​Der ​FC Bayern geht wohl mit einer leichten taktischen Veränderung in die neue Saison. Trainer Niko Kovac will künftig auf ein 4-3-3 setzen. Für Thomas Müller könnte es deshalb eng werden.


4-2-3-1 - das bevorzugte Spielsystem der Bayern in der Premierensaison von Trainer Niko Kovac. So wie man unter Jupp Heynckes das Triple holte und wie es nach Pep Guardiola an der Säbener wieder etabliert war. Robert Lewandowski in der Spitze, dahinter ein Zehner und der Fokus auf die beiden Außenstürmer.

In der neuen Spielzeit dürfte diese Formation angepasst werden. Denn wie Kovac gegenüber Sport1 bestätigte, plant er die Formation im Mittelfeld leicht anzupassen. "Das ist das System, in dem wir agieren wollen, aber man muss sich auch immer an den Gegner anpassen", sagte der Kroate zum 4-3-3 mit nur noch einem Sechser und zwei offensiver ausgerichteten Achtern im zentralen Mittelfeld. So absolvierte der FCB bereits die Testspiele auf der durchaus erfolgreichen US-Tour.


Was bedeutet das 4-3-3 für das Personal?


Eine kleine Veränderung, die einige Folgen haben könnte. Klar scheint, Thiago ist auf der Sechserposition vor der Abwehr gesetzt, Javi Martinez ist sein Backup. Bei größeren Spielen, wie beispielsweise gegen Liverpool vergangene Saison, scheint ein Modell mit Martinez als Sechser und Thiago etwas offensiver weiter möglich.


Doch die neue Grundausrichtung bietet vor allem für die anderen Mittelfeldspieler große Chancen. Für Leon Goretzka ist die Acht prädestiniert. ​Der Nationalspieler kann dabei seine starken Tiefenläufe besonders gut ausspielen - ​gesehen zuletzt bei seinem Siegtreffer gegen Milan.

Auch für Corentin Tolisso scheint diese Formation am besten zu passen. Der Franzose ist kein "waschechter Sechser", sondern eher ein Hybrid, der seine Stärken am besten etwas offensiver ausspielen kann. Ähnliches gilt für Renato Sanches, auch wenn der Portugiese noch am ehesten für die Sechserrolle infrage käme. Doch auch der bislang eher enttäuschende Youngster kann seine Qualitäten auf der Acht am besten ausspielen.


Aus dieser Sicht ist die Anpassung ein cleverer Schachzug von Kovac, können doch die Stärken seiner Mittelfeldspieler so noch besser zur Geltung kommen. Thiago kann dabei als eine Art "Quarterback" aus dem Zentrum heraus agieren und die Angriffe des Rekordmeisters einleiten. Dass er auch defensiv dazugelernt hat, zeigte der Spanier in seiner starken letzten Saison.


Was wird aus Thomas Müller?


Eine Frage bleibt aber: Was wird aus Thomas Müller? Das Bayern-Urgewächs fühlt sich am wohlsten, wenn er um die Sturmspitze herum spielen kann. Als eine Art verkappter Spielmacher. Eine Position, die es so im neuen System nicht gibt. Auf der Außenbahn zeigte er in der jüngeren Vergangenheit dagegen deutlich schlechtere Leistungen. Eine Idealbesetzung wäre Müller Rechtsaußen nicht - aktuell könnte Kovac ihn dort aber zumindest als Backup für Serge Gnabry einplanen. Es mangelt schließlich weiter an Alternativen.


Könnte Müller auch "Acht"? Fraglich scheint auch, ob Kovac sich Müller im zentralen Mittelfeld vorstellen könnte. Dort müsste er deutlich defensiver agieren - die Konkurrenz um Goretzka, Tolisso und Sanches dürfte dort klar im Vorteil sein. In der Bundesliga gegen schwächere Teams, die tief stehen und sich auf die Defensive konzentrieren, sollte das kein Problem sein. In den "wichtigeren Spielen" scheint es fast so, als gäbe es für Müller im neuen FCB-System keinen Platz mehr.​