Am heutigen Dienstag tagt der ​S04-Ehrenrat. Er wird darüber entscheiden, ob Clemens Tönnies nach seinen rassistischen Äußerungen sein Amt als Vorsitzender des Aufsichtsrats räumen muss, oder ob er bleiben kann und eine weitere Entschuldigung genügt. In den sozialen Netzwerken ist die Meinung gespalten - was wäre, wenn Tönnies im Amt bleiben darf?


Um auf diese Frage "Was wäre, wenn..." zu antworten, muss man die jeweiligen Resultate daraus etwas auseinanderdividieren. Zum einen würde ein ​Verbleib im Amt bei vielen Anhängern der Schalker, also von privaten, einzelnen Leuten, eine Reaktion hervorrufen. Gleiches gilt nochmal für die gesamte Öffentlichkeit, die Gesellschaft, sowie Sponsoren und Geldgeber für Schalke. 


Verschiedene Meinungen im Fanlager


Die Meinungen und Ansätze zur sprachlichen Entgleisung, die zur Folge hatte, dass ganz Afrika ("die Afrikaner") mal eben über einen Kamm geschoren wurde, sind gespalten. Es ist sogar ein Unterschied zwischen den Plattformen Twitter und Facebook zu bemerken, wenn man sich Beiträge von und über S04 anguckt. Während man bei Twitter (subjektiv) eine große Mehrheit hat, die sich Konsequenzen wünschen und Tönnies nicht mehr als Aufsichtsrats-Chef dulden wollen, gibt es bei Facebook vor allem viele Verteidiger der Worte. 


Doch es ist wichtig, hier noch einmal ganz deutlich zu betonen: Tönnies hat nicht nur die hohe Geburtenrate in Afrika angesprochen; politisch gesehen wäre das ein legitimes Thema gewesen. Was er jedoch getan hat, ist, dass er ganz Afrika, und damit rund 1,2 Milliarden Menschen, unterstellt hat, sie hätten keinen Strom und würden nur Kinder produzieren, dazu alle Bäume fällen. Das zeichnet ein verallgemeinerndes Bild für über eine Milliarde Menschen und einen riesigen Kontinent. 

Clemens Tonnies

Tönnies bei der Ehrung für die ehemaligen Bergleute der Zechen



Daher hätte ein Verbleib an der Spitze zur Folge, dass viele Schalke-Mitglieder ihre Mitgliedschaft kündigen werden. Das haben viele Fans online bereits angekündigt. Sie wollen nicht mehr von Tönnies vertreten werden und möchten auch diese potenzielle Entscheidung des Ehrenrats nicht akzeptieren. Es müsse eine Grenze geben, unter der man sich nur wegen einer mächtigen Position nicht wegducken dürfe, sagen viele. 


Die S04-Ultras, die ohnehin in großen Teilen gegen Tönnies sind, auch schon vor der letzten Woche, wären zudem noch mehr frustriert. Es könnte im schlimmsten Fall zu Beginn der Saison ein Bruch zwischen Club und Ultras drohen - etwas, was man beim nun geplanten Neustart überhaupt nicht gebrauchen kann. Man müsste zusammenhalten und zusammen wieder langfristig Erfolg haben. Auch hier würde ein Verbleib große Risse ins Fundament jagen.


Auch Sponsoren-Deals hängen an der Entscheidung


Ein ebenfalls enorm wichtiger Aspekt sind potenzielle Sponsoren. Dass Schalke finanziell nicht unbedingt mit Geld um sich schmeißen kann, sollte jedem klar sein. Natürlich ist Tönnies (bisher) auch eine wichtige Figur für einige Deals gewesen. Gazprom hängt stark mit ihm zusammen, da er ein guter Freund von Wladimir Putin ist, mit dem er sich ab und zu auch trifft. Dieser Sponsoren-Deal bringt Schalke viel Geld ein. 


So könnte man sich vermutlich weiterhin auf Gazprom verlassen, doch es gibt eben auch zahlreiche weitere Sponsoren. Wenn ein Verein durch den (quasi) Chef ein solches Bild bekommt, können einige Partner abspringen oder potenzielle Geschäfte für die Zukunft platzen. Einige Firmen würden sehr wahrscheinlich nicht (mehr) wollen, dass ihr Name mit Schalke und Tönnies in Verbindung gebracht wird. Das hätte auch finanziellen Schaden für den Club. 


Und natürlich wäre auch das Ansehen des Vereins geschädigt. International war man eigentlich für die große, emotionale Fanszene bekannt. Man war für viele Fußball-Fans in Europa auch der Verein, wo Legenden des Sports wie Raúl, Klaas-Jan Huntelaar und Manuel Neuer spielten. Schon in den letzten Tagen konnte man beobachten, wie die Äußerungen auch in internationalen Medien die Runde machten. Das zeichnet ein sehr schlechtes Bild von S04, was sich durch eine Duldung solcher Ereignisse sicherlich nicht verbessern würde. 

Negative Folgen an mehreren Stellen - ein Urteil muss man sich selbst bilden


Man merkt schnell: eine Duldung und ein Verbleib im Amt hätte an mehreren Stellen des Vereins negative Auswirkungen. Und natürlich nicht nur für den Verein an sich, sondern auch allgemein, wenn derartige Äußerungen keine Konsequenzen nachsichziehen. Klar: es könnte auch positive Aspekte eines Verbleibs geben, wie der dann vermutlich nicht bröckelnde Gazprom-Deal. Doch muss man für sich selbst überlegen, was einem persönlich wichtiger erscheint. 


So oder so, die Entscheidung des Ehrenrats wird Folgen haben, egal wie sie entscheiden. Die weiteren Entwicklungen sind "spannend" und man darf gespannt sein, wie und was bestimmt wird, und wie die Fanszene des S04 reagiert.