Auch wenn der Rückzug von Uli Hoeneß als ​Bayern-Präsident noch nicht ganz offiziell ist, scheint es schon beschlossene Sache zu sein. Er selbst will sich gegen Ende August zu seinen Plänen äußern. Die Hintergründe für diese überraschende Entscheidung haben es in sich: Von JHV-Ärger bis zum Krach mit Karl-Heinz Rummenigge...


Vor etwas mehr als einer Woche sorgte die Meldung, ​Uli Hoeneß wolle sein Amt als Präsident von Bayern München abgeben, für viel Wirbel. Fans und Kritiker seiner Person waren gleichauf überrascht, viel wurde spekuliert. Sogar ein Nachfolger (Herbert Hainer) soll schon feststehen. 


Die Gründe, die für eine solch drastische Entscheidung sorgen können, sind gerade im Business des Profi-Fußballs, sehr vielfältig. Wie die Bild berichtet, gibt es zwar mehrere Gründe, die Hoeneß zu diesem Entschluss gebracht haben, doch einige davon hatten mehr Einfluss, als andere. 


Die JHV brachte den Stein ins Rollen


Wie die Sportbild berichtet, sei vor allem die Jahreshauptversammlung im November letzten Jahres einer der ersten, großen Auslöser gewesen, die diese mögliche Idee eines Rückzugs überhaupt erst ins Rollen gebracht hat. Noch wenige Wochen zuvor sei Hoeneß davon überzeugt gewesen, noch ein paar Jahre das Amt führen zu wollen, doch die massive Kritik, die ihm auf der JHV begegnete, ließ ihn nicht kalt. "Dieser Abend geht nicht spurlos an einem vorüber, und man kann nicht zur Tagesordnung übergehen", sagte er anschließend. Vor allem sein Nachtreten gegen ehemalige Trainer und Spieler und die von vielen als peinlich empfundene "Grundgesetz-Pressekonferenz" sorgten für viele Kritikpunkte. 


Schon danach soll er sich mit einem Vertrauten ausgetauscht haben, der ihm die Option des Rückzugs nahelegte. Die anschließend fehlende Unterstützung der Bayern-Führung, die sich nicht öffentlich an seine Seite stellte, sorgte ebenfalls für viel Unmut beim 67-Jährigen.

Uli Hoeness,Johannes Bachmayr

Viel Kritik hat sich Hoeneß auf der JHV 2018 anhören müssen


Bereits im Dezember schien er dann seinen nun als potenziellen Nachfolger gehandelten Herbert Hainer nach und nach mehr einzubinden. Eine Woche vor Weihnachten ließ Hoeneß vorzeitig und überraschend den Aufsichtsrat neu wählen: Auch Hainer war dabei. Dort ließ er auch sich selbst bestätigen - sein Stellvertreter: Hainer. Dieser war auch schon dabei, als Hoeneß im Frühjahr 2019 mit Oliver Kahn - der Karl-Heinz Rummenigge beerben soll - weitere Details für die Zukunft besprach. Im Nachhinein wirkt es, als habe er seinen Wunsch-Nachfolger früh in Position bringen wollen.


Im März soll auch ein privates Gespräch mit Franck Ribery, mit dem er ein sehr enges Verhältnis pflegt, weitere Missstände offenbart haben. Ribery beklagte die internen Veränderungen, neben den sportlich Verantwortlichen sei auch das schlichte Gefühl der familiären Art, wie er es kennengelernt habe, verschwunden. Im Magazin "51" deutet Hoeneß dann erstmals einen möglichen Rücktritt an: "Ich habe mal gesagt: Das war's noch nicht! Aber der Tag ist nicht mehr fern, an dem ich sage: Das war's." 


Diskussion und Diskrepanz beim Streitpunkt Kovac - Hoeneß vs. Rummenigge


Einer der größten Auslöser seiner Pläne sei die lange, ständige und öffentliche Diskussion um Trainer Niko Kovac gewesen. Immer wieder wurde sichtbar und klar, dass Rummenigge und er bei der Trainer-Personalie unterschiedliche Meinungen haben. Kovac sei Hoeneß' Kandidat gewesen, Rummenigge damit nicht zufrieden. Dass er ihn öffentlich immer wieder destabilisiert und von anderen Trainern (bspw. Xabi Alonso) sprach, ärgerte Hoeneß sehr. Auch nach einer von ihm ausgestellten Job-Garantie vor dem wichtigen Spiel gegen Borussia Dortmund, äußerte sich Rummenigge, der davon nichts wusste, nach dem Spiel. Erneuter Tenor: Es gibt keine Job-Garantie beim FC Bayern München. Einen internen Konflikt öffentlich derart auszutragen, sei für Hoeneß unerträglich gewesen. 

FBL-GER-BUNDESLIGA-BAYERN MUNICH

Oftmals gespielte Harmonie: Hinter den Kulissen soll es öfter gekracht haben zwischen den beiden Bayern-Bossen



Während des Saison-Endspurts Mitte Mai kam es dann zur Auseinandersetzung der beiden mächtigen Bayern-Bosse. Während einer Aufsichtsratssitzung soll es eine lautstarke Diskussion gegeben haben, über mehrere Themen und Aspekte. Nicht nur die Diskrepanz in Sachen Kovac, sondern auch bei Themen wie der geplatzten China-Reise oder Verhandlungen mit Sponsoren soll es ordentlich geknallt haben. Wenige Tage später: BMW erklärt den Bayern-Deal als gescheitert. 


Die über die Saison getätigten Aussagen bezüglich Transfers, zum Beispiel, dass es keinen teureren Neuzugang als Lucas Hernández (kam für 80 Millionen Euro) geben wird, knallt ihm in Angesicht der Sané-Verhandlungen voll auf die Füße. Die "Wenn sie wüssten..."-Aussage braucht schon gar nicht mehr erklärt zu werden. Bei Auftritten nach der Saison, wie etwa der Meisterschaft der Basketballer des FC Bayern, gab er an, er sei genervt davon, "dass man sich nur noch über Käufe definiert". Kommunikationstechnisch ist das letzte Jahr äußerst schlecht gelaufen.


Ende Juli: Sein Plan, in den kommenden Monaten zurücktreten zu wollen, kommt durch die Bild an die Öffentlichkeit. Rummenigge wirkt überrascht - ob er es wirklich ist, wird nur er wissen. Hoeneß selbst versichert, ​er möchte sich erst zum 29. August dazu äußern und seinen persönlichen Plan erklären. Dementsprechend wir nicht mehr erwartet, ob er seinen Rückzug erklären wird, sondern nur in welcher Form und zu welchem Zeitpunkt. 


Zu viele Streitereien und öffentliche Auseinandersetzungen, das wirkte nicht nur wenig souverän, sondern hat Hoeneß auch zu diesem Schritt gebracht. Mit Herbert Hainer hat er jedoch seinen potenziellen Nachfolger schon in Stellung gebracht - weit früher, als man glaubte.