierte Nachfolger von Robbery auserkoren, nun müssen sich beide ohne Netz und doppelten Boden auf den Außenbahnen beweisen. Doch Bayern wäre nicht Hoeneß und Rummenigge, wenn sie den Kader nicht weiter verbessert hätten. Insbesondere der Transfer von Coutinho sorgte für Aufsehen und bringt einen klangvollen Namen nach München. Der Brasilianer, der nach seiner starken Zeit bei Liverpool in Barcelona nicht vollständig an diese Leistungen  anknüpfen konnte, erhält bei den Bayern neben der Rückennummer 10 auch eine Chance auf einen Neuanfang. In München ist er nun der unangefochtene Superstar, bei Barcelona war er nur einer von vielen. Vielleicht gibt ihm diese Alleinstellung den benötigten Schub, um sich wieder auf das Parkett der Weltbühne zu spielen.


Wohin mit Thomas Müller?


Für den Ex-Trainer Louis van Gaal galt einst die Maxime: "Müller spielt immer." Ob sich diese These auch im Jahre 2019 weiter bewahrheitet, steht unter einem zumindest zweifelhaften Stern. Im aktuell von Niko Kovac favorisiertem 4-3-3 bzw. 4-1-4-1 werden drei Mittelfeldspieler nominiert. Auf der Sechs hat sich Thiago festgespielt, auf den offensiveren Halbposition vor bzw. neben ihm tobt der Konkurrenzkampf. Goretzka, Tolisso, Sanches, Müller, Coutinho. Alle können diese Position spielen und bringen typenabhängig Vor- und Nachteile mit. Goretzka und Coutinho könnten sich hier jedoch als Bestbesetzung herausstellen. Goretzka könnte trotz seiner häufigen Vorstöße in die gegnerische Box eine gute (kämpferische) Balance zwischen Defensive und Offensive ins Mittelfeld der Bayern bringen. Coutinho könnte wiederum für den Schuss Kreativität und Spielfreude von den Halbpositionen sorgen und dem flügellastigen Spiel der Bayern eine neue Facette verleihen. 

Thomas Mueller

Thomas Müller muss sich harter Konkurrenz stellen



Coutinho auf den Flügel?


Auch dies wäre eine denkbare Alternative für Kovac, würde das Spiel der Bayern jedoch verändern. Coutinho ist nicht der klassische Tempodribbler und Flügelflitzer wie Coman oder Gnabry, er geht vielmehr gerne in die Mitte und kommt von dort zum Abschluss. Vielleicht wäre er eine gute Alternative gegen tiefstehende Gegner, die den Bayern kaum Raum lassen und speziell Coman und Gnabry eben keinen Platz zum Dribbeln und Tempoaufnahme gewähren. 


In der ganzen Diskussion um Coutinho geht der andere Neuzugang für die Offensive der Bayern leider ein wenig unter. Die Rede ist von Ivan Perisic. Auch er bringt sehr gute fußballerische Fähigkeiten mit, verfügt über eine gute Technik und starken Zug zum Tor. Insgesamt ein anderer Spielertyp als seine Konkurrenten, der Kovac erneut weitere Facetten im Offensivspiel ermöglicht. 


Alles in allem verfügt Bayern nun über einen starken Kader. Ob und inwiefern die beiden Leihspieler Coutinho und Perisic die gewünschten neuen Stars für den Beginn einer neuen Ära sind, bleibt abzuwarten. Ein Leroy Sane wäre hierbei gewiss ein deutlicheres Statement in Richtung Zukunft gewesen, die schwere Verletzung des Nationalspielers zwang die Bayern aber zum Umdenken. ​Vermutlich werden die Bayern schon im Winter hier einen neuen Versuch wagen. Bis dahin werden es Coutinho & Co. aber sicherlich zu richten wissen.