Neue Saison, alte Leier: Wieder einmal erhält Niko Kovac einen Rüffel von Karl-Heinz Rummenigge. Der Vorstandsvorsitzende des FC Bayern München ärgerte sich über die öffentlichen Aussagen des Trainers in Bezug auf einen möglichen Transfer von Leroy Sané​, obwohl er selbst unisono mit Uli Hoeneß die Bemühungen um den Nationalspieler vor geraumer Zeit ankündigte und ein gewisser Pep Guardiola vor vielen Jahren selbst in der Öffentlichkeit um einen heutigen Leistungsträger der Münchner warb. Dass nun auch Sportdirektor Hasan Salihamidzic um Zurückhaltung vor der Presse bittet, ist an Scheinheiligkeit nicht zu überbieten.


Mal wieder bekommt Kovac Gegenwind von Karl-Heinz Rummenigge - von wem auch sonst? Der 47-Jährige, der wohl nur aufgrund der Rückendeckung von Klubpräsident Uli Hoeneß während der abgelaufenen Saison in seinem Amt blieb, wurde diesmal aber nicht für seine Spielweise kritisiert oder an eine nicht vorhandene Job-Garantie erinnert, sondern für die folgende Aussage über Leroy Sané in einem Interview mit dem ZDF: "Den möchten wir. Unser Klub und die Vereinsführung sind da sehr engagiert. Es ist nicht einfach, sonst wäre es ja schon durch. Aber ich bin sehr zuversichtlich, und ich gehe davon aus, dass wir ihn bekommen können."

Rummenigge schmeckten diese Aussagen gar nicht: "Wir haben ein gutes Verhältnis zu Manchester City, mit unserem Ex-Trainer Pep Guardiola, und Sané steht dort noch unter Vertrag. Weder optimistische noch pessimistische Aussagen helfen uns da", so der Vorstandsvorsitzende im Vorfeld des Audi-Cup-Spiels gegen Fenerbahce Istanbul beim ZDF. Offenbar hat er dabei aber vergessen, dass er selbst bereits Ende Mai das Interesse der Bayern an Sané bestätigte und somit auch seinen Teil dazu beigetragen hat, dass die seit Monaten andauernde Berichterstattung über eine komplizierte Verpflichtung des Flügelspielers nicht abreißt.

Zwar erklärte der 63-Jährige kürzlich, keine Wasserstandsmeldungen mehr abgeben zu wollen, doch er betonte gegenüber den Medien immer wieder, dass weitere Transfers definitiv zu erwarten seien. Auch pikant: Als Pep Guardiola kurz nach seinem Amtsantritt im Jahr 2013 seinen "Thiago oder nix"-Wunsch aussprach, waren keine kritischen Töne aus dem Vorstand zu hören. Vertragsmodalitäten hin oder her - Thiago konnte den FC Barcelona aufgrund einer Ausstiegsklausel für 25 Millionen Euro verlassen - dass man sich nun in aller Öffentlichkeit mehrfach entschuldigt, ist nichts weiter als ein weiterer Schuss gegen Kovac.


​Auch Salihamidzic verwundert


Denn auch Hasan Salihamidzic war bislang kein Freund des Schweigens. "Wir sind alle gut beraten, nicht über andere Spieler zu sprechen, die bei anderen Vereinen unter Vertrag stehen. Das ist ganz wichtig, dass wir das in Zukunft alle tun. Deswegen hat das auch der Vorstandsvorsitzende gesagt und ich hoffe natürlich, dass wir das alle verinnerlichen", sagte der Sportdirektor laut Sky nach der Partie gegen Fenerbahce in der Mixed Zone. Dabei war er derjenige, der im Januar öffentlich um Youngster Callum Hudson-Odoi vom FC Chelsea warb und den Transfer von Benjamin Pavard verkündete, obwohl dieser formell noch gar nicht abgeschlossen war.

FBL-GER-BUNDESLIGA-BAYERN MUNICH-PAVARD

  Warum ausgerechnet Hasan Salihamidzic daran appelliert, künftig zu schweigen, bleibt ein Rätsel.


​Salihamidzic ist einer der Hauptverantwortlichen in puncto Transfers, kann seit Monaten aber nicht liefern. 
"Es ist natürlich so, dass man sich auch bei Manchester City entschuldigen muss, dass jetzt über die ganze Zeit über den Spieler gesprochen wurde", fuhr er fort - beim FC Chelsea hingegen hat er sich noch nicht für sein Verhalten, das in London für Verärgerung sorgte, entschuldigt.


Kovacs Entschuldigung war nicht nötig


​So kam es, wie es kommen musste: Kovac entschuldigte sich auf der Pressekonferenz nach der Partie (via ​Sport1): "Ich bin in dem Interview vielleicht ein bisschen offensiv gewesen. Ich habe auch schon mit Pep gesprochen, habe ihm die Situation erklärt und habe mich dafür entschuldigt, weil ich weiß, dass es natürlich ein Spieler von City ist. Pep hat es dementsprechend verstanden, damit ist die Sache erledigt. In Zukunft werde ich mich diesbezüglich zurückhalten." 

Er hat lediglich seinen Optimismus ausgedrückt, muss dafür nun aber in der Öffentlichkeit bezahlen. Wieder einmal wird Kovac kleingehalten, kritisiert. Klar ist, dass er sich keine Reibereien erlauben darf, auch eine sportliche Krise würde seinen Stuhl wieder mehr ins Wackeln bringen. Doch für den derzeitigen Kader ist auch die sportliche Führung verantwortlich, die seit Monaten Ergebnisse liefern will - sie aber nicht liefert. 


Letztlich sollten Rummenigge und Salihamidzic vor der eigenen Haustür kehren, schließlich waren sie in der jüngeren Vergangenheit deutlich offensiver als Kovac, der sich nun ein Mal erlaubte, konkret etwas über einen möglichen Transfer zu sagen. Ähnlich wie bei der Pressekonferenz im Oktober vergangenen Jahres wird wieder einmal das eigene Wort ignoriert, um zur Kritik auszuholen - diesmal nicht gegen einen Ex-Spieler wie damals Juan Bernat, sondern gegen den derzeitigen Trainer.