​Bisher war der ​SV Werder Bremen auf dem Transfermarkt noch nicht wirklich aktiv. Laut den Verantwortlichen wird sich das in den ​kommenden Wochen auch nicht grundlegend ändern, so könnte Bremen mit einem nahezu identischen Kader in die neue Saison gehen. Doch kann die Mannschaft ohne weitere Verstärkung das große Ziel Europa erreichen? Wir nehmen die Transferaktivitäten und die Saisonpläne genau unter die Lupe.


Bei den meisten Klubs der ​Bundesliga ist es im Sommer üblicherweise ein Kommen und Gehen, was die Stars und den Transfermarkt anbetrifft. Es ist die Norm, dass immer wieder hochklassige Spieler einen Verein verlassen und man sich gleichzeitig mit neuen Kräften verstärkt. Beim SVW ist dies im Sommer noch nicht der Fall, denn bisher war man - was abgeschlossene Transfers betrifft - kaum aktiv.


Mit Niclas Fülkrug verpflichtete man den einzigen wirklichen Neuzugang für 6,5 Millionen Euro. Für Marco Friedl, der bereits vom ​FC Bayern München ausgeliehen war, flossen weitere 3,5 Millionen. Benjamin Goller schloss sich als Jungprofi ablösefrei den Werderanern an, doch sonst ist bisher keine weitere Verpflichtung im Bremer Kader zu finden. Das hat vor allem einen Grund, denn Einnahmen machte man auf der anderen Seite gar keine.

Niclas Fuellkrug

Niclas Füllkrug ist bisher die einzige echte Verpflichtung



Durch den Abgang von Max Kruse, der nach Ablauf des Vertrags die Mannschaft verließ, klaffte eine große Lücke in der Werder-Offensive. Mit Füllkrug schloss man diese halbwegs, Friedl sorgt weiterhin für mehr Stabilität und Dichte in der Defensive. Weitere Stars wurden und sollen allerdings nicht verkauft werden, immerhin fand man zum Ende der letzten Saison ein hervorragend eingespieltes Team vor, welches man in den Grundzügen zusammenhalten wollte.


Das hat allerdings zu Folge, dass man selbst nicht wirklich über Transfer-Budget verfügt. Von Verpflichtungen im mittleren einstelligen Millionenbereich muss man sich wahrscheinlich schon verabschieden. Das wenige verbleibende Geld möchte man allerdings auch nicht für Reservisten ausgeben, die das Team nicht sofort verstärken können. So hat sich am groben Spieltags-Kader also bis auf einer Position im Angriff nichts getan.


Wie erwähnt plant man darüber hinaus keine weiteren Transfers mehr, auch da die Vorbereitung bereits begonnen hat und ein Neuzugang erst eingearbeitet werden müsste. Doch auf der anderen Seite muss ebenfalls angefügt werden, dass Werder bis auf Kruse alle Leistungsträger und Stammspieler halten konnte; Spieler wie Davy Klaassen und die Eggestein-Brüder, Ludwig Augustinsson oder Jiri Pavlenka haben alle einen enormen Wert für die Grün-Weißen.

SV Werder Bremen v FC Augsburg - Bundesliga

Werders erfolgreiche Truppe bleibt fast komplett erhalten



Sie sind alle geblieben und damit ergibt sich für den SVW eine ganz große Chance. Wenn man sich nämlich die vergangene Saison betrachtet, erkennt man einen fortschreitenden Prozess. Die Mannschaft, die zu Beginn der Saison noch eher als zu durchmischt erschien, steigerte sich von Woche zu Woche weiter. Automatismen und taktische Abläufe wurden besser und unter Trainer Florian Kohfeldt entwickelte sich Werder zu einer echten Einheit.


