Die Hälfte der Vorbereitung bis zum Start in den DFB-Pokal und in die neue Bundesligasaison ist vorbei, und bei ​Schalke 04 hat sich bereits einiges getan. Dennoch liegt noch viel Arbeit vor David Wagner und seinem Team, um erfolgreich in die Spielzeit 2019/2020 zu starten. Ein erstes Zwischenfazit der bisherigen Vorbereitung.


Als es am 1. Juli in die Saisonvorbereitung ging, war die Stimmung der Fans noch gedämpft. Die katastrophale letzte Saison noch in den Knochen und dazu erneut ein ausgerufener Neustart. Mittlerweile weiß man auf Schalke, dass man mit Euphorie vorsichtig umgehen muss, besonders vor Beginn einer Saison. Dass dieser Neustart ein echter Neustart werden soll, und nicht einfach nur leeres Phrasendreschen ist, zeigt sich vor allem auch an der Arbeit in den verschiedenen Strukturen und Planungen - ​​es ist eben nicht nur ein neuer Trainer mit einer neuen Idee da


Die bisherigen Transfers


Schalke wurde zu Beginn der Vorbereitung ein mageres Transfer-Budget nachgesagt. Die Bild beispielsweise berichtete von rund 25 Millionen Euro, die für Neuzugänge zur Verfügung stehen sollten. Mit Jonjoe Kenny hat man den ersten neuen Spieler präsentiert. Der Rechtsverteidiger wird für ein Jahr für S04 auflaufen und die von Wagner angedachte Viererkette unterstützen. Entweder als Backup für Daniel Caligiuri, oder selbst mit häufigen Spielzeiten, sollte 'Cali' weiter vorne auflaufen. Der erst 22-jährige Brite spielte zuletzt auch bei der U21-EM mit und ist, gerade als Leihe, eine sehr gute (vorübergehende?) Verstärkung.


Mit Benito Raman hat man anschließend auch den Kaugummitransfer für rund 13 Millionen Euro Ablöse erfolgreich abwickeln können. Er hat in der letzten Saison bei ​Fortuna Düsseldorf sein Talent gezeigt und maßgeblich zum Klassenerhalt beigetragen. Im königsblauen Trikot soll er das Leben auf den Flügeln wiederbeleben und für Tempo in der Offensive sorgen - ein schwieriges Thema auf Schalke. Bisher waren seine Auftritte in den Testspielen eher mager, doch mit jedem weiteren Spiel nähert er sich an und verbessert sich wieder. Das Einspielen wird wichtig dabei sein, denn Wagner braucht schnelle und torgefährliche Flügelspieler. Ob Raman genau das bringen kann, wird sich zeigen. Das Potenzial hat er definitiv. 


Mit Markus Schubert hat man ein junges Torwart-Talent von sich überzeugen können. Der U21-Nationalkeeper wechselte ablösefrei von ​Dynamo Dresden ins Ruhrgebiet und wird dabei helfen, die Konstellation im Tor sicher zu halten, sollte Alexander Nübel nächstes Jahr wechseln. Vor allem aufgrund der fehlenden Ablöse ein Top-Transfer, und ein großes Talent in den eigenen Reihen.

Markus Schubert

Mit Markus Schubert hat man ablösefrei ein junges Torwart-Talent verpflichten können



Sehr überraschend hat sich auch Ozan Kabak (vom ​VfB Stuttgart) für Schalke entschieden, und das trotz anderer Interessenten wie ​Bayern München oder AC Mailand. Dass er sich direkt am zweiten Tag verletzt hat und nun länger auszufallen droht (am morgigen Freitag folgt eine weitere Untersuchung), ist zwar sehr schmerzhaft für ihn und das Team, doch schmälert es den Transfer als solchen keineswegs. Kabak ist mit seinen 19 Jahren ein großes Talent in der Abwehr und, wie David Wagner sagt, auch ein ganz feiner Charakter. 15 Millionen Euro sind zwar sehr viel für S04-Verhältnisse, doch sie könnten sich sehr schnell bezahlt machen.

