Die letzten beiden Testspiele vor dem Auftakt in die Pflichtspiele der neuen Saison hat ​Schalke 04 gut bestanden. Am Mittag besiegte eine B-Elf die türkische Mannschaft Alanyaspor, während man Abends mit einer startplatz-reifen Mannschaft auch gegen den FC Villareal gewinnen konnte.


Eine gute Generalprobe kann viel wert sein. Die Schalker können dank der beiden Siege am heutigen Freitag das Trainingslager im österreichischen Mittersill mit einem positiven Gefühl beenden und in die letzte Woche der Vorbereitung starten - dann wieder auf heimischem Ruhrpott-Grün in Gelsenkirchen. 


Erstes Spiel mit B-Elf und einer handvoll Profi-Spielern


​Um 14 Uhr begann die Partie gegen Alanyaspor. Trainer David Wagner schickte eine B-Elf auf den Platz, dazu Torwart-Neuzugang Markus Schubert, Ahmed Kutucu, die wieder genesenen Daniel Caligiuri und Mark Uth (eingewechselt), sowie Steven Skrzybski und Weston McKennie. Insgesamt ein eher zähes Spiel, was jedoch die eine oder andere Torchance bot, und das auf beiden Seiten. 


Die zwei Testspiele an einem Tag waren dafür gedacht, damit zum Abschluss nochmal jeder mit- und nachgereiste Spieler genug Einsatzzeit erhält. Das nutze Wagner auch, wechselte häufiger durch. Steven Skrzybski nutzte eine Gelegenheit durch Vorbereitung Caligiuris in der 18. Minute aus und konnte die 1:0-Führung erzielen. Zuvor war jedoch der Gegner Alanyaspor gefährlicher aufgetreten, sodass Schubert des Öfteren aktiv werden musste.


Im Verlauf des Spiels ergaben sich weitere Chancen für den Gegner aus der Türkei. Vor allem war es dem Unglück von Stürmer Papiss Demba Cissé zu verdanken, dass man zu Null spielen konnte. Kutucu und Fabian Reese waren offensiv oft wichtige Aktivposten, so auch beim 2:0 für S04. Durch einen schön herausgespielten Umschaltmoment konnte Kutucu für Reese auflegen, der locker die Führung ausbaute. Am Ende ein verdienter, aber nicht ungefährdeter Sieg für Schalke im ersten Spiel des Tages. 


Erfolgreiches Testen gegen Villareal - Harit wirkt wie ausgewechselt


Deutlich interessanter war natürlich das Spiel am Abend. Mit einer Startelf, die potenziell auch eine Elf für die Pflichtspiele sein könnte, ging es gegen den spanischen Erstligisten Villareal. 


Nachdem Benito Raman zu Beginn der Woche noch aussetzen musste, konnte er nach den letzten Trainingstagen auch heute wieder spielen. Schalke startete zunächst eher passiv und wartete ab, bis man an der Mittellinie den Ball erobern konnte, vermutlich, damit man die Schwerpunkte der letzten Trainingseinheiten - nämlich das schnelle Umschalten bei Ballgewinn - im Spiel testen konnte. So agierten die vier Offensivspieler noch nicht allzu hoch, sondern ließen sich bei gegnerischem Ballbesitz etwas fallen, um zusammen mit der Doppelsechs aus Suat Serdar und Omar Mascarell dann Druck machen zu können. 


In der 22. Minute hatte diese Herangehensweise dann auch Erfolg, obwohl es zuvor kaum nennenswerte Aktionen gab. Aus der Abwehr heraus setzten die Schalker das Spiel zunächst eher langsam auf, ehe Leihspieler Jonjoe Kenny auf der rechten Seite, der (wie Wagner es sich wünscht) sehr hoch agierte, im Strafraum Nassim Boujellab in Szene setzte, der dann den Ball für Guido Burgstaller auflegte. Der Österreicher erzielte ohne weitere Probleme die 1:0-Führung. 


Rund zehn Minuten vor der Halbzeit konnte Villareal dann eine kurze Schwächephase von S04 ausnutzen. Als man den Ball vor dem eigenen Sechzehner nicht vernünftig klären konnte, war es Santi Cazorla, der Vicente Iborra hoch anspielte. Dieser konnte den Ausgleich erzielen, Alex Nübel, auch heute wieder Kapitän, musste hinter sich greifen. Halbzeit.


Früh nach der Halbzeit dürfte es dann für Wagner einen perfekten Konter inklusive starkem Umschaltspiel gegeben haben. Matija Nastasic, heute wieder in alter Form, eroberte mit Bastian Oczipka am Strafraum den Ball, sofort wurde das schnelle Umschaltspiel aktiviert. Hauptfigur der Szene war dann Amine Harit, der erneut einen sehr frischen und mutigen Auftritt ablieferte. Er konnte Nassim Boujellab gut bedienen, der flach in die lange Ecke zur erneuten Führung einschob. Neben Coach David Wagner dürften auch die S04-Fans gerne mehr solcher Aktionen in der kommenden Saison sehen wollen.


Weiterhin war es vor allem Harit, der durch gute Szenen auffiel. Schon über die gesamte Vorbereitung ​machte er einen völlig anderen Eindruck als über die letzte Saison, wirkt wie ausgewechselt. Die Rolle im Zentrum kommt seinen Stärken und seinem Spielstil sehr entgegen, ebenso, dass er durch die geforderte Art Fußball zu spielen mehr Freiheiten und Möglichkeiten hat, sich einzubringen. 


Amine Harit

Harit könnte unter Wagner eine enorm wichtige Personalie werden



Nachdem sich Schalke etwas zurückzog und mit gezogener Handbremse agierte, kamen die Spanier wieder eher zu Chancen. Nübel musste einen gefährlichen Schuss mit dem Fuß parieren. Mit den Auswechslungen Harits, Serdars, Ramans und Boujellabs (muss auf Verletzungen am Sprunggelenk untersucht werden) ging weiter etwas Tempo und Aggressivität verloren. Den Schlusspunkt zum 3:1 setzte dann Oczipka, der einen direkten Freistoß aus rund 20 Metern verwandeln konnte. 


Auch insgesamt wirken beide Auftritte deutlich besser und frischer, als die letzten Tests, die eher durchwachsen waren. Das kann gut am heute fehlenden Training vor den Spielen liegen, sodass die Spieler ausgeruhter und spritziger unterwegs waren. Vor den letzten Spielen hatte Wagner noch vormittags trainieren lassen. Für seinen Fußball müssen alle topfit sein, ohne Ausnahme. 


Nichtsdestotrotz bleibt bis zum ersten Spiel im DFB-Pokal am 10. August noch einiges an Arbeit übrig. Zu häufige Ballverluste im Aufbau machten S04 erneut das Leben schwer, was beim geplanten schnellen Umschalten durch offene Räume sehr gefährlich werden kann. Die letzte Woche wird man gut nutzen müssen und dazu hoffen, dass etwaige Verletzungen bei Kutucu und Boujellab möglichst ungefährlich ausfallen, Ozan Kabak schnell ins Training einsteigen und Salif Sané sich schnell wieder zurechtfinden kann. Dazu eine schnelle Genesung für Rabbi Matondo, der sich ebenfalls für Einsatzzeiten empfahl, und Linksverteidiger Jonas Carls.