Der ​FC Bayern München wird zeitnah offenbar den vierten Neuzugang für diesen Sommer unter Vertrag nehmen. Einem Bericht der Marca zufolge erzielte der Rekordmeister eine Einigung mit dem spanischen U21-Nationalspieler Marc Roca von Espanyol Barcelona, einzig die Verhandlungen um die Ablösesumme stünden dem Transfer im Wege. Um Roca etwas näher zu bringen und die Beweggründe für das Interesse der Bayern zu erläutern, stellen wir den 22-Jährigen etwas näher vor.


Geboren wurde Marc Roca am 26. November 1996 in Vilafranca Del Penedés, einer kleinen Gemeinde im Südwesten Barcelonas. Der 1,84 Meter große zentrale Mittelfeldspieler ist ein Eigengewächs von Espanyol Barcelona und wurde nach vielen Jahren in der Nachwuchsabteilung im Sommer 2016 zu den Profis befördert. Sein Debüt in der Primera Divison feierte er am zweiten Spieltag der Saison 2016/17 bei einem 2:2-Remis gegen den FC Malaga im Alter von 19 Jahren, derzeit steht er bei 75 Profispielen. 


Zu Beginn lief Roca im flachen 4-4-2 in der Doppel-Sechs auf, mittlerweile aber hat sich seine Rolle ein wenig verschoben. Im 4-3-3 der vergangenen Saison war er als Sechser der Spielmacher, konnte seine Qualitäten dort am besten unter Beweis stellen.


Typisch spanisch: Technisch stark, sicher am Ball, gutes Auge


Dass sich Niko Kovac einen weiteren Spielmacher wünscht, ist wenig verwunderlich. Mit Thiago Alcántara besitzt der FC Bayern nur einen einzigen Mittelfeldspieler, der das Angriffsspiel aufzieht, seine Mitspieler in Szene setzt und immer wieder für Überraschungsmomente sorgt. Ähnliche Qualitäten bringt auch Roca mit. Als Sechser lässt er sich immer wieder zwischen die beiden Innenverteidiger fallen, bedient die Angreifer mit hohen Bällen und besticht im Aufbauspiel mit seiner starken Übersicht. Der 22-Jährige ist zudem technisch versiert und beidfüßig, kann daher nicht so einfach vom gegnerischen Pressing gestoppt werden und besteht auch in Zweikämpfen.

Marc Roca

     Bei Espanyol Barcelona gehört Marc Roca zu den unangefochtenen Stammspielern - entscheidet er sich für einen Wechsel zum FC Bayern?


Sieben Mal lief er für die spanische U21-Nationalmannschaft auf, bei der jüngsten Europameisterschaft kam er ab dem letzten Gruppenspiel zum Einsatz. In drei Partien lieferte Roca eine Vorlage, erzielte ein Tor und war ein wichtiger Baustein für den Titelgewinn. Sein Marktwert wird auf 30 Millionen Euro taxiert, seine festgeschriebene Ablösesumme liegt bei 40 Millionen Euro. Angeblich wollen die Münchner weniger zahlen, doch bei einem Spieler mit solchem Potenzial dürfte Espanyol kaum von der Ausstiegsklausel abweichen.


Bayern wäre wieder flexibler


​Für das Offensivspiel der Bayern wäre er in jedem Fall eine Bereicherung. Das bisherige Problem: Sobald es der Gegner schaffte, Thiago zu isolieren, stockte das Aufbauspiel des Rekordmeisters. In der Rückrunde übernahm Mats Hummels daher Thiagos Part, doch der Innenverteidiger wurde an Borussia Dortmund abgegeben. Mit Roca erhielte Kovac einen zweiten spielstarken Mittelfeldspieler, verteilt die Last somit auf mehreren Schultern - und hat zudem einen weiteren Mann für die Position vor der Abwehr. Goretzka und Tolisso sind dagegen eher auf der Acht zuhause.


Gegnerische Mannschaften müssten sich stärker auf das Mittelfeldzentrum fokussieren, wodurch beispielsweise die Flügelspieler mehr Platz erhalten könnten. Zudem könnte die Offensive unberechenbarer werden, wenn gleich zwei Akteure für Überraschungsmomente sorgen, also Thiago und Roca gemeinsam auf dem Platz stünden.


​Sollte sich die Meldung der Marca bewahrheiten, muss Sportdirektor Hasan Salihamidzic - der am gestrigen Dienstag in Paris gesichtet wurde - zuschlagen, um die Lücke im Mittelfeld zu schließen. Einen Spieler wie Marc Roca darf sich der FC Bayern nicht entgehen lassen, zumal sich das finanzielle Risiko (nach heutigen Maßstäben) in Grenzen hält.