​Als ​Jann-Fiete Arp seinen Wechsel zum ​FC Bayern München verkündete, erntete der 19-Jährige viel Hohn und Spott. Wie soll sich denn bitte ein Mittelstürmer, der es nicht einmal beim Hamburger SV zu einem Stammspieler gebracht hatte, beim großen Rekordmeister durchsetzen? Cheftrainer Niko Kovac lieferte nun jüngst bei einem ​Testspiel gegen den FC Arsenal eine überraschende Antwort.


Der Übungsleiter der Münchner schenkte seinem Neuzugang nämlich nicht etwa in der Sturmspitze das Vertrauen, sondern stellte das Offensivjuwel kurzerhand auf der linken Außenbahn auf. Wirft man einen Blick auf die Statur des wendigen Offensivspielers, macht diese Maßnahme Sinn, schließlich liegen die Qualitäten des deutschen U19-Nationalspielers ohnehin in seiner guten Ballführung und seinen schnellen Körpertäuschungen und nicht etwa in einer robusten Zweikampfführung oder einem überragenden Abschluss.


Klingt unter dem Strich also eher nach einem Flügelspezialisten, denn nach einem klassischen Mittelstürmer. Seine Chance gegen die Gunners, gegen die er in den ersten 45 Minuten sein Können unter Beweis stellen durfte, wusste das Sturm-Juwel dann auch prompt zu nutzen und fügte sich ohne große Probleme ins Offensivspiel der Bayern ein. Dabei wirkte der Blondschopf, wie zuvor bereits in den Trainingseinheiten von seinen prominenten Mitspielern keineswegs eingeschüchtert.

Jann-Fiete Arp,Niko Kovac

Nico Kovac ist von den Qualitäten seines neuen Schützlings überzeugt


Zugegeben, eine Galavorstellung legte Arp nun auch nicht wirklich auf den grünen Rasen, dennoch unterstrich der ehemalige Hamburger durchaus sein großes Potenzial und seine Bereitschaft sich bei den Münchnern voll ins Zeug zu legen. Eben jenen Ehrgeiz ließ er zuvor beim HSV oftmals vermissen. Eine Erklärung hierfür dürfte sein, dass er von den Medien schnell sehr hochgejubelt und als neuer Messias im HSV-Trikot gefeiert worden war. 


So komisch es zunächst klingen mag, hat sich Arp durch seinen Wechsel zu den Bayern viel Druck genommen. Anstatt als vermeintliches Aushängeschild des Vereins vorneweg gehen zu müssen, kann sich der Angreifer bei den Münchnern im großen Schatten seiner Mitspieler klammheimlich sukzessive weiterentwickeln und sich so auf Dauer in eine immer bessere Ausgangslage schieben.


Ohne Zweifel profitiert der Stürmer dabei aktuell auch von den ​Schwierigkeiten der Bayern-Bosse weitere Hochkaräter für die Außenbahnen an Land zu ziehen. Sollte das Warten auf den nächsten Transferhammer sich noch länger hinziehen, kann Arp bis dahin weiter eifrig Pluspunkte sammeln und so im internen Ranking der Münchner weiter aufsteigen. Sollte er später bei einem weiteren Transfer doch wieder ins zweite oder dritte Glied zurückfallen, wäre dies alles andere als eine Beinbruch, schließlich ist der Offensivspieler nicht so naiv zu glauben, dass er sich in nur wenigen Wochen für die Bayern unverzichtbar machen könnte.

Jann-Fiete Arp

Arp kann seine Situation realistisch einschätzen


Mit Klingsley Coman steht aktuell jedoch de facto nur ein Spezialist für die linke Außenbahn deutlich über dem Neu-Münchner. Wer die Verletzungshistorie des 23-jährigen Franzosen kennt, weiß, dass ihm sein Körper in der Vergangenheit immer wieder einen Strich durch die Rechnung gemacht hatte. Neben dem ebenfalls noch recht unerfahrenen Alphonso Davies, muss Arp bei Bedarf also zur Stelle sein.


Nicht nur Bayern-Legende Lothar Matthäus moniert, dass es nicht der Anspruch des deutschen Rekordmeisters sein könne, das Schicksal einzig und allein in die Hände dieser jungen Talente zu legen. Medienwirksam forderte der Rekordnationalspieler daher zuletzt im Rahmen der Arsenal-Partie noch mindestens zwei, oder drei Spieler für die Außenpositionen.


Im Zuge dessen ​feuerte der 58-Jährige auch eine Breitseite in Richtung Arp ab und spottete über dessen Schwierigkeiten sich beim HSV in der abgelaufenen Saison dauerhaft durchzusetzen. Schattenseiten dieser Art, dies war dem Bayern-Neuzugang bereits vor seinem Wechsel an die Säbener Straße klar, beinhaltet ein Engagement beim Rekordmeister zweifellos. Bleibt der Youngster aber weiterhin so zielstrebig, könnten diese negativen Erlebnisse bald nicht mehr wirklich ins Gewicht fallen.