​Er lernte den Fußball bei einem der ganz Großen. Unter Johan Cruyff, dem Macher des Dream Teams, sog Pep Guardiola (48) schon in zartem Alter die Feinheiten des Spiels auf, schwang sich trotz seiner Jugend schnell zum verlängerten Arm des Coaches auf dem Platz auf. Jener Barça-Stil der Neunziger Jahre sollte für Guardiola die Blaupause für seine späteren Trainertätigkeiten werden. 


Nachfolger Rijkaards


Als Trainer begann er ebenfalls beim ​FC Barcelona, für den er als Aktiver von 1990 bis 2001 insgesamt 263 Spiele absolviert hat. Von 2007 bis 2008 betreute Guardiola die zweite Mannschaft der Katalanen, wurde dann, nach dem Weggang des bisherigen Cheftrainers Frank Rijkaard, zu dessen Nachfolger. 


Einfach hat es sich Guardiola sicher nicht gemacht. Bei seinem Dienstantritt zitierte er erstmal die damaligen Platzhirsche Deco, Ronaldinho und Eto'o zu sich - um ihnen unmissverständlich mitzuteilen, dass sie sich neue Vereine suchen können. Deco und Ronaldinho ließen sich das nicht zweimal sagen und verließen den Klub. Eto'o blieb noch eine Saison und wechselte im Sommer 2009 zu Inter Mailand. 


Um das Ganze einordnen zu können: Es wäre in etwa so, als würde Niko Kovac Thomas Müller, Joshua Kimmich und Robert Lewandowski vor die Tür setzen. Riskant? Sicherlich, aber man muss die Hintergründe kennen. Und die maßen 1,65 Meter, waren zarte siebzehn Jahre alt und kamen aus Argentinien: ​Lionel "Leo" Messi. Bei Barça hatte man längst das infinite Potential dieses Wunderkindes erkannt. Um ihn herum, das war der Plan, sollte Guardiola eine neue Mannschaft aufbauen. 


Da man die Eskapaden von Ronaldinho und seiner Clique (zu der eben auch Deco und Eto'o gehörten) kannte, befürchtete man einen schlechten Einfluss auf den jungen Argentinier. Also weg mit den Partylöwen, auch wenn sie über Jahre für Spektakel, Tore und Titel gesorgt hatten. 


Für die Planstelle des exzentrischen Kameruners hatte man schon ein Jahr zuvor den weitaus pflegeleichteren, wenngleich auch nicht ganz einfachen Thierry Henry vom FC Arsenal geholt. Für Decos Position auf der zentralen defensiven Mittelfeldposition sah Guardiola auf Dauer Xavi Hernández vor und das Fehlen eines Ronaldinho würde vom Rest des Teams kompensiert werden - und eben von dem durchstartenden Lionel Messi. 


Tiki-Taka in Vollendung!


Der Plan ging auf. 


Und Peps Start in seine professionelle Trainer-Karriere hätte gar nicht besser verlaufen können: In seiner ersten Spielzeit als Hauptverantwortlicher holte Guardiola das Triple. Meisterschaft, Pokal und Champions League - mehr geht nicht. Und das als Neuling. Mehr geht nicht? Doch! 


Da nämlich noch der europäische und der nationale Supercup sowie die Klub-WM hinzukamen, konnte sich Guardiola Ende 2009 rühmen, der erste Trainer der Fußballgeschichte zu sein, der mit einem Team in einem Jahr sechs (!) Titel holen konnte. Bis heute unerreicht. Natürlich darf dabei nicht übersehen werden, dass ihm auch ein Star-Ensemble mit einigen der besten Fußballer ihrer Zeit zur Verfügung stand. Allen voran erwähnter Lionel Messi, der vier Jahre zuvor unter Rijkaard sein Debüt bei den Azulgrana gegeben hatte. 


Dennoch kann man Guardiola die Meriten nicht abstreiten. Er modifizierte den auf Ballkontrolle basierenden Stil des Klubs, wurde zum Entwickler des Tiki-Taka, des schnellen, direkten Kurzpassspiels, mit dem Spaniens Nationaltrainer Vicente del Bosque die "Furia roja"  schon seit einigen Jahren spielen ließ.


Spanien, Deutschland, England - Pep überall mit Erfolg!


Nach insgesamt 14 Titeln in fünf Jahren mit dem FC Barcelona heuerte Guardiola im Jahr 2013 beim FC Bayern München an. In Deutschland schlug Guardiolas Verpflichtung wie eine Bombe ein. Der FC Bayern befand sich auf einmal auf Augenhöhe mit den schon als enteilt angesehenen Großvereinen Europas. Ihre nationale Dominanz wurde unter Guardiola geradezu erdrückend. 


Mit dem Spanier auf der Kommandobrücke beschrieb der ​FC Bayern einsam seine Kreise an Deutschlands Spitze, wurde dreimal in Folge Deutscher Meister. Kein Konkurrent war in der Lage, die Münchener Hegemonie zu brechen. Guardiola, selbst ein Fan der verbalen Exaltation (sein Lieblingswort in der neu erlernten Sprache war "Super", bisweilen auch in doppelter Ausfuhr: "Super-super") wurde zum Trainer-Superstar der Bundesliga. 


Doch auf internationaler Ebene sollte er seine Meister finden - und zwar ausgerechnet in den Vereinen seines Heimatlandes. Dreimal in Folge scheiterte der FC Bayern vorzeitig in der Königsklasse - dreimal an spanischen Klubs. 2014 war Real Madrid über zwei Spiele zu stark (oder zu clever), 2015 sein Ex-Verein FC Barcelona. 2016 schließlich scheiterten die Bayern an Atlético Madrid. 


Im selben Jahr erlag Guardiola den Lockrufen aus der Premier League und unterschrieb bei Manchester City einen Dreijahresvertrag. Und natürlich hatte Pep auch in England Erfolg. Zwar wieder bei einem Klub auf allerhöchstem Niveau, aber andere Trainer vor ihm hatten dort weniger Erfolg. In seiner ersten Saison in Nordengland ging Guardiola zwar noch leer aus, holte in den folgenden beiden Spielzeiten aber jeweils den Meistertitel. Im vergangenen Jahr mit der Rekordpunkteausbeute von 98 Punkten. Eben auch hier: super-super!