Der ​FC Bayern München hat nach der anhaltenden Kritik an der Transferpolitik die Muskeln spielen lassen und mit Philippe Coutinho einen absoluten Weltstar verpflichtet. Das zumindest steht auf dem Papier; tatsächlich bringt Philippe Coutinho vor allem Chancen und Gefahren nicht nur für den Deutschen Meister, sondern die gesamte Bundesliga mit.


Weltstars in der Bundesliga - das gab es in den vergangenen Jahren kaum. Klar, die nationalen Superstars wie Marco Reus, Mats Hummels oder Manuel Neuer kicken in der Heimat. Aber internationale Schwergewichte, die einen gewissen Glanz mitbringen, gab es seit Arjen Robben und Franck Ribery in der Form nicht mehr. Mit Philippe Coutinho wechselt also fast schon eine ausgestorbene Art in die Bundesliga - und die birgt mehr Risiken als Chancen.


Philippe Coutinho beim FC Bayern: Spiel mit dem Feuer


Denn erst einmal ist der Brasilianer nur ausgeliehen. Ob der 27-Jährige seine Heimat also wirklich im deutschen Oberhaus finden wird, ist noch nicht ausgeknobelt. Zusätzlich zu der Leihgebühr in Höhe von 8,5 Millionen Euro müsste der FC Bayern im kommenden Sommer 120 Millionen Euro Ablöse zahlen, um Coutinho fest zu verpflichten. Das ist der heute gängige Tarif für Weltstars - für die Bundesliga aber ein Novum. Und diesen Prototypen wird man nicht nur an der Säbener Straße genau unter die Lupe nehmen.


Es ist ein Spiel mit dem Feuer, auf das sich der FC Bayern mit Philippe Coutinho eingelassen hat. Sollte der Brasilianer, der immerhin seit anderthalb Jahren nur Luxus-Ersatz beim FC Barcelona ist, nicht auf Anhieb zünden, könnten die Münchener das Coutinho-Paket kaum rechtfertigen; geschweige denn die Ablösesumme im kommenden Sommer zahlen. Wäre das schon der Beweis, dass Weltstars in der Bundesliga nicht funktionieren? Natürlich nicht. Aber wie das nunmal bei Prototypen so ist: Schaffen sie es nicht, schafft es keiner. 


Coutinho in der Bundesliga: Legal Alien


Und da liegt die Gefahr für die Bundesliga. Im internationalen Vergleich verliert das deutsche Oberhaus mehr und mehr an Attraktivität, mit den Argumenten gesunde Wirtschaft und volle Stadien kann man kaum noch punkten. Es fehlt die große Bühne, es fehlen Spieler wie Philippe Coutinho, die den ganz besonderen Glanz mitbringen - und eben nicht nur Talente sind, die die Bundesliga als Sprungbrett nach England, Italien oder Spanien nutzen. Sollte Coutinho seine Leistung im Leihjahr nicht bringen, wer weiß, wie lange wir auf den nächsten Weltstar in der Bundesliga warten müssen - wer weiß, ob überhaupt noch einer kommen will!


Sollte das Coutinho-Experiment scheitern, wird es sich auf der anderen Seite auch der FC Bayern München, derzeit nunmal der einzige Verein in Deutschland, der einen Philippe Coutinho bezahlen und anwerben kann, zweimal überlegen, nochmal ins oberste Regal zu greifen und sich die Finger zu verbrennen oder sich nicht doch lieber auf altbewährte Sparpolitik zu verlassen; zumal man die Bundesliga damit seit Jahren dominieren kann. Zumal der Transferkracher Philippe Coutinho ein Risiko ist.


Coutinho-Transfer: Krumme Nummer


Denn die Verpflichtung von Philippe Coutinho hat - abseits der großen Namen - insgesamt einen bitteren Beigeschmack. In Barcelona war der teure Brasilianer komplett außen vor und wurde allerorts zum Verkauf angeboten. Der FC Bayern, in diesem Transfersommer schwer in den Seilen liegend, griff zu - entgegen der bisherigen Vereinsphilosophie und Transferstrategie. Dass die Bayern einen Spieler, bei dem einfach alles passt (zum Beispiel: Leroy Sane) für über 100 Millionen Euro verpflichten würden, das ist schon irgendwie in Ordnung. Dass der Deutsche Meister nun aber einen formschwachen Weltstar aus dem Hut zaubert, passt nicht so ganz in das Leitbild des Vereins.


Ein Stück weit war die Verpflichtung eines großen Namens für den FC Bayern München jedoch alternativlos. Durch die forsche (und vorlaute) öffentliche Kommunikation, wurde ein Star an der Isar erwartet und sogar intern gefordert. Durch die Verlagerung auf Leroy Sane waren Alternativen rar gesät; im Falle Philippe Coutinho war also Aktionismus das leitende Thema. Die Situation, in die sich der Deutsche Meister manövriert hat, erforderte diesen zumindest unkonventionellen Transfer, der eine ordentliche Portion Erfolgsdruck mit sich bringt. 


Philippe Coutinho ist, unter dem Strich, ein Prototyp, der jetzt schon einige Mängel aufweist. Im besten Fall verzückt dieser Fußball-Magier die ganze Liga und macht das deutsche Oberhaus wieder attraktiv, wieder glanzvoll, wieder besonders. Im wahrscheinlicheren Fall, zieht Philippe Coutinho im kommenden Sommer wieder von Dannen - ohne seinen Fußabdruck in München und in der Bundesliga hinterlassen zu haben. Und das wäre nicht nur eine Niederlage für den Deutschen Meister, sondern möglicherweise für den ganzen deutschen Fußball. Also, FC Bayern: Wehe, wenn das nicht funktioniert!