Die Saisonvorbereitung neigt sich langsam dem Ende zu. ​Schalke 04 befindet sich zurzeit noch in Mittersill im Trainingslager, ehe es am 10. August in die erste Pokalrunde gegen Drochtersen/Assel geht. Bis dahin wird sich Coach David Wagner eine grobe Stammelf zusammenbasteln müssen - wer könnte einen Stammplatz sicher haben, und wer muss um Einsätze kämpfen?


Durch einen neuen Trainer bekommt jeder Spieler eine neue, große Chance, sich unter Beweis zu stellen. Die Arbeit der letzten zwei Jahre unter Domenico Tedesco interessiert nicht mehr, Wagner guckt sich - bis auf die Ausnahmen Nabil Bentaleb, Hamza Mendyl und Yevhen Konoplyanka - jeden Spieler selbst an, möchte und muss sich sein eigenes Urteil bilden.


Aufgrund der bislang eher durchwachsenen Testspiele der Schalker, besonders gegen eher durchschnittliche Gegner wie ​Twente Enschede, ​Norwich City und dem ​FC Bologna, ist es schwer zu beurteilen, wer einen Stammplatz haben wird und wer nicht. Dennoch gibt es einige Kandidaten, die sich Sorgen machen müssen. 


Im Sturm: Kein Platz für Reese - doch noch ein Abschied?


So dürfte es beispielsweise Fabian Reese, sollte er tatsächlich über die Transferphase bleiben wollen, sehr schwer haben, zu Einsätzen zu kommen. Auch wenn der 21-Jährige in der Offensive flexibel einsetzbar wäre, scheint er jedoch nicht wirklich eine Chance im potenziellen Konkurrenzkampf zu haben. Als Stürmer werden Ahmed Kutucu, Guido Burgstaller und auch Mark Uth vor ihm stehen, und auf dem Flügel konnten sich zuletzt besonders Neuzugang Benito Raman und auch Youngster Rabbi Matondo einspielen. Dazu kommt noch Suat Serdar. Auch könnte es sein, dass S04 für die Flügel noch einen weiteren Spieler holen will. 

Fabian Reese

In der letzten Saison noch an Fürth verliehen, ist Reeses Zukunft noch offen


Der wieder genesene Alessandro Schöpf ist eigentlich auch auf dem offensiven Flügel zu Hause. Auch er dürfte es anfangs schwer haben, einen Platz im Team zu erobern. Beim gestrigen Testspiel sah man deutlich, dass er noch weit weg vom Startplatz ist - nach einer solch langen Verletzungspause (rund sechs Monate) alles andere als eine Überraschung. Er wird langsam wieder herangeführt werden müssen. 


Die sichersten Kandidaten auf einen Stammplatz dürften Torhüter Alexander Nübel, Matija Nastasic, Daniel Caligiuri und Bastian Oczipka sein. Nübel hat mit Neuzugang Markus Schubert zwar einen äußerst talentierten Mann hinter sich, wird jedoch ungeachtet der Vertragssituation spielen dürfen. Aufgrund der Verletzung von Ozan Kabak und dem späten Einsteigen in die Vorbereitung von Salif Sané wird auch Nastasic trotz einiger Unsicherheiten zuletzt seinen Platz sicher haben. Ebenso Daniel Caligiuri: Er gilt ohnehin als einer der wichtigsten Figuren auf dem Platz - die einzig offene Frage bei ihm dürfte sein, ob er als Rechtsverteidiger oder offensiver Flügel auftreten wird. Oczipka profitiert vor allem von der fehlenden Konkurrenz auf seiner Position. Jonas Carls ist noch unerfahren und zudem seit Montag verletzt. Auch wenn man noch Verstärkung für den Linksverteidiger sucht, kann es auch sein, dass man keinen weiteren Spieler mehr holt. Dann dürfte auch er regelmäßig auflaufen. 


