Die Tendenz dahingehend, dass Joao Cancelo Juventus Turin nach nur einem Jahr verlassen wird, besteht seit einigen Wochen. Der portugiesische Außenverteidiger wurde im Zuge dessen bislang mit ​Manchester City in Verbindung gebracht, die italienische Sportzeitung Tuttosport bringt plötzlich den ​FC Bayern München ins Spiel. Für den Rekordmeister würde ein Transfer durchaus Sinn machen, allerdings ist diese Meldung mit Vorsicht zu genießen.


Im Transfer-Sommer wird heiß diskutiert - egal wo. Ob in Deutschland, Spanien, England oder Italien, Transfergerüchte tauchen quasi täglich auf. ​Der Wahrheitsgehalt spielt dabei nicht immer eine Rolle. Dies gilt besonders für die italienischen Pressevertreter. 


Dass Tuttosport in diesem Kontext nicht gerade die seriöseste Quelle ist, lässt sich allein mit einem Zitat von Eurosport-Moderator Jan Henkel aus einem Interview mit der BILD im Februar 2018 belegen: "Die­ser ganze 'Mer­ca­to' ist Wahn­sinn! Das ist so über­hitzt dort, dass auch der Wahr­heits­ge­halt lei­det. Ich habe das ein­mal selbst mit­er­lebt. Da rief mich einer von 'Tut­to­sport' an und frag­te, ob ich mir (Bastian) Schwein­stei­ger bei einem be­stimm­ten Klub vor­stel­len könn­te. Ich sagte nur: 'Der Schwein­stei­ger ist so gut, der kann über­all spie­len.' Dann lese ich zwei Tage spä­ter bei BILD: 'Laut Tut­to­sport: Schwei­ni Kan­di­dat bei...' Seit­dem sage ich gar nichts mehr zu so was."


Bislang deutete alles auf einen Wechsel von Joao Cancelo zu Manchester City hin. Erst vor einem Jahr verpflichtete Juventus Turin den 25-Jährigen für 40,4 Millionen Euro vom FC Sevilla, die Alte Dame soll nun 60 Millionen Euro fordern. Laut Gazetta dello Sport haben sich beide Klubs auf einen Transfer verständigt - doch grätschen nun die Bayern dazwischen?

Hasan Salihamidzic

    Muss in den kommenden Wochen Ergebnisse - und somit neues Spielermaterial - liefern: Bayerns Sportdirektor Hasan Salihamidzic.


Mit Joshua Kimmich und Benjamin Pavard besitzt der Rekordmeister zwei Alternativen für den Rechtsverteidiger-Posten, aber: Kimmich ist in der Nationalmannschaft im zentralen Mittelfeld gesetzt, gibt dort den Abräumer, der bei der Weltmeisterschaft vor einem Jahr noch gefehlt hat. In der Zentrale ist der 24-Jährige eigentlich Zuhause, aufgrund seiner Vielseitigkeit wurde er zum Außenverteidiger transformiert.


Kimmich würde auf seine Wunschposition rücken


Seit der Saison 2017/18 spielt Kimmich als Nachfolger von Philipp Lahm in der Viererkette, beweist seine Stärken dabei besonders im Vorwärtsgang: In 95 Einsätzen lieferte er 36 Torvorlagen, traf zudem selber acht Mal. Über 90 Minuten marschiert er nach vorne, geht teils bis an die Grundlinie und schlägt immer wieder wichtige Flanken. Doch schon im Januar 2017 erklärte er laut ​Sport1: "Mein Ziel ist es schon, beim FC Bayern langfristig auf der Sechser-Position zu spielen."


Im Nations-League-Duell gegen Frankreich durfte er im September vergangenen Jahres erstmal wieder auf der 'Sechs' spielen, das Resultat: Kimmich sammelte 100 Ballkontakte, brachte 84 Prozent seiner Pässe an den Mann und erreichte eine Zweikampfquote von 78 Prozent (Opta). Seine Aufgabe, den Raum vor der Innenverteidigung abzusichern und die hohen Bälle auf Olivier Giroud abzufangen, erledigte er mit Bravour. 

Joshua Kimmich

Rückt Joshua Kimmich bald auch beim FC Bayern auf seine angestammte Position zurück?


Eine Versetzung beim FC Bayern würde für eine Veränderung im Kader sorgen: So könnte Javi Martinez endgültig für die Innenverteidigung eingeplant werden, Kimmich dessen Position im Mittelfeld einnehmen und gemeinsam mit Thiago, dem Dreh- und Angelpunkt im Offensivspiel der Bayern, in der Zentrale auflaufen. Derzeit ist man beim FCB ohnehin auf der Suche nach einem Sechser - Kimmich wäre ein idealer Kandidat, zumal Rodri nicht zu bekommen ist.


Wäre der lohnenswerte Transfer realisierbar?


Die Verpflichtung von Joao Cancelo würde daher einige Folgen mit sich bringen - und die Qualitäten auf der rechten Angriffsseite kaum vermindern. Der Portugiese ist ebenso offensiv ausgerichtet wie Kimmich, dribbelt seine Gegenspieler häufig an, wirkt dabei wie ein Flügelspieler und bemüht sich darum, viele Chancen zu kreieren. Ob die Hereingabe hoch oder flach erfolgt oder ob er es gar selbst probiert - Cancelo ist immer in der Offensive vorzufinden. Die Spielfreude die er versprüht, würde das teils trübe Offensivspiel der Münchner erheblich ankurbeln.


Auch in der eigenen Hälfte erledigt er seine Aufgaben zuverlässig. Die aufgerufenen 60 Millionen Euro würden zugleich aber auch die letzten Hoffnungen auf einen Transfer von Leroy Sané begraben. Da Kovac zum jetzigen Zeitpunkt vier Neuzugänge fordert, ist unklar, wie die Verantwortlichen mit ihrem selbst gesteckten Transferbudget verfahren. Und ob Manchester City mit Pep Guardiola und den nötigen finanziellen Mitteln nicht nur in sportlicher, sondern auch in finanzieller Hinsicht attraktiver wirkt, muss Joao Cancelo - ​wie auch Rodri - für sich entscheiden.