Rafinha beendete nach der letzten Saison seine Zeit beim ​FC Bayern, wechselt nun zu Flamengo. In seinem letzten Jahr spielte er unter Trainer Niko Kovac eine untergeordnete Rolle, kam in seinen 16 Liga-Einsätzen durchschnittlich nur auf jeweils 56 Minuten Einsatzzeit. Nun rechnet er mit Kovac ab und kritisiert ihn.


Beste Freunde werden Rafinha und Niko Kovac definitiv nicht mehr. Im gemeinsamen Jahr in München fanden beide nicht zusammen, worunter die Einsätze von Rafinha litten. Bei einem Abschieds-Posting dankte der Brasilianer seinen ehemaligen Trainern, Kovac jedoch fand darin keine Erwähnung. Im Interview mit der Sportbild legt er nun nach. 


Besonders thematisiert er seine für seinen Geschmack zu wenigen Einsätze unter dem Coach. Eigentlich beschwere er sich nie über Entscheidungen von Trainern, so Rafinha, doch "diese Saison ist es einmal passiert, weil eine Grenze erreicht war". Er kommentierte im vergangenen Februar, Kovac sei nicht immer korrekt zu ihm. "Ich war zuvor bei Kovac im Büro und habe ihm gesagt, dass ich Spielpraxis brauche. Mit Kovac hat es leider nicht funktioniert", resümiert der 33-jährige Rechtsverteidiger. 


"Vielleicht hatte er kein Vertrauen in mich"

Besonders unfair empfindet Rafinha die geringe Wertschätzung, weil es schon vor der Saison ein Gespräch zwischen beiden gegeben habe, in dem er Kovac bat, ihn gehen zu lassen, sollte er nicht mit ihm planen: "Er hat gesagt, dass ich meine Einsätze bekomme. Aber es kam anders - zumindest hatte ich ihn anders verstanden."


"Ich wünsche Niko alles Gute, er ist ein junger Trainer", möchte Rafinha festhalten, "aber zwischen ihm und mir hat es einfach nicht funktioniert, vielleicht hatte er kein Vertrauen in mich. Es gab eine Phase, in der ich mehr Spiele hatte. Danach hat der Trainer einfach nicht mehr auf mich gesetzt, und das konnte ich nicht nachvollziehen."

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Zwischen Kovac und Rafinha sei das Verhältnis ziemlich frostig gewesen



Ganz besonders weh habe ihm der letzte Spieltag der Bundesliga getan. Es wäre sein Abschiedsspiel gewesen, sein letztes Spiel für den FC Bayern und das vor heimischer Kulisse beim ausgelassenen 5:1-Sieg gegen Eintracht Frankfurt mit der anschließenden Meisterschaftsfeier. Doch Kovac setze ihn nicht ein. "Das war ein Tiefschlag, der negative Höhepunkt. Ich war so enttäuscht! Der Trainer wusste, dass es mein letztes Spiel ist."


Die Woche zuvor wurde er für den angeschlagenen Thiago eingewechselt, diese Möglichkeit habe es in diesem letzten Spiel durch die Auswechslung von Leon Goretzka auch gegeben: "Es war die gleiche Situation. Aber Kovac brachte nicht mich, sondern Renato Sanches. Kovac wusste, was mir dieser Einsatz bedeutet hätte. Ich war sehr, sehr traurig", erklärt Rafinha. "Er hätte mich einfach bringen sollen."


Weiter auf das letzte Spiel der Saison angesprochen, meint er, Kovac hätte ihm "mit geschlossenen Augen vertrauen können", da er topfit war und unbedingt noch einmal vor den eigenen Fans spielen wollte. "Aber das tat er nicht."


"Irgendetwas zwischen Trainer und Mannschaft fehlte"

Viel Kritik bekam Niko Kovac, weil er im Umgang mit seinen Spielern viele Fehler gemacht habe. Durch viel Rotation in der Hinrunde habe er vielen die Sicherheit genommen, sagen einige, er profitiere in der Liga hauptsächlich von der individuellen Klasse der Spieler, was man auch am CL-Resultat erkenne, sagen auch andere Kritiker. Mittlerweile gibt es auch in dieser Sommerpause viel interne Kritik

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Als Dankeschön gab's anschließend eine kalte Bierdusche


Auch Rafinha spricht den ersten Punkt in dem Interview an: "Vielleicht war es auch schwer für ihn, weil es nur große, erfolgreiche Spieler mit viel Erfahrung gibt. Für Niko ist das nicht leicht. Aber dieses Jahr gab es viel Stress, viele Spieler waren unglücklich. Es gab Phasen in der Saison, in der wir alle Probleme hatten - nicht nur die Spieler, die sauer sind, weil sie auf der Bank sitzen. Irgendetwas zwischen Trainer und Mannschaft fehlte, vielleicht, weil er nur wenigen Spielern vertraut hat, zu selten den Kontakt zu anderen gesucht hat." 


Sowas habe er bei Bayern zuvor nicht erlebt, weil auch Spieler, die nicht spielten, eine wichtige Rolle gespielt haben, so Rafinha. Große Unzufriedenheit habe es gegeben, weil viele starke Spieler regelmäßig auf der Bank saßen. Zuvor zu viel Rotation und Wechsel, in der Rückrunde gar keine mehr, so Rafinhas Kritik. 


Nichtsdestotrotz wünsche er ihm alles Gute. Er hofft, dass bei Kovac "alles gut läuft, er lernt, und Dinge verbessert". Am Ende angesprochen auf seine besten Trainer bei den Bayern: "Auf Platz eins stehen Pep Guardiola und Jupp Heynckes, auf Platz zwei Carlo Ancelotti." 

Diese Kritik dürfte gesessen haben.