Eine weitere interessante Position ist die des Zehners, falls Wagner weiterhin auf das 4-2-3-1 System setzt, was höchstwahrscheinlich ist. In der Vorbereitung hat Amine Harit einen sehr guten Job abgeliefert. Er ist sehr aktiv auf dem Platz, bringt Tempo ins Spiel und setzt seine Mitspieler häufig gut in Szene. Allerdings könnte Wagner auch Mark Uth auf der Position einplanen, wenn er ihn nicht als Stürmer einsetzten möchte. Harit hat seine Stärken im zentralen Bereich, ein Ausrücken auf den Flügel könnte zum Nachteil des jungen Marokkaners werden. Ein sehr ähnliches Duell könnte es zwischen Kutucu und Burgstaller geben. Beide sind in der aktuellen Konstellation potenzielle Starter. Auch wenn einige Fans Kutucu nicht als "richtigen" Stürmer, sondern eher als hängende Spitze sehen, ist er ein Kandidat für die Position ganz vorne. Je nachdem, wer besser zum geforderten Profil von Wagner passt (schnelles Anlaufen, frühes Pressing, Torgefahr), wird entschieden. Beide zeigten gute Akzente in der Vorbereitung. 


Die Doppelsechs bietet viele Möglichkeiten


Auf der Doppelsechs gibt es derweil zahlreiche Varianten. Mit Omar Mascarell hat man einen gierigen Spieler, der sein zweites Jahr auf Schalke nutzen will - das zeigt er auch bisher. Sebastian Rudy kommt währenddessen weiterhin nicht richtig in den Tritt. Bei seinen bisherigen Auftritten fehlte häufig die Entscheidungsgeschwindigkeit, zu viele (einfache) Ballverluste brachten die Defensive in Gefahr. Weston McKennie konnte gestern im Spiel wieder einsteigen, ist nach einem auch persönlich erfolgreichen Gold Cup wieder dabei. Er hat die Ambitionen, immer und regelmäßig zu spielen, will sich dadurch als Leader im Team etablieren. Seine Chancen auf einen Stammplatz stehen gut, sollte er verletzungsfrei bleiben und an zuletzt gezeigte Leistungen anknüpfen können. Sollte die Innenverteidigung wieder komplett sein, kann auch Benjamin Stambouli wieder eine Position weiter nach vorne, ins defensive Mittelfeld, rücken. Häufig konnte er dort als Mann für den sicheren Ball wichtige Akzente im Spielaufbau setzen, seine Pässe zwischen die Reihen können von Vorteil sein. Aktuell zeigt auch er jedoch noch zu viele Fehler, die er abstellen muss. 

Omar Mascarell

Omar Mascarell könnte in seiner zweiten S04-Saison endlich der Durchbruch gelingen


Viele U23-Spieler konnten sich wie gewöhnlich zeigen. Neben dem verletzten Jonas Carls, der bereits seit dem letzten Drittel der vergangnen Rückrunde bei den Profis ist, scheint Levent Münir Mercan der größte Kandidat auf einen Verbleib bei den Profis zu sein. Er erhielt von Wagner sehr viel Spielzeit und macht "Spaß", wie der Coach selbst sagt. Ein Profi-Vertrag dürfte sich in den nächsten Wochen realisieren - auch er ist dann ein Kandidat für die Doppelsechs. Die anderen U23-Spieler werden zurück in die zweite Mannschaft gehen und auf die nächste Chance warten.


Insgesamt ist es natürlich schwer, bereits jetzt für so manche Position derartige Schlüsse zu ziehen. Anhand der Art und Weise, wie Wagner spielen lassen will, und was einige Spieler bisher auch im Bezug darauf in den Testspielen gezeigt haben, lässt sich jedoch schon einiges erahnen. In der letzten Woche der Vorbereitung wird die Mannschaft komplett sein und Wagner wird selbstverständlich auch auf seine Eindrücke aus den Trainingseinheiten zurückgreifen. Das Verletzungspech in der Offensive macht bisher einen Strich durch die Rechnung, wichtige Details im Trainingslager trainieren zu können. Am 10. August wird die erste, richtige Startelf auf den Platz gehen müssen.