​Es ist Anfang Juli, der Transfermarkt ist nun auch in der ​Bundesliga offiziell eröffnet, das Handel- und Feilsch-Barometer wird in den nächsten Wochen noch weiter in die Höhe steigen - und bei uns in der Redaktion ist die Vorfreude auf die Saison 2019/2020 schon riesig. Warum? Weil die neue Spielzeit jede Menge Spannung verspricht. Und zwar in allen Tabellenregionen. Frauen-WM, U21-EM und die Turniere in Übersee - alles schön und gut. Aber nichts geht über den rollenden Ball in der Bundesliga!

Warum wir glauben, dass die kommende Saison einfach nur geil wird und man sich jetzt schon darauf freuen kann:


Simon Zimmermann


Warum ich den Bundesliga-Start herbeisehne? Das liegt doch auf der Hand! Vor uns liegt eine Saison, die jede Menge Spannung verspricht, in einer ganz engen Liga. Am Tabellenende erwartet, klar, jeder die beiden Aufsteiger Union Berlin und den SC Paderborn. Aber gerade die Ostwestfalen könnten zur echten Überraschung werden. Trainer Steffen Baumgart steht mit seinem Team für Spektakel und Offensivfußball. Und die Alte Försterei in Berlin hat jetzt auch einfach mal Bundesligafußball verdient. Dazu ist der Effzeh zurück - und der gehört einfach ins Oberhaus! Ich erwarte deshalb auch einen spannenden Abstiegskampf, in dem sich Teams wiederfinden werden, die jetzt noch so überhaupt nicht damit rechnen.


Denn, das Mittelfeld rückt für mich noch enger zusammen. Auf Schalke erwarte ich einen Aufschwung, die Hertha mit Covic (und den Investor-Millionen) ist ein spannendes Projekt und auch in Augsburg scheint man derzeit ein neues, spannendes Team zu formen. Dazu kommen Wolfsburg, Bremen, Hoffenheim, Gladbach, Frankfurt, die alle für Europa infrage kommen könnten.


Und der beste Teil: Ganz vorne glaube ich ernsthaft, dass es so spannend und eng zugehen wird wie noch nie. Stand jetzt zumindest. Die Bayern rumpeln durch den Sommer (auch wenn hier noch sehr viel passieren kann), der BVB rüstet mächtig auf, Leipzig erwarte ich mit Nagelsmann noch stärker - ich sehe RB als ernsthaften Titelkandidaten. Und nur knapp dahinter kommt für mich Leverkusen, wo das System Bosz toll funktioniert. Auch ohne Brandt wird die Werkself 19/20 noch stärker sein! Ähnliches könnte auch am Niederrhein mit Marco Rose gelingen.


Spannung pur, in einer Liga, in der alles möglich scheint. Was braucht man mehr, um die Bundesliga zu lieben - und den Start am 16.8. herbeizusehnen? Richtig, nichts!


Tal Lior


Vor allem in der oberen Tabellenhälfte könnte es in der neuen Saison zu einem noch besseren Konkurrenzkampf als im Vorjahr kommen. Wird Borussia Dortmund erneut mit dem FC Bayern ein Kopf-an-Kopf-Rennen um die Meisterschaft starten, und wie wird das zweite Favre-Jahr mit den vielen hochkarätigen Neuzugängen aussehen? Kann Nagelsmann in Leipzig sein System schnell integrieren und den Fußballprofessor Ralf Rangnick ebenbürtig beerben? Dieselbe Spannung kann der FC Bayern zum jetzigen Stand derweil nicht gerade hervorbringen. 


Doch der auf europäischer Ebene hochqualitative Fußball wird wahrscheinlich nicht mit den drei oben genannten Teams in der Bundesliga enden. Die Transferplanungen von Klubs wie Bayer 04, Borussia Mönchengladbach, VfL Wolfsburg und Werder Bremen deuten stark darauf hin, dass die neue Spielzeit einen mindestens genauso engen Kampf um die europäischen Plätze bieten wird. Hoffentlich wird die TSG 1899 Hoffenheim in den kommenden Wochen in diesem Bereich nachlegen, um nicht komplett den Anschluss zu verlieren.


Als neutraler Beobachter wird auch die Entwicklung der neuen Projekte der Bundesliga-Teams sehenswert sein. Schalke stellte sich im Sommer mit einer komplett neuen sportlichen Führung um, die neuen Ansprüche sind derzeit noch unklar. Teams wie Gladbach, Köln, Paderborn, Hertha, Hoffenheim und Wolfsburg bieten der Bundesliga bislang unbekannte Trainer, die neue Ideen und einen noch ansehnlicheren Fußball mitbringen werden.  


