Am späten Nachmittag endete die diesjährige Mitgliederversammlung des ​FC Schalke 04. Neben den Wahlen gab es wie erwartet die ein oder andere Bekanntgabe, dazu die Aussprache mit den Mitgliedern und das neue Heimtrikot wurde ebenfalls offiziell präsentiert. Ein Überblick.


Bei gemütlichen 34 Grad kam um die Mittagszeit fast 10.000 (Vereinsangaben) S04-Mitglieder zusammen, um im Stadion die Mitgliederversammlung abzuhalten. So hitzig wie die Temperaturen war die Stimmung allerdings nicht, wie auch die Aussprache zeigte. 


Begonnen hatte man mit Veränderungen an den geplanten Tagesordnungspunkten. Die Mitglieder stimmten gefühlt einstimmig dafür, die Berichte der Gremien und die Aussprache vor den Wahlen, anstatt danach, abzuhalten. Zunächst hatte man viele äußerst kritische Wortmeldungen erwartet, was sich dann aber schnell erledigte - viele der angemeldeten Redebeiträge fokussierten sich auf verschiedene Themen. So lobte beispielsweise ein Mitglied die jahrelange Arbeit von Horst Heldt, ein anderer beschwerte sich darüber, dass man nach einer solch schlechten Saison nur alkoholfreies Bier zur MV bekommen würde - natürlich mit einem kleinen Zwinkern. 


Eigenes Stadion abbezahlt - Vorbereitung auf eine Ausgliederung?


Finanzvorstand Peter Peters erklärte erneut die sehr guten Zahlen des vergangenen Geschäftsjahres und bot zugleich eine schlechtere Prognose für das Geschäftsjahr 2019, in dem man u. a. durch das Verpassen des internationalen Geschäfts einige Einnahmen vermisst. Peters zeigte sich in seiner Rede auch besonders engagiert gegen Rassismus, Antisemitismus, Sexismus und erläuterte, ab kommender Saison wird es extra Anlaufstellen geben, an die man sich wenden kann, wenn einem Ausfälle dieser Sorten auffallen. Diese Kampagne steht unter dem Motto "#Steht​auf". 


Eine gute Nachricht hatte er im Bezug auf den finanziellen Bereich noch zu vermelden. Morgen, zum 1. Juli, wird die letzte Rate für die 2001 erbaute Arena abbezahlt. Damit gehört die Veltins-Arena dann auch ganz offiziell dem FC Schalke 04. 


Mit einem düsteren Geständnis wecke Marketing-Chef Alexander Jobst das Interesse der Anwesenden: „Ich mache mir große Sorgen. So große Sorgen wie noch nie, seitdem ich auf Schalke bin." Gemeint hatte damit vor allem die Vermarktunserlöse, die im Jahr 2019 zum ersten Mal nicht gesteigert werden konnten. „Auf hohem Niveau, aber wir stecken fest. Wir kommen nicht weiter", betonte er weiter. 


Ein Grund dafür sei besonders der zuletzt fehlende sportliche Erfolg - dieser macht einen Verein natürlich am attraktivsten. Dennoch wolle er diesen Zustand nicht akzeptieren. Zur Besserung empfohl er, "neue Wege" zu gehen. Man müsse für sich und für den Verein klären, wer man identitätsbezogen ist und sein will. Während man den Verein vor allem mit Begriffen wie Tradition verbinde, stünden Beschreibungen wie "modern" oder "dynamisch" weit hinten an. Mit dem Satz „Die Tradition ist wichtig und wird immer wichtig bleiben. Aber allein damit können wir die Zukunft nicht gestalten", könnte er das für viele Schalke-Fans verpönte Wort der "Ausgliederung" zwar bewusst vermieden, aber aktiv darauf angespielt haben. 

Jochen Schneider,Clemens Toennies,Alexander Jobst

Alexander Jobst (ganz rechts im Bild) neben Jochen Schneider und Clemens Tönnies 


Etwas Nervennahrung dank Kabak und McKennie - Tönnies wiedergewählt


Mit am längsten redete Sportvorstand Jochen Schneider vor den Mitgliedern. In seiner Rede betonte er, man wolle die letzte Saison zwar nicht einfach hinter sich lassen und vergessen, sondern aus den Fehlern lernen, aber auch nicht allzu lange daran festhalten. Er erklärte auch, wie bereits auf der Pressekonferenz am Donnerstag, wie man sich in (naher) Zukunft sportlich weiter aufstellen wolle. ​Die Jugendausbildung der Schalker, die Knappenschmiede, soll in Zukunft deutlich größere finanzielle Mittel zur Verfügung gestellt bekommen. Die U19 und U23 wurden für ihre Leistungen in der abgelaufenen Saison (Meister und Aufstieg) auf der Bühne geehrt. 


Am meisten Applaus bekam er auch, und das lag nicht nur an der dann gefeierten Bekanntgabe des Transfers (15 Millionen Euro Klausel) von Abwehr-Talent Ozan Kabak. Der junge Türke hatte sich für Schalke entschieden, obwohl auch der FC Bayern oder AC Mailand an ihm interessiert waren. ​Er erhält einen Vertrag bis 2024. Ebenfalls bis 2024 soll Weston McKennie gebunden werden. ​Seine Vertragsverlängerung wurde ebenfalls bekannt gegeben und von den anwesenden Fans mit viel Freude wahrgenommen. Auch hier hat man trotz Interesse anderer Vereine (besonders aus England) den Spieler an sich binden können. Sollte das Interesse weiter bestehen oder gar wachsen, dürfte ein Transfer demnächst entweder nur durch eine hohe Ausstiegsklausel, oder nach Verhandlungen mit S04 möglich sein. 


Der Transfer von Benito Raman konnte auch heute nicht präsentiert werden. Er war heute beim Trainingsauftakt von Düsseldorf dabei, trainierte allerdings nur individuell und von den Fans getrennt. Nach der MV ließ Schneider weitere Positivität blicken, er gehe von einem wichtigen Schritt im Laufe des morgigen Tages aus. Laut Express soll der Wechsel nun durch sein, der Vertrag morgen beim positiven Medizin-Check unterschrieben werden. Zu den anderen gehandelten Kandidaten wie Robin Gosens oder Markus Schubert gab es keine Neuigkeiten. Man muss auch beachten, dass das Transferfenster auch eigentlich erst morgen richtig "öffnet".


​Ein weiterer großer Aspekt der MV war die Wahl zum Aufsichtsrat. Dabei wurden Clemens Tönnies und Peter Lange wiedergewählt. Es wird damit gerechnet, dass Tönnies auch wieder zum Vorsitzenden gewählt wird. 


Angesichts der vier verschiedenen Kandidaten sind mehr als 50 Prozent aller Stimmen schon ein beachtliches Ergebnis. Tönnies gab in seiner Rede zwar auch begangene Fehler zu, bekräftigte aber auch seinen Willen, den neuen Weg zu gestalten und positiv zu beeinflussen. Unter den Mitgliedern galt seine (klare) Wiederwahl auch den schwachen Gegenkandidaten geschuldet. 


Auch das Heimtrikot wurde im Rahmen der Versammlung präsentiert. Es ist schlicht gehalten mit einem Muster auf den Ärmeln und klassisch blau. 


Das Auswärtstrikot soll Mitte Juli im Rahmen eines Vorbereitungsspiels und das Ausweichtrikot zum Schalke-Tag am 11.08. präsentiert werden. Zu guter Letzt ist der Vorstand mit großer Mehrheit entlastet worden, und zum Ende wurde noch zusammen gesungen.