​Das Große erstmal vorweg: nur ein Trainer in der über sechzig Jahren alten Geschichte der europäischen Vereinswettbewerbe hat es geschafft, mit zwei Mannschaften aus demselben Land den Europapokal der Landesmeister respektive Champions-League-Titel zu gewinnen. Insofern passt der Spitzname, der ihm schon während seiner aktiven Trainer-Karriere verpasst wurde: der General!


Doch die Anfänge des ​Ottmar Hitzfeld (geb. 12. Januar 1949) waren alles andere als martialisch. Als Profi-Spieler in Deutschland nur beim VfB Stuttgart aktiv, verbrachte er weite Strecken seiner Spieler-Laufbahn in der beschaulichen Schweiz. 


Anfänge in der Schweiz


Dort begann 1983 auch seine Trainerkarriere. Den FC Zug führte Hitzfeld nach nur einem Jahr in die Nationalliga A, um dann beim FC Aarau anzuheuern. Nach vier erfolgreichen Jahren dort, heuerte er beim damaligen Spitzenklub Grasshoppers Zürich an, mit dem er zwei Meisterschaften, zwei Pokalsiege und einen Supercup-Sieg erringen konnte. 


Zur Saison 1991/92 wechselte er von der Schweiz zurück in sein Geburtsland Deutschland. Die Aufgabe hätte reizvoller kaum sein können: eine seit wenigen Jahren wieder im Aufbruch befindliche Borussia aus Dortmund wollte nach Horst Köppel den nächsten Entwicklungsschritt machen. 


Hitzfeld küsst den BVB wach


Und beinahe wäre Hitzfeld schon in seinem ersten Jahr der große Coup gelungen: bis sieben Minuten vor Schluss des letzten Spieltages der Saison 1991/92 war ​Borussia Dortmund Deutscher Meister. Dann traf Guido Buchwald in Leverkusen für den VfB und machte die Schwaben zum Meister. 


Doch Hitzfeld hatte schon mehr als angedeutet, dass mit seiner Borussen-Elf in den folgenden Jahren zu rechnen war. International ließen sie bereits aufhorchen, erreichten in der Saison 1992/93 das UEFA-Cup-Finale gegen Juventus. In den beiden Finalspielen gegen die Norditaliener blieben die Dortmunder jedoch chancenlos. Für Hitzfeld kein Grund, in Verzweiflung zu verfallen. Die in diesem Wettbewerb eingenommenen Gelder durfte Hitzfeld in den folgenden Spielzeiten für Spielertransfers ausgeben. Die Namen lesen sich heute noch wie ein Who is Who der jüngsten Vereinsgeschichte: Matthias Sammer, Stefan Reuter, Karl-Heinz Riedle, Andi Möller und Jürgen Kohler - jeder für sich schon fast eine eigene Borussen-Legende, verstand Hitzfeld es, diese starken Individualisten zu einer verschworenen Einheit zusammenzuschweißen. Der Lohn: die Meistertitel 1995 und 1996. Die ersten nach über 32 Jahren. Hitzfeld hatte die Phalanx der (damals schon!) scheinbar übermächtigen Bayern durchbrochen. 


Mit Borussia auf Europas Thron


Ein Jahr später folgte die Krönung auf höchster internationaler Ebene: am 28. Mai 1997 bezwang Borussia Dortmund den hohen Favoriten Juventus Turin mit 3:1 im Finale des Europokals der Landesmeister. Austragungsort: ausgerechnet das Münchener Olympiastadion. Schon vor diesem Zeitpunkt gab es immer wieder Gerüchte über ein angebliches Interesse der Bayern. Vorher aber holten "seine" Borussen noch den Weltpokal - wenn auch unter Trainer Nevio Scala, denn Hitzfeld hatte zum Ende der Vorsaison seinen Rücktritt als Trainer angekündigt und war nun Sportdirektor der Schwarz-Gelben. 


