​Die Anzeichen verdichten sich, dass der ​FC Bayern München mit Mario Mandzukic endlich den von Fans und Spielern lange geforderten Backup für Robert Lewandowski an der Angel haben. Aller höchste Zeit also, um die Sinnhaftigkeit einer angedachten Rückkehr des kroatischen Mittelstürmers etwas genauer unter die Lupe zu nehmen.


Ein klares Argument, dass für eine ​Verpflichtung des 33-jährigen Kroaten spricht, ist die bisherige, einem internationalen Spitzenklub regelrecht unwürdige, Abhängigkeit der Bayern von Lewandowski. Klar, der 30-jährige Pole ist eine echte Tormaschine und wäre wohl bei fast jedem anderen Verein auch absolut gesetzt. Dass man den Angreifer aber bislang nicht einmal nominell ersetzen konnte, ist regelrecht abenteuerlich.

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Auch Lewandowski selbst hatte zuletzt wiederholt Verstärkungen gefordert



So ist selbst ​Sommer-Neuzugang Jann-Fiete Arp im Kader der Münchner zwar als Mittelstürmer gelistet, der flinke Youngster wurde von Cheftrainer Niko Kovac aber vor allem auf den Außenbahnen eingesetzt. Auch Thomas Müller und Serge Gnabry können, wenn es unbedingt sein muss, zwar in die Rolle eines Mittelstürmers schlüpfen, wirklich prädestiniert sind beide schon allein wegen ihrer Statur für diesen Posten aber nicht.


So konnten sich die Verantwortlichen des deutschen Rekordmeisters in den vergangenen Jahren vor allem bei dem Körper von Lewandowski bedanken, der kaum Verschnaufspausen verlangte. Da selbst am komplett austrainierten Torjäger aber über kurz oder lang der Zahn der Zeit nagen wird, müssen dem Torschützenkönig der vergangenen Saison mehr Auszeiten eingeräumt werden. Mit Mandzukic stünde hierfür nun endlich der ideale Ersatzmann parat.


Erfahrenes Mentalitätsmonster 


Mandzukic hat mit seinen 33 Jahren zwar noch mehr Spiele auf dem Buckel, bislang war aber auch der 1,90-Meter-Schlaks in seiner bisherigen Karriere, sieht man von der vergangenen Spielzeit einmal ab, nicht für seine große Verletzungsanfälligkeit bekannt und würde dem Offensivspiel der Bayern durch seine kompromisslose Gangart noch mehr Durchschlagskraft verleihen.


Ein nicht zu unterschätzender Pluspunkt des kroatischen Nationalspielers ist zudem sein unbändiger Siegeswille. Der letzte Champion-League-Titel der Bayern in der Saison 2012/13 hatte nicht zufällig in gehörigem Maße mit der Mentalität des Rechtsfußes zu tun, dem auch im Finalkracher gegen den BVB der 1:0-Führungstreffer gelungen war.

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Mit den Bayern feierte Mandzukic seinen bislang größten Erfolg



Beliebt hat sich der mit allen Wassern gewaschene Mandzukic bei seinen Gegenspielern zwar nie gemacht, nicht wenige Experten, darunter auch Ex-Profis wie Stefan Effenberg vermuten aber, dass diese Art des Spiels in machen Situationen nötig ist, um schlussendlich erfolgreich sein zu können.


Jede Menge internationale Erfahrung


Bei Pep Guardiola waren Spieler wie Mandzukic aber noch nie hoch im Kurs und daher wurde der Kroate nach Amtsübernahme des spanischen Startrainers im Sommer 2014 an Atletico Madrid abgegeben. In der spanischen Hauptstadt und zuletzt bei Juventus Turin konnte der Mittelstürmer aber weiter eifrig Erfahrungen sammeln und ist mittlerweile ein weitaus variablerer Spieler.


So wurde er bei der alten Dame längst nicht immer im Sturmzentrum eingesetzt, sondern wusste auch auf der Außenbahn zu überzeugen. Dabei bewies der Routinier oft ein gutes Auge für seinen Nebenmann und wirke längst nicht mehr so eigensinnig, wie noch in früheren Tagen. Egoismen könnte er sich unter seinem womöglich baldigen ​Trainer Niko Kovac ohnehin nicht leisten. Die beiden Landsmänner arbeiteten aber bereits in der kroatischen Nationalmannschaft erfolgreich zusammen und funken offensichtlich auf einer Wellenlänge.


Kein Ausrufezeichen an die Konkurrenz


Rein sportlich würde der Transfer von Mandzukic unterm Strich also absolut Sinn machen. Fragen kommen lediglich auf, wenn man die Außenwirkung der Bayern betrachtet. Nach dem ewigen Hin und Her um Leroy Sane, erscheint Mandzukic definitiv wie ein Griff ins allenfalls zweitoberste Regal. Ein klares Zeichen an die internationalen Großmächte des europäischen Fußballs ​sieht mit Sicherheit anders aus.


Das Spielerprofil von Mario Mandzukic:

​Position​MS
​Alter​33
​Markwert​18 Mio. Euro
​Bayern-Spiele​88
​Bayern-Tore​48
​Spiele insgesamt​476
​Tore insgesamt​188

(Marktwert laut transfermarkt.de)


Auch wenn man die Hoffnung auf einen Kaderumbruch zur Grundlage nimmt, mutet die Verpflichtung eines 33-Jährigen, nicht wirklich zukunftsträchtig aus. Da der Mittelstürmer die Abläufe in der Bundesliga und auch beim Rekordmeister sehr gut kennt, könnte er im Gegensatz zu so manchem Superstar aber ohne große Eingewöhnungsphase schnell seinen Mann stehen. Die Suche nach einem neuen Aushängeschild für die Offensive müsste somit zwar weiter vertagt werden, Mandzukic als reinen Platzhalter zu bezeichnen, wäre aber ungerecht.