​Auf der ​Jahreshauptversammlung des ​FC Schalke 04 vor rund einem Monat waren sich viele Mitglieder der Königsblauen und auch der Aufsichtsratsvorsitzende ​Clemens Tönnies einig gewesen und machten den ehemaligen Manager Christian Heidel für die sportliche Talfahrt der Vorsaison verantwortlich. Mit reichlich Verspätung reagierte der 56-Jährige nun auf diese Kritik und holte zum Gegenschlag aus.


Als Christian Heidel im Mai 2016 bei den Knappen anheuerte, wurde der Manager fast schon als eine Art Messias gefeiert. Bei seinem früheren Arbeitgeber 1. FSV Mainz 05 hatte der gebürtige Domstädter schließlich zweifelsohne einen prima Job gemacht und nicht wenige trauten ihm daher zu, auch auf Schalke eine neue, endlich erfolgreiche Zukunft einzuleiten.

Christian Heidel,Clemens Toennies

Das Tischtuch zwischen Heidel und Tönnies ist längst zerschnitten



Zwischenzeitlich sah es dann auch danach aus, als ob Heidel diese Hoffnungen tatsächlich wahr machen könnte und so feierte er mit dem von ihm eigens ins Boot geholten Cheftrainer Domenico Tedesco in der Saison 2017/18 die Vize-Meisterschaft. Anstatt an diesen Erfolg anzuknüpfen, stürzten die Schalker in der folgenden Spielzeit aber gnadenlos ab und konnten sich lediglich bei der noch desaströseren Konkurrenz bedanken, dass am Ende nicht gar ein Abstieg in die zweite Liga anstand.


Wie jeder Fan weiß, ist das Fußballgeschäft sehr schnelllebig und daher wurde der designierte König von Schalke, nachdem er zuvor bereits seine ​Vertragsauflösung zum Saisonende verkündet hatte, deutlicher früher vom Hof gejagt und durch Jochen Schneider ersetzt. Wenig überraschend verzichtete der Aufsichtsratsvorsitzende auf der Jahreshauptversammlung im Juni nicht darauf, seinen ehemaligen Mitarbeiter scharf zu kritisieren und wollte ihm die Hauptschuld an den verpassten Saisonzielen in die Schuhe schieben. 


Heidel lässt Vorwürfe nicht auf sich sitzen


Nachdem Heidel wochenlang geschwiegen hat, nahm der aktuell vereinslose Manager nun einen Besuch bei der ARD-Sendung "Sportschau Thema" zum Anlass, um auf die Vorwürfe zu reagieren. Dabei bezeichnete er die Attacke des Schalke-Bosses als "an den Tatsachen komplett vorbei". Zudem monierte Heidel die Moral im Fußballgeschäft und insbesondere bei Königsblau. So seien bei der Vizemeisterschaft noch alle für den Erfolg zuständig gewesen, acht Monate später - als das Pendel in die andere Richtung ausschlug, sei dann aber "nur einer dran schuld gewesen".


Doch nicht nur die Entwicklung beim Ruhrpottverein ist Heidel ein Dorn im Auge. Auch das Auftreten mancher Spielerberater und deren Verlangen nach immer größeren Handgeldern lässt bei dem Mainzer die Hutschnur platzen. "Wir reden ja mittlerweile über Millionen für die Spielerberater. Da frage ich mich: Warum? Diese Summen sind in Dimensionen geraten, die nicht mehr vertretbar sind", so der ehemalige Schalker. Dabei klammerte er sich selbst aus der Kritik nicht aus und erklärte, dass auch er den Beratern in seiner Amtszeit "viel zu viel bezahlt" habe.