In der Abwehr des ​FC Bayern München herrschte zuletzt ein reges Kommen und Gehen. Auf der Seite der Abgänge wurde dabei nicht wie zuvor erwartet Jerome Boateng, sondern Mats Hummels eingetragen. Noch ist zwar nicht endgültig klar, ob der Ex-Nationalspieler den Bayern wirklich erhalten bleibt, einige Entwicklungen der letzten Wochen deuten jedoch eindeutig auf einen Verbleib des Innenverteidigers.​


Vor genau einem Jahr hatte Boateng noch mit Nachdruck auf einen Wechsel zu Paris Saint-Germain gedrängt. Schlussendlich konnten die Münchner und der Spitzenklub aus Frankreich aber keine zufriedenstellende Lösung finden und so musste der Innenverteidiger notgedrungen an der Säbener Straße bleiben. Obwohl sich anfangs sein neuer Coach Niko Kovac für dessen Verbleib ausgesprochen hatte, spielte der 76-fache deutsche Nationalspieler unter dem Ex-Frankfurter in der Folge kaum eine Rolle.

Niko Kovac,Jerome Boateng

Boateng und Kovac funkten häufig auf unterschiedlichen Wellenlängen



Insgesamt brachte es Boateng im ersten Kovac-Jahr zwar auf immerhin 24 Pflichtspieleinsätze, in den wichtigen Partien im Saisonendspurt war der gebürtige Berliner aber nicht die erste Wahl und musste die Erfolge der Münchner von der Bank aus mitverfolgen. Wirkliche Siegesfreude wollte bei dem einstigen Abwehrgiganten daher nicht wirklich aufkommen und so wirkte er bei den Meisterfeierlichkeiten extrem entrückt und geradezu desinteressiert. 


Boateng sieht eigene Fehler ein


Selbstverständlich kam diese öffentlich zur Schau gestellte Lustlosigkeit nicht nur bei den Bayern-Offiziellen, sondern vor allem auch bei den Anhängern des Rekordmeisters alles andere als gut an. Getreu dem Motto "Einsicht ist der erste Schritt zur Besserung" hat auch Boateng mittlerweile seinen Fehler eingesehen und sich unlängst in einem Interview in der BILD ​für sein Fehlverhalten entschuldigt.


Die Gründe für diesen Stimmungswechsel sind dabei mannigfaltig. So ist es schlichtweg ein Fakt, dass sich der Verteidiger durch seine wenig überzeugenden Leistungen im vergangenen Jahr selbst ein Stück weit ins Abseits gedribbelt hat​. Obwohl ganz Europa in diesem Sommer Bescheid wusste, dass die Bayern dieses Mal bei einem halbwegs akzeptablen Angebot ihrem wechselfreudigen Abwehrspieler keine Steine in den Weg legen würden,​ blieben lukrative Bewerbungen aus


Hummels-Abgang als neue Chance


Durch den Abgang von Mats Hummels in Richtung BVB werden die Karten in der Innenverteidigung der Münchner derzeit neu gemischt. Gesetzt ist dabei weiterhin ​Abwehrchef Niklas Süle. Auch Neuzugang Lucas Hernandez ist über kurz oder lang sicher in der Pole-Position um einen Posten im Abwehrzentrum. Noch befindet sich der 80-Millionen-Mann nach seiner schweren Knieverletzung aber im Aufbau und muss sich auch nach seiner Gesundheit erst sukzessive an die Abläufe bei den Bayern gewöhnen,

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Lucas Hernandez kommt erst jetzt langsam beim FC Bayern an



Ähnliches gilt für seinen Weltmeisterkollegen ​Benjamin Pavard, dem nach seinem Wechsel vom VfB Stuttgart noch das eine oder andere Anpassungsproblem anzumerken ist. Das Tor in Richtung Startaufstellung ist für Boateng also plötzlich weit offen. Dabei profitiert der Rechtsfuß aber nicht nur von den äußeren Umständen, sondern zeigte sich zuletzt dem Vernehmen nach endlich wieder wie ein Spieler, der auf Einsätze brennt.


Anstatt nur das Nötigste zu machen, wird Boateng im reifen Fußballeralter von 30 Jahren derzeit wieder zu einem echten Musterprofi und haut sich bei jeder Trainingseinheit voll rein. Betrachtet man dabei die Übungseinheiten der Münchner, ist auffällig, wie viel Spaß Boateng wieder an der Ausübung seines Jobs zu haben scheint. 


Rückendeckung vom Trainerstab


Niko Kovac, seines Zeichens ein Verfechter von Kampfgeist und Einsatzwille, ist der Mentalitätswechsel seines Abwehrspielers nicht verborgen geblieben. Sowohl beim Audi-Cup als auch im Supercup stand Boateng daher jeweils über die komplette Distanz auf dem Rasen und konnte dabei zumindest phasenweise mit seinen Qualitäten im Aufbauspiel glänzen.


Das Spielerprofil von Jerome Boateng

Position​​IV
​Alter​30
​Nationalitätdeutsch​
​FCB-Spiele​287
​Marktwert​20 Mio. Euro
Vertragslaufzeit​30.06.2021

Auch der neue Co-Trainer Hansi Flick, der einst mit Boateng in der deutschen Nationalmannschaft bereits erfolgreich zusammengearbeitet hat, outete sich vor kurzem als echter Fan des Abwehrhünen und bezeichnete ihn laut Sport1 gar als einen der "besten Innenverteidiger". 


Ob Boateng sich durch seine Anstrengungen insgeheim erhofft, womöglich doch noch auf dem Wunschzettel eines internationalen Schwergewichts zu landen, oder nicht, ist eher sekundär. Wichtig ist vielmehr, dass wieder alle Spieler an Bord an einem Strang ziehen. Die Konkurrenz - so viel ist nach der Supercup-Niederlage klar - schläft schließlich nicht.