Die bisherigen Transferaktivitäten des FC Bayern München lassen sich als leeres Versprechen deuten. Noch immer haben die Verantwortlichen keine weiteren Neuzugänge präsentieren können, lassen stattdessen Gerücht über Gerücht über sich ergehen und müssen selber darauf warten, konkrete Neuigkeiten vermelden zu können. Bis zum Transferschluss am 02. September hat Sportdirektor Hasan Salihamidzic zwar noch Zeit, den Mannschaftskader zu vervollständigen - doch gelingt ihm diese Aufgabe überhaupt?


Mit den Verpflichtungen von Benjamin Pavard, Lucas Hernandez und Jann-Fiete Arp hat Salihamidzic, der seit nun zwei Jahren als Sportdirektor beim Rekordmeister tätig ist, im ersten Quartal des Jahres ordentliche Arbeit geleistet, doch seither stockt es gewaltig. Weder Callum Hudson-Odoi, noch Leroy Sané oder Mittelfeldspieler Rodrigo, dessen Wechsel zu Manchester City mittlerweile offiziell ist, sind an der Säbener Straße eingetroffen. Viele Namen werden gehandelt, fast täglich wird ein neues Gerücht gestreut - Ergebnisse wurden jedoch noch keine geliefert, ​weshalb mittlerweile selbst Franck Ribéry Alarm schlägt.


​Gehandelte Spieler beim FC Bayern
​Leroy SanéManCity​
​Callum Hudson-Odoi​FC Chelsea
​Ousmane Dembélé​FC Barcelona
​Hakim Ziyech​Ajax Amsterdam
​Florian ThauvinOlympique Marseille​
​Rodrigo​Atletico (jetzt ManCity)
​Nicolas PépéOSC Lille​
​Timo Werner​RB Leipzig
​Steven BergwijnPSV Eindhoven​
​Lucas Vazquez​Real Madrid
​Yannick Carrasco​DL Yifang

Von Nicolas Pépé seien die Verantwortlichen nicht überzeugt, Timo Werner wird voraussichtlich erst im kommenden Jahr ablösefrei verpflichtet werden, Hakim Ziyech scheint man mittlerweile auch nicht mehr auf dem Zettel zu haben und Ousmane Dembélé dürfte wohl erst dann einen Abschied vom FC Barcelona erwägen, wenn die Katalanen nicht nur Antoine Griezmann, sondern auch Rückkehrer Neymar verpflichten würden. Das neueste Gerücht beinhaltete einen Transfer von Lucas Vazquez, doch den Angreifer von Real Madrid zieht es angeblich zu Arsenal London.


Hasan Salihamidzic

​ Die Kaderplanung befindet sich seit Monaten im Stillstand. Sportdirektor Hasan Salihamidzic (Foto) ist in der Pflicht, Antworten zu liefern. 



​Was auch immer sich die Verantwortlichen vorgenommen haben - bislang handelten sie sich lediglich das nächste große Eigentor nach der denkwürdigen Pressekonferenz im Oktober ein. Statt Fakten schaffen zu können, werden die Bayern nun mit der bitteren Wahrheit konfrontiert, ​noch keine weiteren Spieler von einem Wechsel überzeugt zu haben. Dabei besteht nach den Abgängen von Franck Ribéry, Arjen Robben, Rafinha, James Rodriguez und Mats Hummels Handlungsbedarf. ​Vor einigen Wochen wurde Yannick Carrasco gehandelt, überzeugend klingt diese Lösung allerdings nicht. Vorstellbar wäre ein Transfer von Florian Thauvin, auch Hakim Ziyech sollte man zumindest noch einmal in Betracht ziehen. 


Wann werden die Zügel in die Hand genommen?


​Klar ist, dass der FC Bayern keinen Spieler aus dem obersten Regal verpflichten wird. Einerseits, weil solche Spieler auch für den Rekordmeister zu teuer sind, andererseits, weil es mittlerweile genügend andere Vereine gibt, die nicht nur aufgrund des Geldes attraktiver sind. Stand jetzt ist keine namhafte Lösung zu erwarten, doch um weiterhin zu den größten Vereinen in Europa zu gehören, braucht es mehr als nur verheißungsvolle Talente, die erst in einigen Jahren zu Topspielern aufsteigen könnten.

Uli Hoeness,Karl-Heinz Rummenigge

   Auch Uli Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge (v.l.) muss klar sein, dass die Anzahl an gescheiterten Transfers nicht dem Selbstbild des FC Bayern München entspricht.


Verstärkt hat sich der Verein bislang lediglich im Nachwuchsbereich, der Profikader hingegen bemisst wenige Tage vor dem Trainingsauftakt 17 Feldspieler, von denen mit Renato Sanches und Jerome Boateng noch zwei den Verein verlassen könnten. Es scheint, als gingen Sportdirektor Hasan Salihamidzic die Alternativen aus.

​Der Bosnier steht vor seiner bislang größten Herausforderung und droht, krachend zu scheitern. Grundsätzlich hat Hoeneß mit der Aussage, man dürfe sich nicht einzig über Transfers definieren recht, doch mittlerweile muss auch in der Führungsetage die Botschaft angekommen sein, dass die hauseigenen Transferaktivitäten langsam aber sicher Fahrt aufnehmen müssen, um ein Fiasko zu verhindern. Ansonsten droht der Klub künftig auf internationalem Niveau im schlimmsten Fall nur noch Mittelmaß zu sein und wieder dort zu stehen, wo man in den Jahren nach dem Champions-League-Sieg 2001 stand.