Aufgrund des Geschehens auf dem Transfermarkt gibt es innerhalb eines Mannschaftskaders immer Gewinner und Verlierer. Mit ​​Philippe Coutinho​ sicherte sich der FC Bayern München den gewünschten Topspieler und reagierte somit erfolgreich auf die vorerst gescheiterte Verpflichtung von Leroy Sané. Der Brasilianer soll in der Offensive des Rekordmeisters den Unterschied ausmachen und die Unberechenbarkeit einbringen, die beim Bundesliga-Auftakt gegen Hertha BSC Berlin gefehlt hat. Doch ein Spieler wird für ihn auf die Ersatzbank weichen müssen - die Wahl fällt voraussichtlich auf Thomas Müller. Die Vereinsikone ist längst nicht mehr unantastbar und ist voraussichtlich der größte Verlierer des Coutinho-Coups.


Noch vor einigen Jahren schien Müller unersetzlich. Das Eigengewächs, das mittlerweile 488 Pflichtspiele für die Bayern auf dem Buckel hat, stolze 185 Tore erzielte und 167 weitere Treffer vorbereitete, war unter Pep Guardiola in der Form seines Lebens. Der Katalane ließ ihn als unberechenbares Element um Robert Lewandowski herum spielen, gewährte ihm die nötigen Freiheiten, um die gegnerische Abwehr mit seinen ungewöhnlichen Laufwegen zu überwinden. In der letzten Saison von Guardiola stellte Müller in der Bundesliga mit 20 Saisontoren seinen persönlichen Bestwert auf - doch danach fielen die Leistungen deutlich ab.


Ein Schatten seiner selbst


​Ein Grund dafür waren die Umstellungen von Carlo Ancelotti. Der Italiener vertraute in seinem ersten Halbjahr auf ein 4-3-3, in dem Müller häufig auf der rechten Außenbahn zu finden war. Auf dieser Position ist sein Potenzial verschenkt, weshalb er in der Rückrunde wieder als Hängende Spitze agierte, wieder spürbar aufblühte und neun Assists bei vier eigenen Toren lieferte. 


Doch als Niko Kovac in München anheuerte und Jupp Heynckes, der nach Ancelottis Entlassung bis Saisonende aushalf, beerbte, stand hinter Müller erneut ein Fragezeichen. Denn auch Kovac versuchte sich an einem 4-3-3, ehe er nach der Herbstkrise auf 4-2-3-1 umstellte. Zur neuen Saison will der Kroate noch einmal das 4-3-3 etablieren, für Müllers Spiel ist dieses System aber nicht geeignet. Es bietet schlichtweg keine geeignete Position für den 29-Jährigen.

Thomas Mueller

    Wie soll Thomas Müller zu alter Stärke zurückfinden, wenn er auf keiner Position gut aufgehoben ist?


Im Pokalspiel bei Energie Cottbus vertrat er Serge Gnabry auf der rechten Außenbahn, wirkte dort aber eher wie ein hemmendes Element. Als Flügelhalter war Müller wenig produktiv, Rechtsverteidiger Joshua Kimmich war mit seinen Flanken deutlich auffälliger. Die rechte Außenbahn war ein Schwachpunkt der Münchner, die ihre Angriffe überwiegend auf der linken Spielhälfte aufzogen. 


Zwar könnte Müller als einer der vorgezogenen Achter agieren, doch dort wird er aufgrund der Breite im Mittelfeld wohl kaum benötigt. Corentin Tolisso, Leon Goretzka, Renato Sanches und nun auch Philippe Coutinho können diese Position bekleiden. Beim 2:2 gegen Hertha BSC begann Müller auf eben jenem Achter-Posten, überzeugen konnte er dabei aber nicht wirklich.

Seit der Weltmeisterschaft schwanken seine Leistungen, die Tendenz geht in eine negative Richtung. Mit Coutinho besitzen die Bayern nun einen Spieler, der variabel einsetzbar ist, nahezu jede Position im Angriff bekleiden kann - und all jene Fähigkeiten besitzt, die Thomas Müller nie ausgezeichnet haben. Der Brasilianer ist technisch hoch veranlagt, stark im Dribbling, auf engstem Raum kaum vom Ball zu trennen, besitzt das Auge für den tödlichen Pass und sorgt immer wieder für Überraschungsmomente. 


Müller kann nur verlieren


Wie schon beim Transfer von James Rodriguez stellt sich die Frage, ob Coutinho mit oder anstelle von Müller spielen wird. Während unter Heynckes beide Akteure auf dem Platz aufliefen, ehe Kovac auf James verzichtete und Müller den Vorzug erhielt, scheint es nun so, als müsste sich der Weltmeister mit einem Platz auf der Bank zufriedengeben. Denn dort, wo er eingesetzt werden kann, kann auch Coutinho spielen - und dieser ist als neuer Superstar innerhalb der Mannschaft gesetzt. 


Ob Kovac seinem 4-3-3 treu bleibt, doch wieder auf 4-2-3-1 umstellt oder gar ein 4-1-4-1 erwägt - Coutinho steht für spielerische Lösungen, soll das Flanken-Gewitter beenden und das Niveau des Rekordmeisters noch einmal erheblich anheben. Thomas Müller wird sich einen Platz in einem System erarbeiten müssen, in dem es keine optimale Position für ihn gibt. Egal ob im Mittelfeld oder der rechten Außenbahn - durch den Coutinho-Coup ist Müller einer der größten Verlierer beim FC Bayern München.