Hanebüchen, Kamikaze, lebensmüde, fehlerhaft, unsicher, langsam, konteranfällig, ​naiv und einfach löchrig. Für die aktuelle Defensivleistung von ​Bayer 04 Leverkusen fällt einem nur wenig Gutes ein. Die Abwehrschwäche der Werkself ist an sich nichts Neues und zieht sich wie ein rotes Tuch durch die jüngste Vergangenheit, doch die Leistungen in der Vorbereitung, dem Pokal und am ersten Spieltag der Bundesliga sind ein ganz neues Kaliber.


Der Verein versucht nun, dem schlechten Defensivverhalten durch einen Neueinkauf entgegenzuwirken. ​Laut Informationen des kicker soll ein erfahrener, hochklassiger Innenverteidiger an den Rhein gelotst werden, der der Abwehr Stabilität geben soll. Doch auch der kicker hinterfragt direkt, ob damit das Problem aus der Welt sei.


Das System als Ursprung der Unsicherheit


Die Frage an sich ist im Grunde unnötig, denn die Antwort ist einfach zu finden: Das Defensivproblem der Werkself ist von den Spielern unabhängig, vielmehr ist es ein Symptom des Spielsystems. Das siegessichere und sehr optimistische System von Trainer Peter Bosz sieht vor, vor einer Abwehr-Dreierkette ein kompaktes, aber flexibles Mittelfeld aufzustellen. In Zahlen ist das System ein 3-2-4-1, auf dem Feld variiert die Aufstellung jedoch, abhängig davon, ob man gegen oder mit dem Ball aufläuft.


Dieses System wird nun schon seit mehreren Wochen eintrainiert, eine Entwicklung ins Positive ist dabei aber kaum zu sehen. Der Bayer zeigt sich ebenso lange fehleranfällig, offen für Konter und keinesfalls auf Topniveau, wenn es um die Defensive geht. Da kann der Kader noch so breit oder hochklassig sein...


Und genau das verwundert, lief der Motor der Werkself in der vergangenen Rückrunde doch erst richtig warm. Vor allem in der Offensive, aber auch in der Defensive machte Leverkusen damals vieles richtig. Ergebnis: Die Qualifikation für die ​Champions League. Zu einer Topmannschaft gehört also auch die Stabilität in der Abwehr. Ein schlauer Trainer, Jupp Heynkes namentlich, sagte einst: 'Der Sturm gewinnt Spiele, die Abwehr Meisterschaften.' Da ist wohl was dran!


Grund für den Erfolg: In der Rückrunde stelle Bosz die Mannschaft auf ein 4-3-3 um, was auf Anhieb funktionierte. 3:1 gegen die Bayern, 6:1 gegen Frankfurt, 5:1 gegen Hertha BSC sind nur drei von vielen guten Spielen gewesen. Mit einer sicheren Viererkette im Rücken konnte die Werkself befreit nach vorne spielen und die offensive Power auf den Platz bringen.


Forschen nach der Ursache endet mit einem Warum...


Warum also stellt man dieses funktionierende System also um? Liegt es an den Spielern? An dem Transfersommer? - Nein! Zwar ging mit Julian Brandt ein elementarer Baustein der Mittelfeldkette nach Dortmund, doch mit den Neuverpflichtungen Kerem Demirbay, Nadiem Amiri, Moussa Diaby und den gebliebenen Kräften Kai Havertz, Paulinho und nicht zuletzt Charles Aranguiz hat Leverkusen mehr als genug Spieler, die theoretisch die offensiven Positionen im Mittelfeld einnehmen könnten.


Zudem wäre wieder eine offensive Power gewährleistet. Im neuen System müssen die Außenbahnspieler sowohl stark nach hinten wie eben nach vorne arbeiten. Das verschleppt das Tempo, reibt die Spieler auf und macht die Mannschaft konteranfällig. Bei einer Viererkette und zwei Dreierketten hat man die Fläche des Feldes gut abgedeckt und die Spieler können sich auf das konzentrieren, was sie am besten können.


An den Spielern liegt es also nicht, am Erfolg ebenso wenig. Was jedoch bleibt, ist die Frage nach dem "Warum". Wäre eine Umstellung auf das vertraute, funktionierende 4-3-3 nicht sinnvoller, als das Beibehalten des 3-2-4-1 und die Verpflichtung von Innenverteidiger Nummer sechs?


Warum etwas ruinieren, was funktioniert hat?


In Leverkusen macht man sich also unnötig Probleme. Inzwischen hofft mancher Fan innig, dass das System wieder umgestellt wird. Die vergangene Rückrunde spielte Leverkusen den Fußball, den man immer in der BayArena sehen wollte. Inzwischen darf man wieder an den Fingernägeln nagen, wenn die eigene Abwehr den Ball hat.


Also lieber Bayer, anstatt unnötig Geld aus dem Fenster zu werfen, wäre es doch eine Idee, bei dem zu bleiben, was man am besten kann: Im 4-3-3 Fußball spielen. Und wenn nicht, dann verratet uns Fans doch bitte mal, was am neuen System so viel besser sein soll. Wir warten auf Antworten - und Erfolge...