Heute Abend wird die neue Bundesligasaison 2019/2020 eröffnet und am Samstagabend zieht ​Schalke in das erste Spiel. Im Borussia-Park trifft man auf ​Mönchengladbach und noch weiß keiner der Teams, wo sie wirklich stehen. Es könnte eine Wundertüte werden, die ich mit zitternden Fingern zu öffnen versuche.


Der Start in eine neue Saison ist immer etwas Besonderes. Besonders schön, wenn man die letzte, katastrophale Spielzeit vergessen machen kann. Besonders spannend, wenn neue Vereine, neue Spieler und neue Trainer sich zeigen können. Aber es ist auch besonders wichtig, einen guten Start hinzulegen und der muss gegen Gladbach gelingen - doch was wäre für S04 überhaupt ein "guter Start"?


Zwei neue Trainer, zwei neue Ideen - eine Wundertüte?


Zwei Mannschaften, die beide einen neuen Trainer bekommen haben, der im Vergleich zum jeweiligen Vorgänger auf eine unterschiedliche Herangehensweise setzt. Mit Marco Rose hat Gladbach den Erfolgstrainer aus Salzburg holen können. Schalke hat David Wagner verpflichtet, der zuvor in England mit Huddersfield Town das geschafft hat, was sich Niemand so wirklich erträumt hat: der Aufstieg und die Saison später sogar noch den Klassenerhalt in der Premier League.


Deshalb ist das "Top-Spiel" am Samstagabend auch eine Wundertüte. Bei beiden Teams weiß man noch nicht wirklich, wie weit sie schon in der Umsetzung der neuen Ideen sind. Man weiß auch nicht, wie mental gefestigt sie schon sind, falls sie in Rückstand geraten. Und man weiß vor allem nicht, was man zu Beginn von Schalke erwarten soll. Wäre ein Unentschieden schon ein Erfolg, den man direkt mitnehmen wollen würde? Oder sollte es doch der Auftaktsieg sein?

Mark Uth,David Wagner

Wagner im Gespräch mit Mark Uth - ein Einsatz kommt für ihn wahrscheinlich noch zu früh



Wichtig sind besonders zwei Dinge. Erstens darf man nicht in eine Negativspirale kommen, wie zum Saisonstart im letzten Jahr. Hinter mehreren Niederlagen zu Beginn rennt man die ganze Saison hinterher, egal, ob man sich danach fängt - was enorm schwierig ist - oder, wie letztes Jahr, sich nicht mehr fangen kann. Zweitens, und das gilt für die gesamte Saison: die Entwicklung hat oberste Priorität. Der Plan von und für Wagner, der auch von Sportvorstand Jochen Schneider ausgegeben wurde, ist es, eine offensive, attraktive und auf Tore ausgelegte Spielform zu installieren. Wagner ist jetzt rund sechseinhalb Wochen da - dass es noch deutlich mehr Zeit braucht, sowas vernünftig zu implementieren, als bis zum morgigen Spiel, sollte allen klar sein.


Entwicklungsschritte sind wichtig bei einem Langzeit-Projekt


Somit ist es besonders wichtig, die ersten Schritte dieser Entwicklung zu sehen. Nervös macht mich als Schalke-Fan jedes Spiel. Egal ob nun gegen Gladbach, oder vor einer Woche im Pokal gegen SV Drochtersen/Assel. Doch nun zum Start entscheiden sich viele wichtige Dinge, weshalb man schon ein paar Tage vor Anpfiff nervös wird. Der Start gibt auch vor, wie das Umfeld arbeitet, wie lange und wie intensiv Wagner und sein Team an und mit der Mannschaft arbeiten können. Es ist ein langfristiges Projekt, und ein internationaler Platz am Ende der Saison wäre schon überraschend.


Genau deswegen wäre ein erster Punkt gegen Gladbach auch nicht verkehrt. Natürlich kann Königsblau auch gewinnen, keine Frage. Gladbach ist alles andere als gefestigt durch die Vorbereitung gekommen, es hakt - wie bei S04 auch - noch an einigen Stellen. Stichwort Wundertüte. Viel wichtiger jedoch, als direkt mit einem positiven Gefühl zu starten, ist es, nicht mit einem Negativen zu starten. 


Dass einige (neue) Spieler ausfallen, trübt natürlich zusätzlich etwas die Euphorie. Benito Raman konnte erst am Dienstag wieder mittrainieren, Ozan Kabak fällt ohnehin noch länger aus, und Markus Schubert wird Ersatzkeeper sein. Einzig Jonjoe Kenny, der bislang einen überraschend guten und soliden Eindruck macht, ist fit. Deshalb muss Wagner mit der Truppe, die letztes Jahr teilweise schon an drei Pässen in Folge scheiterte, nun nach eineinhalb Monaten "seinen Fußball" umsetzen. 


Nehmt mindestens den Punkt mit, arbeitet die Woche danach in Ruhe weiter. Jede einzelne Woche Training ist eine sehr wertvolle Woche. Es gibt noch viel zu arbeiten. Bei Schalke, wie auch bei Gladbach. Selten war ich bei Wundertüten so angespannt.