Alexander Nübel ist auf ​Schalke momentan die Person, die am meisten polarisiert. Der junge Torhüter, der jetzt noch Kapitän wurde, steht vor einer wichtigen Entscheidung für seine Zukunft: Neuer Vertrag auf Schalke, oder ablösefreier Wechsel im Sommer? Er sagt, er braucht noch etwas Zeit.


Alexander Nübel ist seit letztem Winter die Nummer-Eins im Schalker Tor, dazu seit diesem Sommer Kapitän. Beides öffentlich umstritten, weil er das Angebot zur Vertragsverlängerung über 2020 hinaus noch nicht angenommen, aber auch noch nicht abgelehnt hat. ​Eine ungewisse Zukunft und das Kapitäns-Amt für den Spieler, der Fan-Liebling Ralf Fährmann verdrängt hat - das stößt manchem Fa​n bitter auf.


Im Interview mit dem kicker spricht Nübel über die potenzielle Vertragsverlängerung, über Jochen Schneider und über die ihm zugeteilte Binde am Arm und den Start in die Bundesliga.


"Ich muss eine Entscheidung mit großer Tragweite treffen"


"Sie haben mir gesagt, dass sie glauben, dass ich das Amt gut ausfüllen kann und sie hoffen natürlich, dass ich schnell zeige, dass ich dieser Ehre gewachsen bin", sagte Alex Nübel zur Reaktion seiner Eltern über die ihm zugeteilte Aufgabe des Kapitäns. Er selbst habe auch "Bock drauf", wenn auch etwas Ehrfurcht dabei ist, überwiege die Vorfreude eindeutig. Als Typ wolle er sich deshalb jedoch nicht verändern, er bleibe lieber gelassen und besonnen.


Vor einigen Tagen sorgte das "Aufweichen" der selbst gesetzten Frist seitens Sportvorstand  Jochen Schneider und Nübel, die Gespräche vor Bundesligastart zu vollenden, für etwas Unruhe. "Ich habe da keinen Zeitplan", gab der Torhüter zu. "Ich bin noch jung und muss eine Entscheidung mit großer Tragweite treffen, daher bin ich dankbar, dass Schalke mir die Zeit gewährt." Es gehe primär um die von ihm benötigte Zeit, nicht um das ihm vorliegende Angebot.

Alexander Nuebel

Das erste Pflichtspiel der Saison war ein Erfolg: Der 0:5-Sieg gegen SV Drochtersen/Assel



Ein wichtiger Aspekt heutzutage, wenn es um Verträge im Profifußball geht, sind die Ausstiegsklauseln. Sollte Nübel den Vertrag verlängern, ist es wahrscheinlich, dass auch er eine besitzt, sprich: Eine Möglichkeit, den Verein "einfacher" zu verlassen. "Ohne Klauseln hat ein Verein über alles die Oberhand, Spieler sind relativ machtlos", so der gebürtige Paderborner. "Dem Spieler fehlt die Absicherung. Das kann vor allem dann zum Problem für ihn werden, wenn sich die Zeiten plötzlich ändern und der Verein ihn nicht mehr will." 


So müsse man für beide Seiten im Angesicht einer solchen Klausel Verständnis aufbringen. Schon nach diesen Worten kann man davon ausgehen, dass eine derartige Klausel im Vertrag eine Art Mindestanforderung für ihn sein wird, um sich eine Verlängerung überhaupt vorstellen zu können.


Lob für Jochen Schneider: "Offener und vertrauensvoller Austausch"


Viel Lob hat er indes für Jochen Schneider übrig. Er sei "nah an der Mannschaft", was Nübel als "überaus gut" empfindet. Er schätzt ihn auch für den "offenen und vertrauensvollen Austausch". Des Weiteren hätte er vermutlich im Herbst 2018 "ohne Weiteres" auf Schalke verlängern wollen, gab er zu. Dabei gehe es jedoch nicht um Christian Heidel, betonte er. Über den im Winter geplatzten Wechsel zum FC Augsburg sei er kurzzeitig etwas enttäuscht gewesen, doch im Endeffekt ist es für ihn gut gelaufen, sagt er. Kurz danach wurde er zur Nummer Eins, was ihn durch die Einsatzzeiten auch zur U21-EM brachte.


Zum Bundesliga-Start müssen die Schalker nicht weit fahren, es geht in den Borussia-Park nach Mönchengladbach - eine Art Angstgegner für Königsblau. "Ich sehe uns gerüstet. Natürlich ist vieles neu, und wir werden noch Zeit benötigen, bis uns alles in Fleisch und Blut übergegangen ist. Aber ich glaube, dass das für die Gladbacher nicht viel anders ist. Auch sie haben einen neuen Trainer, auch sie verfolgen nun eine veränderte Philosophie, auch da kann noch nicht alles reibungslos funktionieren."



Alexander Nübel für S04 in der Bundesliga

Absolvierte Spiele​20 absolvierte Spiele
Spiele ohne Gegentor​7 Spiele ohne Gegentor
Saison 18/19​18 Spiele - 5 ohne Gegentor - 29 Gegentore 


Später würde Nübel natürlich auch gerne in der A-Nationalelf als Torwart spielen, wie er bereits in einem vorigen Interview zugab. Doch noch sieht er seine Chancen eher begrenzt: "Ich war bisher U21-Torwart und würde mich über eine Einladung zur A-Nationalmannschaft freuen, aber Deutschland hat einfach viele gute Torhüter. Neben Manuel (Neuer) würde ich da ganz klar auch Marc-André ter Stegen nennen." 


Wie lange es nun noch dauern wird, bis man zu einem Ergebnis in der Frage - Verlängerung, oder ablösefreier Wechsel - kommt, scheint offen. Allzu lange sollte es jedoch nicht mehr dauern, damit sich die Verantwortlichen schonmal einen Plan überlegen können, wie es nach Nübel im Tor weitergeht: Mit Neuzugang Markus Schubert, und Ralf Fährmann, der zurückkehrt?