Uli Hoeneß ist das Gesicht des ​FC Bayern. In 40 Jahren als Manager und Präsident formte er den einst verschuldeten Klub zum besten Fußballverein Deutschlands, der der nationalen Konkurrenz auf wirtschaftlicher Ebene völlig enteilt ist. Medienberichten zufolge wird er im November nicht zur Wiederwahl für das Präsidentenamt antreten, ​soll sich stattdessen zurückziehen. Auch wenn die ​endgültige Entscheidung erst in einem Monat bekanntgegeben wird: Der 67-Jährige hat ein einzigartiges Lebenswerk erschaffen, in das er viel Zeit, Arbeit und Herzblut investiert hat.


Bereits als Spieler war der einstige Rechtsaußen für den FC Bayern aktiv, schloss sich dem Klub im Sommer 1970 an und wurde in den darauffolgenden Jahren Welt- und Europameister, dreifacher Deutscher Meister, dreifacher Europapokalsieger, DFB-Pokalsieger und Weltpokalsieger. Doch 1979 muss er seine Karriere aufgrund einer Meniskusverletzung im Knie beenden und heuert am 1. Mai im Alter von 27 Jahren als Manager der Bayern an.


Rapides wirtschaftliches Wachstum


"Ich bin in der Anfangszeit viel rumgeflogen. Dahin, wo das große Business war, nach England und in die USA. Ich war zum Beispiel in San Francisco bei den 49ers. Auch Manchester United, die im Fußball mit weitem Abstand im Merchandising die Nummer 1 waren, habe ich besucht. Die hatten schon einen Fanshop und eine eigene Versandabteilung", erinnert sich Hoeneß in einem Interview mit der Deutschen Presse-Agentur an seine ersten Monate. Die Akribie war aufgrund der wirtschaftlichen Lage dringend gefordert: Der Verein verzeichnete einen Umsatz von zwölf Millionen Mark, hatte Schulden in Höhe von drei Millionen Mark und war größtenteils von den Ticketeinnahmen abhängig. Ganze 85 Prozent des Umsatzes sind laut Hoeneß durch das Ticketing zustandegekommen, heute liegt der Wert zwischen 18 und 20 Prozent. 

​Bereits ein Jahr vor dem Beginn seiner Zeit als Manager fädelte er einen Deal mit dem Automobilhersteller Magirus-Deutz ein, ermöglichte dadurch die Rückkehr von Paul Breitner. Sein größter Transfer neben der Verpflichtung von Bruder Dieter ist aber der Verkauf von Karl-Heinz Rummenigge. Der heutige Vorstandsvorsitzende wechselte 1984 für 11,4 Millionen Mark zu Inter Mailand - der FC Bayern war auf Anhieb schuldenfrei.

Uli Hoeness

Uli Hoeneß krempelte den FC Bayern München um, formte ihn zu einem Spitzenverein in Europa



Ein Hauptaugenmerk von Hoeneß war das Merchandising. Nach amerikanischem Vorbild steigerte er die Einnahmen deutlich, mit dem Transfer von Jürgen Klinsmann im Jahr 1995 schossen die Trikotverkäufe nach oben. Der wirtschaftliche Erfolg bedeutete auch einen sportlichen Aufstieg: Von 1980 bis 2008 wurden die Bayern 16 Mal Deutscher Meister, neun Mal DFB-Pokalsieger, gewannen die Champions League sowie den UEFA-Pokal. Der Verein wurde immer mehr zum Feindbild, machte sich aufgrund seiner Erfolge nicht nur Freunde. Hoeneß sieht diese Entwicklung als Erfolg: "Durch die Polarisierung haben wir den FC Bayern viel interessanter gemacht als die meisten anderen Vereine."


Denkmal Allianz Arena


Mit am wichtigsten aber war der Bau der Allianz Arena. Von 2001 bis 2005 wurde das mittlerweile 75.000 Plätze bietende Stadion errichtet, wieder einmal wusste sich Hoeneß ob der Finanzierung zu helfen: Für 75 Millionen Euro erhielt Adidas zehn Prozent der Anteile der FC Bayern München AG. Die kompletten Kosten beliefen sich auf 346 Millionen Euro, im November 2014, 16 Jahre vor dem eigentlichen Zeitplan, ließ Rummenigge die Abbezahlung des Stadions verlauten.

FC Bayern Muenchen v Ajax - UEFA Champions League Group E

 Das Herzstück des Vereins: Die Allianz Arena gehört zu 100 Prozent dem FC Bayern



​Aufgrund seiner offensiven Aussagen, seinem selbstsicheren Auftreten und dieser für den Erfolg nötigen Arroganz war und ist Uli Hoeneß ein Mensch, an dem sich viele bis heute reiben. In den vergangenen 40 Jahren hat er sich zahlreiche Wortgefechte geliefert, unvergessen bleibt die einstige Dauerfehde mit Willi Lemke, dem früheren Manager und heutigem Aufsichtsratsmitglied des SV Werder Bremen. Doch letzten Endes stand für Hoeneß, der in den vergangenen Jahren auch die Basketball-Abteilung stark vorangetrieben hat, immer das Wohl des FC Bayern im Vordergrund. Auch wenn der Klub in Zukunft ohne ihn zurechtkommen muss und er nach seiner Entlassung aus dem Gefängnis nicht mehr der alte war: Ohne ihn wären die Bayern nicht dort, wo sie heute sind.