Insgesamt eine bisher gute Transferperiode. Wichtig wird es sein, noch Nabil Bentaleb, Hamza Mendyl und Yevhen Konoplyanka abzugeben, um nochmal Luft für Verstärkung auf dem offensiven Flügel und/oder für die Linksverteidiger-Position zu schaffen.

Die Testspiele und die neuen Gewinner


Die Testspiele waren bisher quasi die Definition der Testspiele überhaupt. Durchwachsene Spiele, bei denen man bereits einige positive Eindrücke mitnehmen, aber auch sehen konnte, an welchen Stellen noch viel Arbeit notwendig ist. In diesem Sommer absolviert man mit acht (bisher fünf gespielt) Testspielen so viele wie lange nicht mehr. Wagner will viel testen und auch vielen jungen Spielern die Möglichkeit geben, sich zu zeigen. 


So könnte Levent Mercan einer der Gewinner der Vorbereitung sein. Der 18-jährige zentrale Mittelfeldspieler erhielt so viel Spielzeit wie kein anderer aus dem Nachwuchs und lieferte ordentliche Auftritte ab. Gut möglich, dass er sehr bald einen Profivertrag bekommen und häufig im Bundesliga-Kader stehen wird. 

Patrick Osterhag,Muenir Levent Mercan

Levent Mercan beim Halbfinale der U19-Meisterschaft gegen Borussia Dortmund



Vor allem das neue, sehr hohe Pressing war in den bisherigen Spielen deutlich zu erkennen. Doch auch dabei gibt es weiterhin ein paar Nuancen zu verbessern. Sobald dieses Pressing umspielt wurde, geriet S04 schnell durch ein offenes Zentrum und an der Mittellinie stehende Innenverteidiger in Konter-Gefahr. ​Im offensiven Part fielen vor allem Rabbi Matondo, Ahmed Kutucu und Amine Harit als junges, schnelles Trio auf. Kutucu zeigte bereits letzte Saison, was in ihm steckt, Matondo wird sein Talent auch unter Beweis stellen und Harit will seine neue Chance nutzen. Durch die vielen Wechsel und Einsätze der U23- und U19-Spieler können sich allgemein viele junge Spieler unter Wagner zeigen. Gewinner sind sie daher eigentlich alle. 


Noch offene Baustellen


Die größte Baustelle dürften zwei gänzlich unterschiedliche Aspekte sein. Zum einen hapert es weiterhin am Herausspielen vielversprechender Torchancen. Das Umschaltspiel und die frühen Balleroberungen funktionieren bereits ganz gut, doch sie umzusetzen und vollends zu nutzen, das klappt noch nicht. Oftmals ist es der berühmte letzte Pass, an dem es scheitert.

Die andere Baustelle ist die bislang gezeigte defensive Unsicherheit. Die fehlende Konterabsicherung bereitete S04 des Öfteren Probleme, wenn der Gegner ebenfalls schnell umschalten und kontern konnte. Allerdings ist dies auch ein Produkt von zu vielen, einfachen Ballverlusten im Mittelfeld, was durch fehlende Abstimmung in der Vorbereitung vorkommen kann. Matija Nastasic muss aus seinem kleinen Formtief kommen, dazu ist Ozan Kabak verletzt und Salif Sané noch länger im Urlaub. Alles andere als eine optimale Vorbereitung in der Defensive für Schalke. Die letzten Male half Banjamin Stambouli hinten aus, zog sich aus dem defensiven Mittelfeld zurück.

Alles in allem ist es eine klassische Saisonvorbereitung. Gute Ansätze, positive Eindrücke, aber auch noch viel Arbeit, dazu keine absolut guten oder absolut schlechten Spiele. Vor allem im nun anstehenden Trainingslager im österreichischen Mittersill wird Wagner an vielen weiteren Schrauben drehen, um die angesprochenen Aspekte zu verbessern und zu verfeinern.