Leroy Sané und das unendliche Transfergerangel: der ​FC Bayern München wird diesen Sommer 2019 wohl nicht so schnell vergessen. Und vielleicht wird die diesjährige Transferperiode später einmal als ein Wendepunkt in der Historie des Klubs interpretiert werden. ​


Wenn man heute zurückblickt auf den Mai dieses Jahres (noch gar nicht so lange her), fragt man sich schon: wann genau sind die Bayern eigentlich falsch abgebogen? Als Hoeneß seine kryptische Bemerkung loslies, über die, die sie schon alle sicher hätten? Oder als sie Timo Werner, monatelanges Ziel Münchener Avancen und Offerten, einfach links liegen ließen? Nach dem Motto: 'Den haben wir ja eh schon in der Tüte.'


War es, als sie ​Leroy Sané als neuen Königstransfer auserkoren, obwohl der vielleicht gar nicht aus sich selbst heraus bereit genug für diesen Schritt war? Wie kann es sonst sein, dass der Spieler nicht ein einziges Mal öffentlich irgendwas Positives über seinen möglichen neuen Klub geäußert hat? Klingt so ein Spieler, der von der Idee, für Bayern München zu spielen, begeistert ist? 


Hitzfeld rät aktuell von Sané-Transfer ab!


In diese Kerbe schlägt jetzt auch die ehemalige Trainer-Legende der Münchener, Ottmar Hitzfeld. Im Interview mit RTL aktuell richtet Hitzfeld seine Kritik jedoch mehr auf den Spieler als auf die Bayern, sagt, dass er sich gewünscht hätte, "dass Sané ein klares Bekenntnis ausspricht und nicht alles im Raum stehen lässt". 


Da spricht sicherlich noch der alte Bayern-Trainer aus dem guten Ottmar. Denn natürlich kann man es objektiv keinem Menschen verübeln, wenn er einen bestimmten Klub nicht mag. Oder nicht so von ihm begeistert ist, dass er für ihn alles stehen und liegen lässt. Liebe und Zuneigung kann man eben nicht einfordern. Sie sind da oder sind es halt nicht. 


Was man den Bayern aber vorwerfen kann, ist genau dies nicht erkannt zu haben. Ein guter Sportdirektor muss ein Feeling haben, muss Stimmungen ausloten können, ein Gespür dafür entwickeln, ob ein bestimmter Spieler überhaupt willens ist, zum Klub zu kommen. Das hat in den vergangenen Jahrzehnten in den allermeisten Fällen auch geklappt. Doch seit letztem Jahr sind neue Gesichter für den FC Bayern unterwegs. Ein Hasan Salihamidzic muss sich weiterhin erstmal freischwimmen. Und scheint dabei noch erhebliche Probleme zu haben. Es funktioniert halt nicht so einfach, wie sich hinzustellen, als Bayern-Manager zu präsentieren und dann zu glauben, dass einem die Star-Spieler dieser Welt die Tür einrennen. 


Ottmar Hitzfeld rät den Bayern in Sachen Sané erstmal dazu, die Sache ruhen zu lassen. Ein mit einem Preisschild von 100 Millionen Euro versehener und dazu aktuell verletzter Neueinkauf könne unter den Fans schwer vermittelbar sein. Zumal man keine Garantie auf einen erfolgreichen Heilungsprozess habe. 


Andererseits scheint Sanés Verletzung, innerhalb ihres gravierenden Charakters, jetzt nicht spektakulär schlimmer als andere vergleichbare Fälle zu sein. Sané ist dazu mit 23 in einem Alter, in dem man solche Art Verletzungen auch noch besser wegsteckt als mit Ende dreißig. Ich hätte ein Vorpreschen der Bayern, in dieser neuen Situation, für recht smart gehalten. 


Matthäus glaubt an Sané-Deal


Eine andere Bayern-Ikone, Lothar Matthäus, geht auch davon aus, dass die Bayern Sané am Ende verpflichten werden, wenngleich er sich nicht auf einen konkreten Zeitpunkt festlegt. "Leroy Sané war als Königstransfer gedacht. Ich denke auch, dass die Bayern ihn noch holen werden. Die Verantwortlichen planen da langfristiger. Aus meiner Sicht wäre es auch die richtige Entscheidung. Sané hat riesiges Potenzial und würde Bayern verstärken", sagte Matthäus gegenüber dem Kölner Stadtanzeiger


Was wird mit Werner?


Doch die seit der Bekanntgabe von Sanés Verletzung gezeigten Transferaktivitäten der Bayern lassen eher den Schluss zu, dass Sané bis Winter "eingefroren" wird und sich ab sofort wieder verstärkt um die etwas vernachlässigten Transferziele aus dem Frühjahr gekümmert wird. 


So wie ​Timo Werner, mit dem die Bayern jetzt wohl wieder die Verhandlungen aufnehmen. 

Doch aus Valencia ist ein fernes Gerüchteköcheln zu hören. Falls nämlich die Ché noch ihren Starstürmer Rodrigo Moreno an Atlético Madrid verkaufen (für kolportierte 60 Millionen Euro), soll Timo Werner in der Mittelmeermetropole ganz oben auf der Alternativ-Liste stehen. Und 40 Millionen Euro (wie sie RB Leipzig fordert, der nur 25 Millionen bietende FC Bayern aber offensichtlich nicht zahlen will) sind dann keine allzu große Hürde mehr. Wenn den Bayern auch noch Werner durch die Lappen geht, geht dieser Transfersommer wirklich in die Geschichte ein.