Es wird auch interessant zu sehen sein, welcher Spieler den nächsten Entwicklungssprung schafft. Wird bald erneut ein Teenager dieselben Leistungen wie Jadon Sancho oder Kai Havertz bringen können? Spieler wie Woo-yeong Jeong (SC Freiburg) und Dennis Jastrzembski (Hertha BSC) sollte man auf jeden Fall im Blickfeld behalten. Durch die Beförderung des bisherigen Jugendtrainers Ante Covic kann man in der Hauptstadt generell mit Einsätzen von vielen Top-Talenten rechnen. Die jungen Akteure der renommierten Jugendakademie der Berliner Hertha bekommen nun einen einmaligen Zugang zur Bundesliga-Bühne.  


Jan Kupitz


Spätestens seitdem der Spielplan für die kommende Spielzeit vorgestellt wurde, bin ich wieder Feuer und Flamme für die neue Saison. Dazu kommen die vielen liga-internen Wechsel der letzten Tage, die 2019/20 garantiert für Würze sorgen: Embolo von Schalke zu Gladbach, Hummels vom FC Bayern zum BVB oder Kabak vom VfB zu S04 - wer hätte das vor zwei Monaten überhaupt gedacht? Richtig: niemand! 


Und vielleicht - oder besser: sehr wahrscheinlich - werden wir in wiederum zwei Monaten erneut dastehen und uns über weitere aufregende Transfers freuen, die die Bundesliga noch unterhaltsamer machen werden. 


Unterhaltsam wird es in der neuen Saison auch ganz sicher an der Spitze. Und dort interessieren mich vor allem zwei Fragen: Kann Favre beim BVB endlich sein Trauma überwinden und auch im zweiten Jahr so erfolgreich spielen lassen? Bislang war ihm das in seiner Trainerkarriere meist nur in der ersten Saison beim neuen Verein gelungen. Und die zweite Frage: Was wird aus Kovac? Nach dem Abschied der Alphatiere Hummels, Robben & Ribery dürfte er es wohl ein wenig leichter haben, seine Stars zu kontrollieren - doch führt er sie auch erneut an die Spitze?


Oscar Nolte


Die Bundesliga​ war für mich in den letzten Jahren ein Metronom, das zwischen grausigem Abstiegsgeplänkel, einem trostlosen Niemandsland, ewigen Zweiten und Bayern München pendelte: langsam, träge und vor allem einschläfernd. Die Abstiegszone bot keinen Kampf mehr, sondern nur noch Tristesse; abgesehen von klaren Abstiegskandidaten und dem SC Freiburg war darüber hinaus jeder Club (ausgenommen Dortmund und die Bayern) ein Anwärter auf den Europapokal - nicht mehr Champions League und Europa League, nur noch Europapokal. Warum auch nicht? - etwas gerissen hat im "Europapokal" seit dem deutschen Champions-League-Finale 2013 sowieso kein Bundesligist mehr. Und der Titelkampf war mehr Speichelleckerei und verbale Taktierung, als wirklich spannender und geiler Fußball. 


Doch die Bundesliga scheint aus dem Dornröschenschlaf zu erwachen. "Angriff" heißt die neue, in der Bundesliga fast schon aus der Mode geratene, Devise. Verstecken will sich niemand mehr, nicht mal der BVB. Und da die Bayern scheinbar die einzigen sind, die das mit dem Angriff nicht so wirklich auf die Reihe kriegen, dürfte auch das Zeitalter der bajuwarischen Monarchie sich dem Ende neigen. Dass mit RB Leipzig eine dritte Macht im deutschen Fußball entsteht, begrüße ich, der der Romantik im Fußball schon lange abgeschworen hat, über alle Maßen. 


Einzig die abgestufte Reputation der Bundesliga hemmt meine Vorfreude. Dass ein Verein wie der FC Bayern trotz der Bereitschaft, viel Geld in die Hand zu nehmen, keinen wirklich großen Fisch angeln kann, ist schon sehr bedenklich und unterstreicht die Trostlosigkeit der Liga in den vergangenen Jahren. Möglicherweise braucht es aber diesen einen Schritt zurück, um zwei nach vorne zu machen. Und ich bin richtig heiß darauf, diesen nächsten Schritt bei schalem Bier  und endlich wieder aufregenden Bundesliga-Wochenenden zu genießen.