Bremen will nun das versuchen, was in der moderne Fußball-Welt oft unterschätzt wird. Meistens liegt der Fokus der Mannschaften vor allem auf der Verstärkung, zum Beispiel durch die Verpflichtung anderer Stars. Doch das eigene Team kontinuierlich aufzubauen und den Verkauf von eigenen Stammkräften zu vermeiden, kann ebenfalls zu Erfolg führen. Der Vorteil dabei ist nämlich vorrangig, dass alle Akteure bereits ihren Wert bewiesen haben.


Braucht es überhaupt Neuzugänge für den Erfolg?


Viele Neuzugänge floppen regelrecht bei ihren neuen Klubs, eingespielte Profis haben bei dem selben Verein nur selten solche Einbrüche. Bei Werder kommt noch dazu, dass viele Spieler immer noch mitten in der Entwicklung stecken. Egal ob Milot Rashica, oder Maximilian Eggestein, viele Akteure brauchen weiterhin das hohe Niveau um sich zu verbessern und weiter zu lernen. Der SVW ist die perfekte Chance für jeden von ihnen.


Der Mix aus jungen Wilden und erfahrenen Leadern wie Claudio Pizarro oder Niklas Moisander ist enorm effektiv. Immer wieder deuteten die Werderaner diese dichte und komplette Mannschaftsleistung an, jeder ist für jeden da und alle verbessern sich stetig weiter. Was im modernen Fußballgeschäft auffällt ist, dass es allerdings kaum zu diesen Konstellationen kommt, dass Trainer und Spieler über viele Jahre hinweg unverändert arbeiten können.


Im Hinblick auf Europa macht der SVW deswegen gerade alles richtig. Wenn man finanziell besser aufgestellt wäre, müssten weitere Transfers folgen, das ist klar. Doch nur weil viele Vereine dem Trend der abnehmenden Stetigkeit folgen und auch im Sinne der Vermarktung immer wieder nach neuen Spielern suchen, muss sich der SVW diesem Denkmuster nicht anschließen. Wenn man nun versuchen würde die Stars zu verkaufen, nur um Geld für Neuzugänge bereitzustellen, bei denen Erfolg keineswegs garantiert ist, wäre dies nur fahrig. 

Milot Rashica

Milot Rashica und Maximilian Eggestein sind das beste Beispiel für und entwicklungsfähige Spieler 



Jede Mannschaft entwickelt sich und so machten auch die Grün-Weißen eine stetige Verbesserung durch. Wenn man einen Spieler wie Maximilian Eggestein betrachtet, der aufgrund einer starken Rückrunde zur U21-Nationalmannschaft gehörte, stellt man fest, wie sehr die jungen Stars ein so konstantes wie gleichbleibendes Umfeld benötigen. Das ist das Erfolgsrezept vieler Ausbildungsvereine, die junge Spieler langsam an das Profi-Niveau heranführen und sie auf diesem Weg ständig als Konstante begleiten.


Natürlich ist auch die Wirkung von vielversprechenden Neuzugängen nicht zu unterschätzen, auch um eine gewisse Lethargie in der Mannschaft vorzubeugen. Doch dies bedeutet nicht, dass man nach einer so erfolgreichen Saison wieder versuchen muss, eine neue Grundlage zu schaffen, obwohl bereits eine existiert. Der Plan, keine Spieler zu verkaufen, sondern das Team ohne Neuzugänge auch in der Vorbereitung immer weiter zusammenzubringen, könnte voll aufgehen.


In der nächsten Saison darf man also gespannt sein, von Werder Bremen sollte man allerdings einiges erwarten. Denn die Mannschaft wird immer eingespielter und auch die Kostanz, die in der letzten Spielzeit immer wieder fehlte, wird noch mehr gefordert werden. Der SVW ist auf steilem Kurs nach Europa, dabei will man vor allem auf sich und weniger auf andere Vereine schauen. Denn Kohfeldt und seine Schützlinge wissen, worauf es ankommt. Als absolute Einheit kann das Team von der Weser zur richtigen Waffe werden.