​Mit dem Wechsel von Breel Embolo von ​Schalke 04 zum Liga-Konkurrenten ​Borussia Mönchengladbach stellen sich so manche Fragen: Wird er es schaffen, fit zu bleiben? Ist die Ablösesumme zu hoch oder zu niedrig? Doch vor allem: Ist der Wechsel von Embolo undankbar Schalke gegenüber, oder ist der Wechselwunsch nachzuvollziehen?


Der Embolo-Transfer spaltet nicht nur die S04-Fangemeinde in den sozialen Netzwerken, sondern auch in den Gladbacher-Kreisen gibt es unterschiedliche Meinungen. Bei den Schalkern gibt es viele, die sich Hoffnungen machten, unter Wagner gäbe es für den Schweizer endlich eine richtige Chance durchzustarten - nicht zuletzt aufgrund des offensiveren und auf Pressing aufgelegten Wagner-Stils. Für viele andere hingegen ist Breel Embolo schlicht der verletzungsanfällige Stürmer, der technisch nicht brilliert und in seinen drei Bundesliga-Jahren auf zehn Tore kommt. Dazu kommen enorm wichtige Transfereinnahmen für Schalke. 


Doch wie sieht das eigentlich aus Embolo-Sicht aus? Ist der angestrebte Wechsel für ihn verständlich und nachvollziehbar, oder übergeht er den Rückhalt der S04-Familie über die letzten Jahre, als er die schweren Zeiten seiner Verletzungen durchmachte und sich zurückkämpfen musste?


Ein Tapetenwechsel - Die Verletzungsseuche hinter sich lassen


Grundsätzlich ist ein Wechsel nach drei Jahren Vereinszugehörigkeit heutzutage alles andere als ungewöhnlich. Verträge sind​ im Fußball-Business da, um "gebrochen" zu werden - da darf man sich nichts vormachen. Bei Embolo fühlt es sich nur noch nicht nach drei Jahren an. Er war mehr als ein Drittel seiner Zeit bei S04 verletzt bzw. zumindest nicht einsatzfähig. Bezeichnend: Seit dem Wechsel im Sommer 2016 war das letzte Derby Ende April gleichzeitig sein erstes Derby (in dem er gleich traf). 


Dieses immense Verletzungspech hat ohne Frage auch seinen Teil dazu beigetragen, dass Embolo nie wirklich ankam. In seiner Bundesliga-Zeit kam er lediglich auf zehn Treffer. Natürlich spielte dabei auch die häufig defensivere Ausrichtung der Schalker eine Rolle, doch ebenso häufig scheiterte Embolo an den Torhütern oder an seiner nicht unbedingt ausgereiften Technik. Doch die Verletzungen stehen über allem. Gut möglich und durchaus denkbar, dass eben diese Verletzungen (für ihn) zu sehr mit Schalke in Verbindung stehen.

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Embolo war zu häufig von schweren Verletzungen geplagt



Embolo selbst soll diesen Wechsel auch initiiert haben. Auch wenn es eine Mutmaßung ist, scheint es, als wolle er diese Zeit hinter sich lassen. Nicht, um Schalke zu vergessen, sondern um mit den Verletzungen abzuschließen und ein neues Kapitel zu beginnen. Ein hoffentlich verletzungsfreies neues Kapitel. 


War die Unterstützung seitens S04 "umsonst"?


Während seinen Verletzungszeiten hat sich der Verein immer gut um Embolo gekümmert. Neben häufigen Besuchen auch von Vereins-Verantwortlichen, wie der Schweizer Nationalspieler mal im Vereinsmagazin Schalker Kreisel​ erzählte, sorgte der Club auch immer für eine sichere, nichts überstürzende Reha. Auch wenn er durch die damalige Ablösesumme zum Rekord-Transfer von S04 wurde, hat man ihm nie öffentlich Druck gemacht. Sowohl die Trainer, als auch die sportliche Leitung haben immer wieder betont, wie jung Embolo sei, welch großes Talent er habe und wie sehr ihn die Verletzungen beeinflussen und zurückwerfen würden. 


Dass er nun auch von sich aus wechseln möchte, hat dabei meines Erachtens nichts mit etwaiger Undankbarkeit zu tun. So ist das Geschäft, und wenn Breel meint, so ein neues Kapitel zu starten um endlich diese Negativ-Spirale durchbrechen zu können, dann ist das vollkommen legitim. Dazu kommt, dass man diesen Sommer auf ​Schalke sowieso auf Transfereinnahmen angewiesen ist, um den Umbruch im Kader besser finanzieren und gestalten zu können. 


Aufgrund seiner sympathischen Art kann ich ihm persönlich nur wünschen, endlich eine ganze Saison ohne Zwischenfälle absolvieren zu können. Ärgerlich dabei ist natürlich das erneute Minusgeschäft, was allerdings wenig überraschend kam. Dazu, dass Gladbach ein direkter Konkurrent von Schalke in der Liga ist.

Die Gladbacher wollten noch mindestens einen Stürmer holen, einen davon haben sie in ihm gefunden. Marco Rose möchte seinen Fußball, der zuvor RB Salzburg durch seinen offensiven Pressing-Stil erfolgreich machte, auch bei den Fohlen etablieren. Da kann Embolo mit seiner Physis seinen Teil zu leisten. Das hätte er allerdings auch auf Schalke unter David Wagner haben können. Auch das zeigt, dass er diesen "Tapetenwechsel" durchziehen möchte. Typisch S04 wäre es, wenn er bei der Fohlenelf richtig durchstarten würde. Doch das Risiko der Verletzungen bleibt natürlich hoch - das wissen auch die Gladbacher. 

Festzuhalten bleibt, dass man ihm als Schalker keine Vorwürfe machen kann. Auch wenn er drei Jahre lang auf seinen Durchbruch wartete, hat er sich stets zurückgekämpft. Der Wechsel nun vollzog sich ohne Schlammschlachten und ist in seinen Beweggründen vollkommen nachvollziehbar - auch wenn ihm Blau-Weiß deutlich besser steht als Weiß-Grün-Schwarz.