Wechsel nach München und Alptraum Barcelona


Im Sommer 1998 schließlich wurde der Alptraum aller Borussen-Fans bittere Realität: Ottmar Hitzfeld unterschrieb beim ​FC Bayern München. Beinahe erwartungsgemäß holten sich die Münchener dann auch gleich den Meistertitel. Doch das Frühjahr 1999 wurde überschattet durch - wie Hitzfelds Torwart Oliver Kahn sie später nennen sollte - die "Mutter aller Niederlagen": 102 Sekunden im Nou Camp von Barcelona sorgten für ein nie dagewesenes Wechselbad der Gefühle und eine der unglaublichsten Wendungen in der Geschichte des europäischen Fußballs. 


Die Bayern, die fast die gesamte Spielzeit in Führung gelegen waren (Mario Basler hatte sie in der 6. Minute per Freistoß in Führung geschossen), die während einer verrückten zweiten Halbzeit mehrfach (Zickler, Jancker, Scholl) die Möglichkeit hatten, das Spiel vorzeitig zu entscheiden, die schließlich, im Gefühl des sicheren Sieges, sogar ihren Kapitän Lothar Matthäus kurz vor Schluss aus dem Spiel genommen hatten - diese Bayern starben innerhalb von nur gut eineinhalb Zeigerumdrehungen den Sekundentod. Zwei Joker (Sheringham und Solskjaer) brachten Manchester United erst zurück ins Spiel - und dann "in das gelobte Land", wie ein völlig euphorisierter englischer Fernsehkommentator in sein Mikro jubelte. Hitzfelds Miene versteinerte auf der Trainerbank. Später sollte ihm in den Katakomben des riesigen Rundes der gegnerische Trainer Alex Ferguson über den Weg laufen. Beide Männer sahen sich sekundenlang an, unfähig Worte zu finden, dann sagte Sir Alex nur: "Sorry, Ottmar!" - und umarmte seinen deutschen Kollegen. 


Hitzfeld holt auch mit den Bayern den Henkelpott


Vielleicht wären andere Trainer zerbrochen an diesem Schicksal. Nicht so der General. Unbeirrt führte er seine Bayern weiterhin von Erfolg zu Erfolg - zumindest auf nationaler Ebene. Das jahrelange Wettrennen gegen seine ehemalige Borussia hatten Hitzfelds Bayern wieder um Längen gewonnen. Nach einer dramatisch errungenen Meisterschaft im bis heute wahnwitzigsten Schlussakkord der deutschen Fußballgeschichte, bot sich Ottmar Hitzfeld und den Seinen am 23. Mai 2001 erneut die Chance, den jahrzehntelangen Münchener Traum vom Henkelpott endlich wahr werden zu lassen. Das Spiel gegen den FC Valencia (der bereits im Jahr zuvor im Finale gestanden hatte und Real Madrid unterlegen war) war nicht annähernd so spektakulär wie seinerzeit 1999. Doch nach 120 zumindest dramatischen Minuten und einem ebenfalls wechselhaften Elfmeterschießen war Hitzfeld, war der FC Bayern München am Ziel angekommen. Auch endlich im gelobten Land. 


Bilanz für die Ewigkeit


Bis heute ist Ottmar Hitzfeld einer von fünf Trainern (neben Ernst Happel, Jose Mourinho, Jupp Heynckes und Carlo Ancelotti), der mit zwei verschiedenen Teams den Henkelpott gewinnen konnte. Es aber mit zwei Teams aus einem Land geschafft zu haben, blieb bislang nur dem General vergönnt. Seine Karriere als Trainer beendete Hitzfeld schließlich als Nationaltrainer der Schweiz, die er bei der Fußballweltmeisterschaft 2014 in Brasilien ins Achtelfinale führen konnte. 


Mit insgesamt sieben deutschen Meistertiteln, drei Pokalerfolgen, zwei Champions League-Trophäen und einem Weltpokal ist Ottmar Hitzfeld einer der erfolgreichsten Trainer, die je in der Bundesliga gewirkt haben.