Es ist wieder einer dieser Transfersommer, in denen es sich wochenlang um einige wenige Namen dreht, die es angeblich zu transferieren gilt. Philippe Coutinho ist einer von ihnen. Dass der FC Barcelona ihn loswerden will, scheint beschlossene Sache zu sein. Wohin ihn die Katalanen abgeben werden, aber keineswegs. Ein Neymar-Tausch mit PSG und eine Leihe zu den Bayern stehen im Raum. Oder sollte der Brasilianer doch lieber bei der Blaugrana bleiben? 


Im Fußballgeschäft kann es bekanntlich schnell gehen. Im Fall des Philippe Coutinho ging es aber noch schneller. Blicken wir rund eineinhalb Jahre zurück, erinnern wir uns an ein wochenlanges Hin und Her. Unbedingt wollte der damals 25-Jährige Coutinho von Liverpool nach ​Barcelona. Zunächst blieb sein damaliger Trainer Jürgen Klopp zwar standhaft und versuchte so einiges, um den Edeltechniker nicht abgeben zu müssen. Vergebens.

Mit den überwiesenen 145 Millionen Euro an die Anfield Road ließ sich Klopp Coutinhos Abgang zwar etwas versüßen, Nüchternheit machte sich zunächst trotzdem breit. Coutinhos Ziel ist es den Henkelpott in die Luft zu strecken. Mit Liverpool sah er dies als unmöglich. Und nach seinem Abgang dachte man dort, dass es ohne ihn nicht möglich ist. Doch schon in der gleichen Saison standen die Reds schließlich im Finale, Coutinhos Barcelona nicht. Es war der Anfang einer kurzen, aber stetigen Talfahrt. Letztlich endete sie darin, dass Coutinho in diesjährigen Champions-League-Halbfinale mit Barcelona an die Anfield Road zurückkehrte, mit einem 0:4 und ohne Finaleinzug nach Hause geschickt wurde und sich kurze Zeit später auf dem Transfermarkt wiederfand.

Barcelona v Liverpool - UEFA Champions League Semi Final: First Leg

Seine Rückkehr an die Anfield Road hatte sich Coutinho sicher anders vorgestellt



Doch potentielle Abnehmer finden sich eher aus der Not heraus. Sicherlich wird er bei einem neuen Arbeitgeber nicht auf Minijob-Basis arbeiten. Seine Klasse ist trotzdem unbestritten und kann für einige Vereine von großem Vorteil sein. Vor allem, wenn Plan A zu scheitern droht. Wie beispielsweise bei den Bayern.


Sané-Ersatz an der Säbener Straße?

Dass die ​Bayern bislang einen enttäuschenden Transfersommer hatten, steht außer Frage. Eine zu hohe Transfersumme für Verteidiger Lucas Hernandéz und ein zu schwacher Kader für das Triple wird den Bayern vorgeworfen. Vor allem aber durch umstrittene Aussagen von Hoeneß, Salihamidzic und ​Kovac könnte der Transfersommer einer der peinlichsten ihrer Geschichte werden. Sportdirektor Brazzo sucht demnach händeringend um eine hochkarätige Verstärkung, vor allem da sich Wunschkandidat Sané jüngst schwer verletzte.

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In Sachen Transfers sollte man in München schleunigst handeln



In Coutinho könnte er diese gefunden haben. Offensiv variabel einsetzbar ist er nämlich: Der Brasilianer kann auf beiden Flügeln spielen, kann auf der Zehn eingesetzt werden und ist sogar ein Kandidat für die Acht. Zudem hat er durch Aufenthalte in Mailand, Liverpool und Barcelona internationale Erfahrung auf höchstem Niveau vorzuweisen, die Coutinho zu Recht das Format zum Kracher verleihen. Und vor allem könnte er damit so manchen Transfersommer retten.


In Neymar-Tausch involviert?

Unklar ist allerdings weiterhin, ob der FC Barcelona seinen Linksfuß bereits in ein Tauschgeschäft für eine Neymar-Rückkehr involviert hat. In einem wochenlangen Transferpoker in typischer Neymar-Gangart, scheint sich ein Tauschgeschäft zwischen Barca und Paris Saint-Germain herauszukristallisieren. 

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Männerfreundschaft trotz Transfer-Wirrwar: Philippe Coutinho (links) und Neymar



​Neben Coutinho tauchen immer wieder neue Namen auf: Mal war es der bereits gewechselte Malcolm, mal Umtiti, mal Semedo. Coutinhos Name scheint dabei aber beschlossene Sache zu sein. Für die Bromance zwischen ihm und Neymar wird ein solches Tauschgeschäft sicher etwas seltsam sein. Sollte Neymar aber anstatt zum FC Barcelona zu Erzfeind Real Madrid wechseln, ist das Gezerre aber ohnehin vorbei.


Kann sich Coutinho in Barcelona doch noch durchsetzen?

Auch wenn man seinen 145-Millionen-Mann schnellstmöglich abgeben will, sollte man gerade im Falle Coutinho noch etwas Zeit verstreichen lassen. Sicherlich sind die Katalanen mit Lionel Messi, Ousmane Dembélé, Antoine Griezmann und eben Coutinho auf dem Flügel überbesetzt. Außer Dembélé, wobei selbst er einst auf der Zehn spielte, kann aber jeder der genannten Akteure auch eine andere Position bekleiden. Sollte man also gemäß den Zielen der Blaugrana, längst möglich in allen wichtigen Wettbewerben um den Titel mitspielen, so bedarf dies einer hohen Rotationsrate.

Antoine Griezmann,Philippe Coutinho

Damals haben sie sich den Tabellenplatz strittig gemacht, heute den Startplatz: Philippe Coutinho und Antoine Griezmann (rechts)


Und genau diese kann sich Coutinho zu Nutze machen: Als hängende Spitze kann Coutinho Griezmann oder Messi entlasten. Auch auf der Acht kann seine Qualität immer gebraucht werden. Gemeinsam mit Sergio Busquets und Frenkie de Jong könnte er auch das Mittelfeld prägen. Ob er aber auf dem Flügel eingesetzt wird, bleibt fraglich. Sollte er das aber unbedingt wollen, wäre es Coutinho zu raten, die Allianz-Arena dem Camp Nou vorzuziehen. Der Wechsel wäre eine Win-Win-Win-Situation. Für die Bundesliga, den FC Bayern München und natürlich ihn selbst.