​Miroslav Klose zählte während seiner aktiven Karriere zu den besten Stürmern in Europa. Nach seiner Laufbahn als Spieler wendete er sich ebenfalls nicht vom Sport ab und blieb weiter im Fußballgeschäft aktiv. Seit etwas mehr als einem Jahr ist er Trainer der U17-Auswahl des ​FC Bayern München. In dieser Zeit sammelte er einige Erfahrungen, die ihm nun für Kritik an der Einstellung der Nachwuchsspieler dienen.


Kein anderer Spieler erzielte bei einer WM-Endrunde bei den Herren so viele Treffer wie der ehemalige deutsche Nationalspieler Miroslav Klose. Die insgesamt 16 Tore sind nur eine beeindruckende Marke in der Karriere des Angreifers. Doch auch neben dem Platz ragte er durch Aufgeschlossenheit, Bescheidenheit und Einstellung heraus.


Etwas ähnliches erwartet er natürlich auch von seinen Schützlingen beim FC Bayern München. Seit dem Mai letzten Jahres steht er als Nachwuchstrainer unter Vertrag. In dieser Saison feierte er mit der Mannschaft die Meisterschaft in der B-Junioren Bundesliga Süd/Südwest. Doch neben den Leistungen regt ihn vor allem die Einstellung der Youngster zum Nachdenken an. Nun äußerte er ernste Kritik an den Jungprofis.


Im Interview mit dem kicker erklärt er die Gründe für seine Einstellung. Dabei stellt er von vornherein klar, dass er nicht der einzige ehemalige Spieler ist, der einen gewissen Wandel feststellt. "Ich habe viel Kontakt zu Ex-Profis, die heute Trainer oder sonst im Fußball tätig sind. Sie bestätigen, dass die heutige Generation diese Einstellung, die bei uns normal war, nicht mehr hat, bis auf wenige Ausnahmen. Diese Leidenschaft, dieses Herz vermisse ich. Sie gehört zum Gesamtpaket neben Talent, Physis, Athletik", so der Weltmeister von 2014.

Miroslav Klose

Klose weiß als ehemaliger Weltstar, wie wichtig die optimale Ausbildung ist



Zudem vernachlässigen viele jugendliche Kicker die schulische Ausbildung neben der angehenden Karriere. "Die Ausbildung muss sein, klar. Aber manche lassen die Schule schleifen und kapieren nicht, dass sie, wenn sie als Nationalspieler oft weg sind, den Stoff nachholen müssen. Viele gehen da den bequemen Weg. Das zeigt mir, dass es dann nicht reicht", so Klose.


In jeder Trainingseinheit sollten die Youngster voll Ehrgeiz und Motivation strotzen, laut Klose ist dies ebenfalls nur selten der Fall. In selteneren Fällen kommt der Anstoß von den Nachwuchssportlern, zu oft müssten die Trainer dort nachhelfen. Doch auch die neue Welt der sozialen Medien mache einen klaren Unterschied zu Kloses eigener Jugendzeit.


Talente sind nicht wach genug


"Die Jungs sind im Kopf nicht da, bis das Training anfängt. ​Auf dem Weg zum Trainingsplatz gehen sie am Ballsack vorbei. Ich frage sie, warum. Oder warum die Hütchen fehlen. Oder warum die Bälle nicht aufgepumpt sind. Das musst du dann immer wieder beanstanden, das macht müde. Dafür ist die komplette Mannschaft zuständig." Diese interessanten Einblicke deuten auf eine Unausgewogenheit im Jugendbereich hin.

Yannick Brugger,Fabian Cavadias

Sind die Youngster von heute noch ambitioniert genug?



Schlussendlich sollte jeder ambitionierte Akteur diesen gewissen Hunger mit bringen. Klose sieht diesen allerdings vermehrt nicht und vermisst "diesen unbedingten Willen, die jungen Spieler sind oft zu schnell satt". Doch Klose weiß, dass es für diese Youngster immer schwerer wird, nicht zuletzt durch den Wandel in der Gesellschaft und die hohen Ansprüche, die an sie gestellt werden.


"Sie müssen wieder Spaß am Fußball bekommen. Manchmal wirken sie derart gestresst, mit Schule und vielem mehr, dass sie - so mein Eindruck - nur zum Training kommen, weil sie es müssen." Für die nächsten Jahre muss sich also wieder einiges ändern, meint Klose. Die Kids müssten an ihrer Einstellung arbeiten, doch auch die generelle Struktur im Jugendbereich sollte überarbeitet werden, um eine Überforderung zu vermeiden. Klose ist vermeintlich der richtige Kandidat, der mit vielen Denkanstößen für Veränderungen sorgen könnte.