Der FC Bayern München steht übereinstimmenden Medienberichten zufolge kurz vor der Verpflichtung von Leroy Sané. Der Nationalspieler wird die Offensive des Rekordmeisters immens verstärken, doch die gestrige Niederlage im Supercup hat offenbart: ​Ein Neuzugang allein reicht noch nicht aus. Gerade im Mittelfeld benötigt die Mannschaft von Niko Kovac einen defensiven Anker, weshalb Sportdirektor Hasan Salihamidzic bei der Personalie Marc Roca nicht zögern sollte.

​Mit Lucas Hernández, Serge Gnabry und Javi Martinez fehlte zwar ein Trio in Dortmund, dennoch ließ die Ersatzbank des FC Bayern am Samstagabend zu Wünschen übrig. Neben den beiden Ersatztorhütern Sven Ulreich und Ron-Thorben Hoffmann nahmen lediglich Benjamin Pavard, Renato Sanches, Alphonso Davies, Ryan Johansson, Sarpreet Singh und Jann-Fiete Arp Platz.

​Johansson spielt derzeit für die U19, Singh ist für die U23 eingeplant, besitzt aber auch perspektivisch einen Platz in der ersten Mannschaft. Während der Vorbereitung ist es nicht unüblich, Nachwuchstalente Profi-Luft schnuppern zu lassen, doch zwei Wochen vor Saisonstart ist der Kader des FC Bayern noch zu dünn, um in allen drei Wettbewerben wirklich um den Titel mitspielen zu können.

Robert Lewandowski

   In Sachen Transfers ist Robert Lewandowski das größte Sprachrohr der Mannschaft. Der Stürmer fordert seit langem Neuzugänge.


Robert Lewandowski, der seit Saisonende vehement Neuzugänge fordert, schlug am Samstagabend wieder einmal Alarm (via Sport Bild): "Heute war genau der richtige Zeitpunkt, an dem man sehen konnte, was passiert, wenn wir eine bestimmte Anzahl an Profispielern haben", monierte der polnische Torjäger, dessen Vertragsverlängerung zuletzt ins Stocken geriet. Spielern wie Davies, Johansson oder Singh wollte er Talent und Potenzial nicht absprechen, doch "manchmal braucht man einfach Spieler auf der Bank, die sofort helfen können oder der Mannschaft einen Impuls geben können."


Große Lücken gegen den BVB


Mittlerweile ist die Hoffnung auf einen Transfer von Leroy Sané groß, aber neben einem weiteren Flügelspieler, der durchaus noch verpflichtet werden könnte, dürfte nach der gestrigen Partie auch das Mittelfeld in den Fokus rücken. Im neuen 4-3-3 vertraute Niko Kovac auf Thiago als Sechser, davor begannen Corentin Tolisso und Leon Goretzka auf der Acht. 

Die Zentrale war bei Umschaltsituationen des BVB das große Problem. Das Mittelfeld ließ sich viel zu einfach überspielen, immer wieder musste Jerome Boateng vorrücken, um die Lücken so gut es ging zu schließen. Zusätzlich haderte Kovac auf der Pressekonferenz nach dem Spiel mit den "zu leichten Ballverlusten", aus denen beide Gegentore resultierten.


Heißt die Lösung Marc Roca? 


​Thiago auf der Sechs - dass dieser Plan funktioniert, hat der spanische Taktgeber oft genug bewiesen. Der 28-Jährige scheut sich keineswegs vor Zweikämpfen und Grätschen, wäre aufgrund seiner spielerischen Stärken aber dennoch besser auf der Achter-Position geeignet. Umso wichtiger ist es, einen weiteren Sechser zu finden. Wunschkandidat Rodrigo ist mittlerweile bei Manchester City, als Alternative gilt Marc Roca; Noch verweilt der spanische U21-Europameister aber bei Espanyol Barcelona.

Thiago Alcantara

  Trotz seiner dazu gewonnenen körperlichen Note ist Thiago in einer vorgezogenen Position besser aufgehoben.


Medienberichten zufolge sollen sich die Münchner mit dem 22-Jährigen bereits einig sein, Knackpunkt sei die festgeschriebene Ablösesumme über 40 Millionen Euro. Über den Preis wolle man angeblich verhandeln, ein in spanischen Medien genanntes Angebot über 18 Millionen Euro dementierte Karl-Heinz Rummenigge Ende Juli (via Sportbuzzer): "Ich glaube nicht, dass wir ein Angebot abgegeben haben. Es gab keinen Kontakt und keine Verhandlungen mit dem Klub."

Der Vorstandsvorsitzende erklärte vor der Abreise nach Dortmund, er erlebe "den entspanntesten Sommer, seit ich bei Bayern bin", dabei wirken die vergangenen Wochen und Monate eher wie ein Fiasko. Spätestens seit gestern ist klar, dass die Bayern nicht nur Sané brauchen, sondern auch Roca.


Lenker und Abräumer


Dieser ist die Rolle im defensiven Mittelfeld gewohnt, körperlich robuster als Thiago und spielerisch stark. Nicht wenige erinnert er vom spielerischen Aspekt her an Xabi Alonso, der von 2014 bis 2017 das Herzstück im Mittelfeld des Rekordmeisters bildete. Roca ist ein Lenker, der zudem der Abwehrreihe den Rücken freihält. Er verbindet die defensiven Eigenschaften von Javi Martinez mit den offensiven Eigenschaften von Thiago, würde daher perfekt in das Mittelfeld der Bayern passen.

Xabi Alonso

   Noch heute wird Xabi Alonso in München verehrt, besonders von Karl-Heinz Rummenigge.


Durch eine Verpflichtung könnte Thiago vorrücken, neben Tolisso auf der Acht beginnen und im letzten Drittel für mächtig Gefahr sorgen, während Roca das Spiel aus der Tiefe aufzieht und gleichzeitig für die Konterabsicherung zuständig ist. Unabhängig von der Ablösesumme sollten die Verantwortlichen alles daran setzen, ihn unter Vertrag zu nehmen, denn derzeit scheint es nicht so, als gäbe es einen vergleichbaren Spieler mit ähnlichem Potenzial.